Ausbildung unter Druck
„Politisch gemacht“: Jeder dritte Vertrag junger Arbeitnehmer ist befristet
37 Prozent der neu eingestellten Beschäftigten unter 25 Jahren erhielten in Deutschland 2025 einen befristeten Vertrag – mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Jetzt will die Bundesregierung Befristungen ohne Sachgrund auf vier Jahre ausweiten. Für junge Menschen, die schon in der Ausbildung jeden Euro umdrehen, rückt der sichere Job damit noch einmal Jahre nach hinten.
724 Euro sind der gesetzliche Boden
Wer 2026 eine duale Ausbildung beginnt, bekommt im ersten Jahr mindestens 724 Euro brutto, im vierten Jahr 1.014 Euro. Tarifgebundene Betriebe zahlten 2024 laut Bundesinstitut für Berufsbildung im Schnitt 1.133 Euro. In Deutschland müssen Auszubildende laut kununu Daten durchschnittlich mit gut 1.000 Euro auskommen. Bei der Vorstellung eines DGB-Dossiers in Mainz sagte Landeschefin Susanne Wingertszahn: „Jugendarmut ist kein Naturgesetz, sie ist politisch gemacht.“

Vier Jahre ohne Sachgrund
Eine angekündigte Reform trifft genau die Gruppe, die nach der Ausbildung Fuß fassen will. Das Koalitionsprogramm vom 2. Juli 2026 sieht vor:
- sachgrundlose Befristung bis zu 48 statt bisher 24 Monate
- bis zu sechs statt drei Verlängerungen innerhalb dieser Zeit
- Wegfall des Vorbeschäftigungsverbots beim selben Arbeitgeber
- Geltung für alle Einstellungen bis zum 31. Dezember 2030
Wingertszahn nennt die Pläne gerade für Junge fatal: Befristet Beschäftigte haben es auf dem Wohnungsmarkt und bei Krediten schwerer.
Die Last liegt schon jetzt bei den Jungen
Wie ungleich Befristungen verteilt sind, zeigt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. 2025 waren 26 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungen befristet. Bei den unter 25-Jährigen waren es 37 Prozent, ab 40 Jahren nur 23 Prozent. Auszubildende zählt die Statistik nicht mit – gemessen wird der Einstieg danach.
Der Abschluss beendet die Unsicherheit nicht
Der Ausbildungsreport der DGB-Jugend vom August 2026 meldet mit 65,7 Prozent den niedrigsten je gemessenen Zufriedenheitswert. Mehr als ein Drittel der Befragten im letzten Ausbildungsjahr weiß kurz vor dem Abschluss nicht, ob der Betrieb weiterbeschäftigt.
Ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor, entschieden ist also nichts. Klar ist aber, wohin der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger:innen gedreht werden soll: Wer heute jede dritte Stelle nur auf Zeit bekommt, wartet künftig womöglich vier Jahre auf die feste Zusage, die früher nach zweien fällig war.