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Bewerbungstipps

Warum künstliche Schönheit in der Personalauswahl nach hinten losgeht

von Dunja R.
Veröffentlicht:  20. September 2026, 16:39
2 min
Gegenüberstellung von echtem Portrait und bearbeitetem Bild.

Ein makelloses Gesicht soll professionell wirken, kann im Recruiting aber genau das Gegenteil auslösen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass künstlich veränderte Bewerbungsfotos die Einschätzung von Intelligenz und Fachkompetenz verschlechtern. Für Bewerbende ergibt sich daraus eine überraschende Konsequenz: Ein fehlendes Foto kann die bessere Wahl sein.

Wenn das perfekte Gesicht misstrauisch macht

Attraktive Menschen werden in Auswahlverfahren häufig positiver beurteilt. Der sogenannte Attraktivitätseffekt führt dazu, dass ihnen eher Kompetenz, Intelligenz und Teamfähigkeit zugeschrieben werden. Doch dieser Vorteil endet offenbar dort, wo Schönheit künstlich oder unnatürlich wirkt.

Eine Studie von Uwe P. Kanning und Andrea L. Sander untersuchte, wie Bewerbungsfotos die Vorauswahl beeinflussen. Grundlage war die Bewerbung einer jungen Frau auf eine Traineestelle. Die 259 Teilnehmenden sahen entweder:

  • nur den Lebenslauf,
  • den Lebenslauf mit einem natürlichen Foto,
  • ein leicht bearbeitetes Foto, das etwa aufgespritzte Lippen und stärker konturierte Wangen simulierte,
  • ein deutlich stärker manipuliertes Bild.

Die Bearbeitungen wurden mithilfe einer KI Software erstellt. Sie sollten den Eindruck kosmetischer Eingriffe erzeugen, nicht reale Operationen abbilden.

Natürlich schlägt künstlich, selbst bei kleinen Veränderungen

Das Ergebnis fiel deutlich aus. Je stärker das Gesicht verändert war, desto weniger attraktiv wurde die Bewerberin eingeschätzt. Auch bei Intelligenz und Fachkompetenz schnitt das natürliche Foto besser ab.

Noch wichtiger war die Wirkung auf konkrete Auswahlentscheidungen. Mit dem natürlichen Foto wurde die Bewerberin:

  • als geeigneter für die Traineestelle bewertet,
  • eher zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen,
  • mit höherer Wahrscheinlichkeit als erfolgreich im weiteren Auswahlverfahren eingeschätzt.

Ob das Bild nur leicht oder stark manipuliert war, machte bei diesen Entscheidungen keinen zusätzlichen Unterschied. Bereits eine moderate künstliche Veränderung konnte den positiven Eindruck beschädigen.

Überraschend: Bei der Beurteilung der Sozialkompetenz zeigte sich dagegen unabhängig von Stärke der Fotobearbeitung kein signifikanter Unterschied.

Warum ein Foto ohne Retusche die bessere Strategie sein kann

Ein Bewerbungsfoto liefert nicht automatisch einen Vorteil. In der Studie unterschieden sich Bewerbungen ohne Foto bei den Auswahlentscheidungen nicht nennenswert von Bewerbungen mit Bild. Künstlich wirkende Fotos schnitten dagegen schlechter ab.

Für die Bewerbungspraxis lassen sich daraus drei Tipps ableiten:

  • Authentizität ist wichtiger als makellose Haut oder perfekte Gesichtszüge.
  • Retusche sollte nur störende Details dezent korrigieren und die persönliche Erscheinung nicht verändern.
  • Wenn ein Bild stark bearbeitet oder künstlich erzeugt wirkt, ist ein Verzicht auf das Foto unter Umständen sinnvoller.

Die Studie zeigt damit auch eine Grenze des klassischen Schönheitsbonus. Ein Gesicht kann attraktiv wirken, ohne glaubwürdig zu erscheinen. In der Personalauswahl zählt offenbar nicht nur der erste Blick, sondern auch der Eindruck, ob das gezeigte Bild zur realen Person passt.