Tankrabatt mit Lücken
17 Cent versprochen, 4 Cent angekommen: Beim Diesel verpufft der Tankrabatt
In Deutschland sollte der Tankrabatt seit dem 1. Mai 2026 für spürbare Entlastung an der Zapfsäule sorgen – 16,7 Cent pro Liter weniger Steuern auf Benzin und Diesel. Eine Auswertung des ifo Instituts zeigt jedoch: Beim Diesel kamen in den ersten Tagen im Schnitt nur rund vier Cent bei den Autofahrer:innen an. Vor allem Pendler:innen spüren von der versprochenen Entlastung bislang wenig.
Beim Diesel landet nur ein Bruchteil an der Zapfsäule
- Die Bundesregierung hat die Energiesteuer auf Kraftstoffe um 14,04 Cent gesenkt.
- Die Regelung gilt bis Ende Juni.
- Inklusive Mehrwertsteuer ergibt das eine Entlastung von 16,7 Cent pro Liter.
- Die Steuerausfälle für den Bund liegen bei rund 1,6 Milliarden Euro.
Die Schwachstelle der Regelung: Der Rabatt landet zunächst bei den Mineralölkonzernen. Eine gesetzliche Pflicht zur vollständigen Weitergabe an Verbraucher:innen gibt es nicht. Die Folge zeigt sich an den Zapfsäulen.
So wenig kommt bei den Verbraucher:innen an
Das ifo Institut hat die Preisbewegungen mit denen in Frankreich verglichen, um Marktschwankungen herauszurechnen. Die Zahlen aus den ersten Tagen sind eindeutig:
- Super: rund 12 Cent von 17 Cent weitergegeben
- Diesel: nur rund 4 Cent von 17 Cent weitergegeben
Der ADAC kommt mit einem anderen Berechnungsweg zu einem ähnlichen Befund: Im bundesweiten Tagesdurchschnitt sind die Spritpreise nur rund 11 Cent günstiger als am letzten Tag vor dem Rabatt. Selbst der Branchenverband Fuels und Energie räumte gegenüber dem BR ein, dass der Sprit aktuell eher um etwa 10 Cent günstiger sei – die fehlenden Cent erklärt er allerdings nicht mit zurückgehaltenen Rabatten, sondern mit dem Weltmarkt und dem Nahostkonflikt.
Der Kontext verschärft das Bild: Der April 2026 war nach ADAC-Daten der teuerste Tankmonat aller Zeiten. Ein Liter E10 kostete im Bundesschnitt 2,11 Euro, ein Liter Diesel 2,27 Euro. Auch nach dem Rabatt bleiben die Preise auf hohem Niveau.
Pendler:innen tragen die Lücke besonders
Wer auf das Auto angewiesen ist, um zur Arbeit zu kommen, merkt die Lücke direkt im Portemonnaie. Bei einem Arbeitsweg von 40 Kilometern pro Tag summieren sich die fehlenden Cent über zwei Monate schnell auf einen zweistelligen Eurobetrag pro Beschäftigte:n.
Besonders bitter ist das für Berufspendler:innen mit Diesel-Fahrzeugen. Beobachtungen aus früheren Jahren zeigen, dass Diesel-Fahrer:innen weniger preissensibel reagieren – häufig, weil sie aus beruflichen Gründen schlicht fahren müssen. Genau diese Gruppe spürt vom Rabatt am wenigsten.
Konzerne unter Druck, Kartellamt ausgebremst
Der Branchenverband Fuels und Energie verweist auf Übergangsbestände, die noch zum alten Steuersatz versteuert seien. Erst wenn diese aus Raffinerien und Tanklagern verschwunden seien, könne der Rabatt voll wirken.
Politisch wächst der Druck. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, bezeichnet die Konzerne als bloße Treuhänder der Entlastung. Doch dem Amt sind teilweise die Hände gebunden: Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat ein Verfahren zur Überprüfung des Kraftstoff-Großhandels vorerst gestoppt.
Was bleibt: App-Vergleich und genaues Timing
Solange die Politik nicht nachschärft, bleibt Beschäftigten nur, beim Tanken bewusster vorzugehen. Das Kartellamt empfiehlt aktuell ausdrücklich den Vergleich über Spritpreis-Apps, weil die Preiskurven stärker schwanken als sonst.
Ob die volle Entlastung von 17 Cent doch noch ankommt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wenn die alten Bestände aus den Raffinerien abverkauft sind. Die Lücke zwischen politischem Versprechen und realer Entlastung bleibt ein Vertrauensproblem – und ein teures dazu.