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Softwareentwickler lächelt im Büro vor Code auf Monitoren

Der große Kultur-Check 2026: Wo die IT-Branche glänzt – und wo sie noch wachsen muss

Die IT-Branche punktet mit attraktiven Arbeitsbedingungen, aber der Kulturkompass zeigt Unterschiede zwischen den großen Playern. Work-Life-Balance ist oft top, besonders bei Computacenter und T-Systems, während Bechtle hier etwas abfällt. Bei der strategischen Ausrichtung gibt's Luft nach oben – Mitarbeiter wünschen sich mehr Klarheit und Visionen. Überraschend stark: T-Systems in der Führung. Computacenter glänzt bei der Zusammenarbeit. Fazit: Wer Flexibilität sucht, ist in der IT richtig. Wer Wert auf klare Strategie legt, sollte genauer hinschauen. Mehr Transparenz in der Strategie kann die Unternehmenskultur weiter stärken.

Zukunftssicher, lukrativ und innovationsorientiert – die IT-Branche gilt als eines der attraktivsten Arbeitsfelder in Deutschland. Doch wie steht es eigentlich um die Unternehmenskultur, gerade bei den großen Playern? Ein Blick in den kununu Kulturscan zeigt, in welchen Bereichen renommierte IT-Unternehmen im Branchenvergleich überdurchschnittlich abschneiden – und wo Unterschiede auffallen.

IT-Arbeitgeber überzeugen trotz Herausforderungen – mit klaren Unterschieden

Aktuell stehen IT-Unternehmen mehr denn je unter Druck: geopolitische Unsicherheiten, Entlassungswellen und sich schnell entwickelnde Technologien prägen den deutschen Markt. Gleichzeitig sehen sich gerade große IT-Arbeitgeber mit der Herausforderung konfrontiert, trotz dieser Rahmenbedingungen ein stabiles Arbeitsumfeld, klare Orientierung und attraktive Entwicklungsperspektiven zu bieten.

Hinzu kommt: Viele große IT-Unternehmen befinden sich in Umbruchphasen – etwa durch eine veränderte Nachfrage oder neue Investitionsschwerpunkte rund um KI und Automatisierung. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie gut es den großen Playern gelingt, diesen Spagat auch kulturell zu meistern – jenseits von Umsatz, Wachstum und Marktposition. Der kununu Kulturscan gibt darauf eine spannende Antwort – direkt aus Sicht der Mitarbeitenden.

Graphik zum kununu Kulturpass in der IT-Branche in Deutschland

So liest du den Kultuscan 

Die Grafik wirkt auf den ersten Blick komplex, folgt aber einer klaren Logik: 

  • Die vertikale Achse zeigt vier Kulturdimensionen: Führung, Strategische Richtung, Work-Life-Balance und Zusammenarbeit 
  • Die horizontale Achse reicht von eher negativ wahrgenommenen Werten (links) bis zu sehr positiv wahrgenommenen (rechts) 
  • Jeder Punkt steht für ein Unternehmen 
  • Die Farben zeigen, wie stark die Bewertungen ausfallen von unterdurchschnittlich bis exzellent

Was der kununu Kulturscan zeigt

In der Grafik wird sichtbar, wie Beschäftigte bei SAP, Bechtle, T-Systems und der Computacenter AG die Unternehmenskultur erleben. Grundlage sind 140 Wertbegriffe, aus denen Mitarbeitende auswählen, was in ihrem Arbeitsalltag wirklich gelebt wird.

Diese Werte lassen sich vier Bereichen zuordnen:

  • Führung,
  • Strategische Richtung,
  • Work-Life-Balance und
  • Zusammenarbeit

Je weiter rechts die Punkte auf der Matrix liegen, desto besser ist die Mitarbeitendenbewertungen im entsprechenden Bereich.

Work-Life-Balance im Vergleich: T-Systems glänzt, Bechtle unter Branchendurchschnitt

In der Dimension Work-Life-Balance liegen drei der vier betrachteten IT-Unternehmen deutlich über dem ohnehin hohen Branchenschnitt. Besonders Computacenter und T-Systems erreichen hier sehr starke Werte. Das Software-Unternehmen SAP folgt mit der drittstärksten Work-Life-Balance im Vergleich. Bechtle fällt in dieser Dimension im Vergleich zu den anderen Größen spürbar ab und markiert das Schlusslicht unter dem Branchendurchschnitt.

Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Rücksichtnahme auf private Bedürfnisse scheinen damit fest in der DNA der IT-Branche verankert zu sein – und werden von Mitarbeitenden entsprechend honoriert.

Zwischen KI-Hype und Cloud-Frust: Warum die Strategie zur gemeinsamen IT-Baustelle wird

Bei der strategischen Richtung verlaufen die Kurven aller vier Unternehmen vergleichsweise weit links – teils deutlich näher am Branchendurchschnitt als in den übrigen Kulturdimensionen.

Das deutet darauf hin, dass Mitarbeitende strategische Entscheidungen nicht immer als klar nachvollziehbar erleben und sich mehr Orientierung, eine stärkere Vision oder langfristigere Planung wünschen. Angesichts laufender Transformationsprozesse – etwa bei SAP im Zuge der Cloud-Neuausrichtung oder bei T-Systems im Kontext neuer KI- und Infrastrukturprojekte – überrascht dieses Ergebnis kaum.

Gerade im Vergleich zu den sonst überwiegend positiven Bewertungen fällt diese Dimension bei allen vier Unternehmen sichtbar ab – am deutlichsten beim Dienstleister T-Systems. Der Kulturscan zeigt hier damit branchenübergreifend den größten Entwicklungsbedarf, um das kulturelle Gesamtbild weiter zu stärken.

Führung: T-Systems überrascht positiv

Ein besonders spannender Unterschied zeigt sich in der Dimension Führung. T-Systems hebt sich hier erneut deutlich positiv ab und erreicht die stärkste Führungsbewertung im Gesamtvergleich. Auch SAP und Computacenter liegen in dieser Dimension klar über dem Branchendurchschnitt. Bechtle schneidet ebenfalls positiv ab, bleibt jedoch hinter den übrigen Unternehmen zurück. Gerade in Phasen strategischer Neuausrichtung scheint Führung für Mitarbeitende eine zentrale Rolle zu spielen: Wo Orientierung, Kommunikation und Einbindung gelingen, werden Veränderungen offenbar besser abgefedert.

Insgesamt zeigt sich: Gute Führung ist in der IT kein Selbstläufer – wird von Mitarbeitenden jedoch sehr deutlich wahrgenommen und honoriert, wenn sie gelingt.

Zusammenarbeit: Computacenter an der Spitze

Was die Zusammenarbeit betrifft, zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der Work-Life-Balance. Computacenter und SAP erreichen hier besonders positive Werte, wobei Computacenter im Vergleich an der Spitze liegt. T-Systems positioniert sich ebenfalls klar über dem Branchenschnitt, während Bechtle in dieser Dimension nah am Durchschnitt bleibt.

Insgesamt wird deutlich: Teamgeist, Kollegialität und gegenseitige Unterstützung sind in vielen IT-Unternehmen fest verankert – werden jedoch nicht überall gleich stark gelebt.

Fazit: Attraktive Branche mit klaren Lernfeldern

Insgesamt überzeugt die IT-Branche mit guten Arbeitsbedingungen. Vor allem die Work-Life-Balance zählt zu ihren größten Stärken. Gleichzeitig bleibt die strategische Richtung eine zentrale Herausforderung – nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines wirtschaftlich und politisch bewegten Umfelds. Digitalisierung, Investitionszurückhaltung, regulatorische Anforderungen und geopolitische Unsicherheiten erhöhen den Anpassungsdruck auf viele Unternehmen und erschweren damit langfristige Planbarkeit.

Für Arbeitnehmende bedeutet das: Wer Wert auf Flexibilität und gute Zusammenarbeit legt, findet in der IT-Branche sehr attraktive Rahmenbedingungen. Wer hingegen klare Orientierung und eine langfristige Vision sucht, sollte genauer hinschauen – denn hier unterscheiden sich die Unternehmen deutlich.

Für Unternehmen wiederum zeigt sich klar, dass mehr strategische Transparenz gerade in Zeiten des Wandels dazu beitragen kann, Sicherheit zu vermitteln und die ohnehin starke Unternehmenskultur weiter zu festigen.