Religion im Job

Wie viel Religion ist im Job erlaubt?

Egal ob du nun Gott, Jahwe, Allah, Shiva oder Buddha sagst: Deine Religion gehört zu dir. Übrigens auch, wenn du an nichts glaubst. Wir sagen dir nicht nur, wie viel Religion im Job erlaubt ist, sondern auch, ob dir dein Chef einen Gebetsraum zur Verfügung stellen müsste.

Hard facts

Leider kämpfen viele Menschen – besonders jene, die einen nur annähernd ausländisch klingenden Namen besitzen – auch im Jahr 2018 im Bewerbungsprozess noch gegen viele Vorurteilen an. Warum? Du entsprichst nicht der Norm. Das wird noch deutlicher, sobald du in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht der Mehrheitsreligion (die übrigens vielleicht bald von der Nicht-Religionszugehörigkeit abgelöst wird), dem Christentum, angehörst. Frauen mit Kopftuch wird manchmal gleich unterstellt, dass sie Muslima seien. Muss aber gar nicht so sein. Auch orthodoxe Jüdinnen tragen beispielsweise Kopftuch.

Allerdings gibt es auch immer mehr Unternehmen, die sich für eine religionsunabhängige und offene Candidate Journey und Mitarbeit einsetzen. Dazu gehören unter anderem die Consulting-Firma Accenture, die BMW Group, Telefon- und Internetanbieter Vodafone oder die Versicherung AXA.

Von Baumwoll-Kopftüchern und Dankesgebeten

Beim Vorstellungsgespräch musst du deinem potentiellen Arbeitgeber nichts von deiner Religion erzählen und auch nicht, wenn du den Job bereits angetreten hast. In deinem eigenen Interesse solltest du es aber tun. Jedenfalls dann, wenn es deine Arbeit beeinflussen würde. Praktizierende Juden dürfen zum Beispiel an Samstagen nicht arbeiten. Der Tag ist für sie heilig. Bei der Polizei oder im Krankenhaus ist das nicht möglich – die Gangster schlafen nie, weshalb sie wohl auch an Samstagen in der Notaufnahme landen könnten. Für Muslime könnte es dagegen zum Problem werden, wenn sie Alkohol verkaufen müssen. Aus Sicherheitsgründen muss dein Arbeitgeber auch abklären, aus welchem Material dein Kopftuch besteht. So sind Kopftücher aus Baumwolle häufig erlaubt, andere Materialien jedoch nicht. Christen, Buddhisten oder Hindus haben solche Beschränkungen in der Arbeitswelt im Normalfall nicht. Es kommt aber natürlich immer darauf an, wie streng du deine Religion auslegst.

Muslimen ist es beispielsweise erlaubt, dass sie ihr versäumtes Gebet am Feierabend nachholen. Im Koran steht außerdem, dass die Fastentage des Ramadans notfalls – also zum Beispiel, wenn du im Schichtdienst arbeitest – auch nachgeholt werden dürfen. Informiere dich am besten in deiner lokalen Religionsgemeinde über deine Möglichkeiten. Anders ist es natürlich, wenn du im Dienste des Glaubens arbeitest und in der Kirche, in einer Moschee oder einer Synagoge angestellt bist. Die katholische Kirche kündigte in Deutschland früher zum Beispiel wiederverheirateten Personen, das katholische Arbeitsrecht wurde in den letzten Jahren aber gelockert.

Besonders die Menschen in Bayern schicken übrigens ab und an ein Dankesgebet gen Himmel, sie haben in Deutschland die meisten Feiertage – nämlich im Jahr 2019 genau 15 Stück. Da Bayern vom römisch-katholischen Glauben geprägt ist, haben ein großer Teil dieser Feiertage einen religiösen Hintergrund. Darüber freuen können sich aber nicht nur die Christen, sondern alle Arbeitnehmer des Bundeslandes.

Such dir Verbündete

In Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist neben der Gedankens- und Gewissensfreiheit auch die Religionsfreiheit niedergeschrieben. Dein Arbeitgeber kann deinen Glauben also nicht einfach unter den Tisch fallen lassen, sondern muss darauf Rücksicht nehmen. Allerdings hat auch er – berechtigte – Interessen: unter anderem soll deine Arbeitskraft darunter nicht leiden. Du bist mit Sicherheit nicht der einzige Gläubige in deinem Unternehmen. Egal, welcher Religion ihr angehört – schließt euch zu einer Interessensgruppe zusammen. Mit geballter Kraft könnt ihr in eurem Unternehmen mehr erreichen. Macht eurem Chef bewusst, dass ihr seine Rücksichtnahme mit mehr Motivation belohnen werdet.

Seid kompromissbereit: Dein Chef muss dir keinen Gebetsraum zur Verfügung stellen, weil das einen zu großen Aufwand für ihn darstellt. Du kannst dich dafür zum Beispiel in einem leerstehenden Meetingraum oder in den Pausenraum zurückziehen. Eine Argumentationsgrundlage hast du zum Beispiel dann, wenn in deinem Unternehmen bisher bezahlte Raucherpausen gestattet wurden. Achtet darauf, ob sich andere Mitarbeiter durch euer Verhalten benachteiligt fühlen könnten und versucht aktiv in den Dialog zu treten.

Aktuell wird in der Rechtssprechung häufig je nach Einzelfall entschieden. Vor allem über das Tragen eines Kopftuchs am Arbeitsplatz wird aber teilweise hitzig debattiert.

Hilf deinen Kollegen

Sei dir dessen bewusst, dass nicht jeder deiner Kollegen weiß, was deine Religion für dich bedeutet. Gehe deshalb offen auf sie zu und erkläre, warum du zum Beispiel in den regelmäßigen Gebetszeiten keine Meetings abhalten möchtest.

Wenn du selbst die Person bist, die an nichts glaubt, kannst du aktiv auf deine religiösen Arbeitskollegen zugehen. Stelle ruhig alle Fragen, die dir auf der Seele brennen. Sei dir aber gleichzeitig dessen bewusst, dass Religion trotzdem noch Privatsache ist und nicht jedes Detail ausdiskutiert werden muss.

 

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