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Bekannte Gehälter

Nicht nur Pogačar-Helfer: Politts Etappensieg und Gehalt

von Dunja R.
Veröffentlicht:  11. September 2026, 08:34
3 min
Nahaufnahme eines Rennradfahrers im Trikot und Helm, der mit behandschuhter Hand sein Gesicht berührt.
Foto © Günter Seggebäing, CC BY-SA 3.0

Rund 660.000 Euro pro Jahr – das ist etwa das 16-fache dessen, was ein Speditionskaufmann in Deutschland verdient. Nils Politt hat seinen Vertrag bei UAE Team Emirates-XRG gerade bis Ende 2029 verlängert. Der Kölner hat gerade seine zehnte Tour de France beendet, als Edelhelfer von Tadej Pogačar, der am am 26. Juli seinen fünften Toursieg holte, und als amtierender deutscher Zeitfahrmeister. Am 6. September zeigte er dann bei der Tour of Britain, dass er auch als Solist siegen kann. Was viele nicht wissen: Bevor er zum Klassikerspezialisten wurde, hat er einen ganz anderen Beruf gelernt.

Vom Ausbildungsbüro ins WorldTour-Peloton

Der Kölner fährt seit 2017 regelmäßig bei der Tour de France mit, gewann 2021 eine Etappe und wurde 2019 Zweiter bei Paris-Roubaix. Bei UAE Team Emirates-XRG gehört er zu den wichtigsten Helfern von Tadej Pogačar, der ihn liebevoll „meine Giraffe“ nennt. In dieser Rolle war Politt auch bei der Tour 2026 nicht auf Etappensiege ausgerichtet, sondern auf Windschatten, Wasserflaschen und Attackenabwehr für seinen Kapitän. Und das mit Erfolg: Pogačar gewann souverän mit 6:26 Minuten Vorsprung vor Remco Evenepoel, sein Teamkollege Isaac Del Toro schaffte es sogar auf Platz drei.

Und das, obwohl seine Karriere ganz anders begann als bei vielen Teamkollegen: Politt hat eine klassische duale Ausbildung zum Speditionskaufmann abgeschlossen, bevor er sich ganz dem Radsport widmete.

Gruppe von Rennradfahrern mit Helmen fährt dicht hintereinander auf einer von Bäumen gesäumten Straße.
Harter Weg, noch härterer Aufstieg: Nils Politt hat sich sein Gehalt von 660.000 Euro in zehn Jahren Profisport erkämpft.

Solo-Sieg in Schottland: Nach fünf Jahren wieder ein internationaler Erfolg

Sechs Wochen nach dem Ende der Tour de France gelang Politt bei der Tour of Britain am 6. September ein Solo-Sieg auf der letzten Etappe im schottischen Earlston. UAE Team Emirates-XRG dominierte den Renntag: Teamkollege Florian Vermeersch wurde Zweiter mit zwölf Sekunden Rückstand, Tim Wellens holte die Gesamtwertung.

Für Politt ist es der erste Sieg außerhalb Deutschlands seit seiner Tour-de-France-Etappe 2021. Anders gesagt: Nach fünf Jahren als Edelhelfer hat er wieder in eigener Sache abgeliefert – ein Beleg dafür, dass sein Marktwert nicht nur auf der Helfer-Rolle beruht.

660.000 Euro Jahresgehalt, aber kaum Preisgeld

Gehälter von Radprofis werden in der Regel nicht veröffentlicht, Schätzungen zufolge kommt Politt als erfahrener WorldTour-Fahrer bei UAE Team Emirates-XRG jedoch auf rund 660.000 Euro pro Jahr. Das entspricht etwa 55.000 Euro im Monat.

Anders als vielleicht erwartet, stammt der Großteil seines Einkommens nicht aus Preisgeldern. Als Helfer für Pogačar gewinnt Politt selbst kaum Etappen oder Klassements, und das Preisgeld, das das Team bei der Tour einsammelt, wird intern zwischen Fahrer:innen und Betreuer:innen aufgeteilt.

Zum Vergleich: Ein Paris-Roubaix-Podium bringt rund 15.000 Euro Preisgeld, bei 660.000 Euro Jahresgehalt sind das rund 2,3 Prozent seines Einkommens. Sein fester Teamvertrag ist damit deutlich wichtiger für sein Einkommen als jede einzelne Etappe.

Politts Alternativ-Karriere: 41.500 Euro als Speditionskaufmann

Politt ist inzwischen seit 2013 im Profi-Radsport, hätte er stattdessen seine kaufmännische Karriere weiterverfolgt, wäre er längst am oberen Ende der Gehaltsspanne angekommen. Doch selbst das obere Viertel der Speditionskaufleute in Deutschland kommt auf rund 59.600 Euro im Jahr. Damit wäre Politts heutiges Monatsgehalt bei UAE Team Emirates-XRG immer noch fast das Ganzjahresgehalt eines gut verdienenden Speditionskaufmanns.

Anders formuliert: Zwei bis drei Wochen als Pogačar-Helfer bringen Politt heute das, wofür sein früherer Beruf ein ganzes Jahr Vollzeit-Arbeit erfordert.

Zwei Berufe, zwei Welten

Der Sprung ist nicht nur finanziell: Während Speditionskaufleute Warentransporte planen und disponieren, arbeitet Politt bei Tempo, Wind und Hitze für die Erfolge eines anderen. Dass das an die Substanz geht, machte er selbst in einem ARD-Interview nach der 4. Etappe deutlich: „Weiß nicht, ob das noch gut ist für den Körper.“ Beide Berufe brauchen Organisationstalent, Nerven und Verlässlichkeit, nur die Karrierekurven verlaufen sehr unterschiedlich.