Änderung des Rentensystems
Midsommar im Alter? Schwedisches Rentenmodell für Deutschland umstritten
Die deutsche Bundesregierung diskutiert einen der größten Umbauten des Rentensystems. Angesichts der alternden Bevölkerung stößt das bisherige Umlagesystem zunehmend an seine Grenzen. Eine Expertenkommission empfiehlt eine verpflichtende Zusatzrente nach schwedischem Vorbild. Das Ziel: höhere Renten für künftige Generationen. Doch der Widerstand ist bereits hoch.
Die wichtigsten Punkte der Reform auf einen Blick:
- Pflichtbeitrag zusätzlich zur gesetzlichen Rente
- Finanzierung durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber
- Anlage der Beiträge in einem Staatsfonds
- Start voraussichtlich ab 2028
- Höhere Renten für Menschen mit Renteneintritt nach 2040
So funktioniert die geplante Schweden-Rente
Neben der klassischen gesetzlichen Rente könnte künftig ein Teil der Beiträge in einen staatlich organisierten Fonds fließen. Das Modell orientiert sich an Schweden, wo Beschäftigte seit 1998 zusätzlich zur gesetzlichen Rente verpflichtend Kapital für das Alter ansparen.
Der Einstieg könnte bereits 2028 beginnen. Zunächst wäre ein Zusatzbeitrag von 0,5 Prozent des Bruttolohns vorgesehen, später sollen daraus bis zu zwei Prozent werden.
Das Geld würde nicht wie bisher direkt an aktuelle Rentner ausgezahlt, sondern langfristig am Kapitalmarkt investiert werden. Die Verwaltung soll über einen staatlichen Fonds erfolgen. Für die Übergangszeit ist ein steuerfinanzierter Ausgleich geplant, damit Rentner keine Nachteile haben.

Warum Schweden als erfolgreiches Vorbild gilt
In Schweden werden zusätzlich zur gesetzlichen Rente 2,5 Prozent des Bruttolohns kapitalgedeckt angelegt. Standardmäßig landen die Beiträge im staatlichen Fonds AP7.
Die Ergebnisse gelten als bemerkenswert: Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung erzielte der Fonds über viele Jahre durchschnittlich rund elf Prozent Rendite pro Jahr. Wer über 40 Jahre monatlich 100 Euro einzahlt und langfristig etwa fünf Prozent Rendite erzielt, könnte ein Kapital von rund 150.000 Euro aufbauen. Daraus ließe sich später eine Zusatzrente von etwa 500 Euro monatlich finanzieren.
Arbeitgeber und Gewerkschaften laufen Sturm
Während Industrieverbände die Reform teilweise begrüßen, kommt von Arbeitgebern und Gewerkschaften deutliche Kritik. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände warnt vor zusätzlichen Belastungen von mehr als 40 Milliarden Euro jährlich, so in der FAZ zu lesen.
Auch Versicherer lehnen einen staatlichen Fonds ab und plädieren stattdessen für den Ausbau privater und betrieblicher Vorsorge. Gewerkschaften bevorzugen ebenfalls Modelle über Betriebsrenten statt einer staatlich organisierten Kapitalrente.
Die Bundesregierung steht damit vor einer schwierigen Entscheidung. Befürworter sehen in der Schweden-Rente die vielleicht letzte große Chance, das Rentensystem langfristig stabiler zu machen. Kritiker warnen dagegen vor höheren Kosten und einem neuen Pflichtbeitrag für Millionen Beschäftigte.
Am Ende könnte genau diese Frage über die Zukunft der deutschen Rente entscheiden: Reicht das bisherige System noch aus oder braucht Deutschland tatsächlich ein schwedisches Modell?