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Zug fährt durch herbstliche Berglandschaft

SBB schlägt Deutsche Bahn deutlich – nur nicht bei diesem wunden Punkt

Europas Bahnen unter der Lupe: Wie ticken die Mitarbeitenden bei SBB, Deutscher Bahn und ÖBB? Ein Kulturvergleich zeigt überraschende Unterschiede. Bei der Führungskultur punktet die ÖBB, dicht gefolgt von der SBB, während die DB hinterherhinkt. Knackpunkt ist die strategische Richtung: Hier verliert die DB massiv, während die SBB mit klaren Zielen überzeugt. Work-Life-Balance? Top bei der SBB, solide bei der ÖBB, ausbaufähig bei der DB. Beim Umgang miteinander gibt es Schieflagen bei der SBB. Fazit: Klare Ziele, Verlässlichkeit und eine mitreißende Kultur zahlen sich aus. Die DB braucht dringend einen kulturellen Neustart, sonst droht sie auf der Strecke zu bleiben.

Verspätungen, Baustellen, Personalengpässe: Europas Bahnen kämpfen mit vielen Problemen. Doch wie erleben Mitarbeitende die Kultur bei SBB, Deutscher Bahn und ÖBB? Der kununu Kulturkompass zeigt überraschend klare Unterschiede – und einen Gewinner.

Was Mitarbeitende über ihre Bahn wirklich denken

Infrastruktur sanieren, Digitalisierung vorantreiben, Kund:innen zufriedenstellen – die Aufgaben für die Bahnunternehmen SBB, Deutsche Bahn und ÖBB und sind riesig. Doch laufen die Weichen intern richtig? Sind die Beschäftigten überzeugt von der Richtung, die ihre Arbeitgeber einschlagen?

So liest du die Kulturdaten 

Die Grafik wirkt auf den ersten Blick komplex, folgt aber einer klaren Logik: 

  • Die vertikale Achse zeigt vier Kulturdimensionen: Führung, Strategische Richtung, Work-Life-Balance und Zusammenarbeit 
  • Die horizontale Achse reicht von eher negativ wahrgenommenen Werten (links) bis zu sehr positiv wahrgenommenen (rechts) 
  • Jeder Punkt steht für ein Unternehmen 
  • Die Farben zeigen, wie stark die Bewertungen ausfallen von unterdurchschnittlich bis exzellent
  • Die gestrichelte Linie? Das ist der Branchendurchschnitt für Transport & Logistik

Welche Werte zählen bei SBB, DB und ÖBB?

Im Kulturkompass siehst du, wie Beschäftigte ihre Arbeitgeber tatsächlich wahrnehmen. Basis dafür sind 140 Wertbegriffe – Mitarbeitende wählen aus, was bei ihnen im Job tatsächlich zählt. Diese Werte gruppieren sich in vier Bereiche: Führung, Strategische Richtung, Work-Life-Balance und Umgang miteinander. Je weiter rechts ein Punkt liegt, desto positiver fällt die Bewertung aus.

Wir haben SBB, DB und ÖBB unter die Lupe genommen. Das Bild ist eindeutig: Ein Unternehmen zieht davon, eins dümpelt im Mittelfeld, eins hängt zurück.

1. Führung: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen

Spitzenreiter bei der Führungskultur ist die ÖBB – mit knappem Abstand. Beschäftigte empfinden Führung hier als transparent, verlässlich und auf Augenhöhe. Fast gleichauf landet die SBB.

Bei der Deutschen Bahn sieht es anders aus. Die Bewertung fällt spürbar schwächer aus. Wechselnde Vorstände, unklare Prioritäten und ständiger Krisenmodus scheinen das Vertrauen in die Führungsebene zu erschüttern.

2. Strategische Richtung: Der Knackpunkt schlechthin

Hier wird es richtig interessant. Die Deutsche Bahn sackt regelrecht ab – und das hat Gründe. Jahrelang wurden Infrastruktur und Betrieb vernachlässigt, politische Einflussnahme erschwerte eine konsistente Strategie. Für viele Beschäftigte ist nicht erkennbar, wohin die Reise gehen soll.

Die ÖBB hält sich im oberen Mittelfeld. Große Bauprojekte wie die Koralmbahn sorgen für Aufbruchstimmung, gleichzeitig bremsen Budgetkürzungen und Naturkatastrophen wie das Hochwasser 2024 den Schwung.

Die SBB punktet stabil: Klare Zielsetzungen, Rekordergebnisse bei Passagierzahlen und eine nachvollziehbare Ausrichtung schaffen Vertrauen. Mitarbeitende scheinen zu wissen, wofür sie arbeiten.

3. Work-Life-Balance: Schweizer Präzision auch hier

Beim Thema Vereinbarkeit von Job und Privatleben liegt die SBB vorne. Flexible Modelle, faire Dienstpläne – was anderswo Wunschdenken ist, scheint hier gelebte Realität zu sein. Dicht dahinter bewegt sich die ÖBB. Die Deutsche Bahn liegt zwar über dem durchschnittlichen Bereich, aber hinter den beiden Konkurrenten. Es geht, aber es geht eben auch besser – das zeigt der Vergleich.

4. Umgang miteinander: Teamspirit und Vertrauensverlust

Beim kollegialen Miteinander schneidet die ÖBB gut ab. Die Stimmung im Team stimmt weitgehend. Die Deutsche Bahn liegt hier zwar im Durchschnitt, aber eben nur dort. Auffallend ist der Blick in die Schweiz: Lag die SBB bei allen anderen Kategorien über dem Durchschnitt, so scheint der Umgang miteinander auf interne Schieflage hinzudeuten. Kein Wunder, denn erst kürzlich wurde ein ehemaliger SBB-Kadermitarbeiter entlarvt, der über 9 Millionen Franken veruntreut hat. Und er ist nicht der erste innerhalb des Unternehmens.

Unternehmenskultur entscheidet, wer auf Kurs bleibt

Die kununu Daten zeigen: Das größte Problem der Bahnen liegt nicht nur in maroden Gleisen oder alten Zügen. Es sind die inneren Weichen, die falsch gestellt sind. Besonders die Deutsche Bahn verliert bei der strategischen Ausrichtung massiv an Boden – und das spüren die Mitarbeitenden täglich.

  • Die SBB beweist, dass es anders geht. Eine klare Linie, Verlässlichkeit und eine Kultur, die Menschen mitnimmt, zahlen sich aus. Jedoch nur solange interne Machenschaffen am Vertrauen der Mitarbeitenden zehren.
  • Die ÖBB fährt solide Mittelklasse, hat aber Potenzial nach oben.
  • Bei der Deutschen Bahn hingegen ist ein kultureller Umbau dringend nötig – sonst bleibt sie auf der Strecke.

Du überlegst, in der Bahnbranche zu arbeiten? Dann schau nicht nur aufs Gehalt oder den Standort. Frag dich: Wo wird eine Richtung vorgegeben, der ich vertrauen kann? Wo passt die Führungskultur zu mir? Wo stimmt die Balance zwischen Job und Leben? Denn Unternehmenskultur ist kein Nice-to-have – sie entscheidet darüber, ob du jeden Morgen gern zur Arbeit fährst oder nur noch Dienst nach Vorschrift schiebst.