Gesundheitspolitik
GKV-Reform: 122 Euro mehr pro Monat, aber nicht für alle
Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, muss sich auf höhere Kosten einstellen. Der Bundestag hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 12. Juni in erster Lesung beraten, beschlossen werden soll es noch vor der Sommerpause. Für Arbeitnehmer:innen heißt das: höhere Beiträge für Gutverdienende, mehr Zuzahlungen bei Medikamenten und Physiotherapie und einige Streichungen bei Kassenleistungen. Laut Gesetzentwurf der Bundesregierung drohen ohne Reform 2027 ein Defizit von 15 Milliarden Euro, bis 2030 sogar bis zu 40 Milliarden.
Was ändert sich für Versicherte?
Die geplante Reform greift an mehreren Stellen gleichzeitig ein:
- Höhere Zuzahlungen bei Medikamenten, Physiotherapie und Zahnersatz
- Höhere Beitragsbemessungsgrenze für Gutverdienende
- Beitragspflicht für nicht-erwerbstätige Ehepartner ab 2028
- Streichung einzelner Leistungen (Homöopathie, Cannabis-Blüten)
- Verpflichtende Zweitmeinung bei planbaren Knie-, Hüft-, Wirbelsäulen- und Schulter-OPs
122 Euro mehr pro Monat: Was Gutverdienende trifft
Die Höhe des Krankenkassenbeitrags richtet sich direkt nach dem Einkommen, allerdings nur bis zu einer festgelegten Grenze. Diese Beitragsbemessungsgrenze liegt 2026 bei monatlich 5.812,50 Euro brutto. Der Gesetzentwurf sieht eine außerordentliche Anhebung um weitere 300 Euro ab 2027 vor, zusätzlich zur ohnehin jährlich stattfindenden Anpassung an die Lohnentwicklung.
Konkret heißt das: Wer an der Beitragsbemessungsgrenze liegt, zahlt ab 2027 rund 1.383 Euro Krankenversicherung pro Monat, etwa 122 Euro mehr als heute (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil zusammengerechnet).
Wer gut verdient, zahlt damit mehr in die Kasse ein, weil ein größerer Teil des Gehalts beitragspflichtig wird.

Was die Reform für verschiedene Gehälter bedeutet
Wie stark die Reform Beschäftigte trifft, hängt vor allem vom Einkommen ab. Denn Krankenkassenbeiträge werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze fällig. Wer darunter verdient, ist von der Sonderanhebung kaum betroffen. Wer darüber liegt, zahlt künftig mehr.
Drei Beispiele aus der kununu-Gehaltsdatenbank zeigen, was das bedeutet:
- Verkäufer:innen verdienen in Deutschland im Schnitt rund 30.500 Euro brutto im Jahr. Sie liegen damit deutlich unter der Beitragsbemessungsgrenze. Für sie ändert sich durch die Sonderanhebung nichts direkt, ihre Beiträge steigen nur, wenn ihr Gehalt steigt oder sich der allgemeine Beitragssatz verändert.
- IT-Projektmanager:innen kommen im Schnitt auf rund 70.900 Euro brutto im Jahr. Damit liegen sie knapp über der heutigen, aber unterhalb der neuen Beitragsbemessungsgrenze. Die Mehrbelastung fällt für sie deshalb moderat aus: rund 17 Euro mehr im Monat, also etwa 200 Euro im Jahr.
- Geschäftsführer:innen verdienen im Schnitt rund 104.200 Euro brutto im Jahr und liegen damit klar über der Grenze. Sie würden die volle Mehrbelastung tragen: rund 122 Euro mehr im Monat, also gut 1.460 Euro im Jahr
Diese Zuzahlungen steigen außerdem
In der Apotheke greifen Versicherte 2027 tiefer in die Tasche: Die Mindestzuzahlung für Medikamente steigt von 5 auf 7,50 Euro, der Höchstbetrag von 10 auf 15 Euro.
Für Physiotherapie und häusliche Krankenpflege wird eine pauschale Zuzahlung von 15 Euro pro Verordnung eingeführt.
Beim Zahnersatz sinkt der Kassenanteil um 10 Prozent, Patient:innen zahlen also mehr selbst.
Zeitplan: So geht es jetzt weiter
Nach der ersten Lesung am 12. Juni wurde der Entwurf zur weiteren Beratung an die Ausschüsse überwiesen. Das Reformpaket soll noch vor der Sommerpause durch Bundestag und Bundesrat gebracht werden. Viele Maßnahmen könnten zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Die neue Beitragspflicht für nicht-erwerbstätige Ehepartner, 2,5 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen, ist erst ab 2028 vorgesehen. Innerhalb der Union gibt es allerdings Widerstand gegen die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, der weitere Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens bleibt damit offen.
Fest steht: Ohne Eingriffe droht ein strukturelles Defizit, das sich über Jahre weiter verschärfen würde. Die Reform markiert deshalb einen Wendepunkt, mit direkten finanziellen Folgen für Millionen Beschäftigte.