Netzwerk

Experten-Tipps für erfolgreiches Netzwerken

Hast du beim letzten Networking-Event wieder mehr Zeit beim Brötchen-Buffet als mit Gesprächen verbracht? Netzwerken ist ein wichtiger Faktor zum beruflichen Erfolg und kann ein echter Karriere-Booster sein, aber vielen fällt es schwer neue Kontakte zu knüpfen. Wie und wo fängt man an? Ab wann zählt ein Kontakt zu meinem Netzwerk? Und welche Fehler sollte man auf jeden Fall vermeiden? Wir haben nachgefragt – Karriereexperte Christian Richter verrät uns seine Tipps für erfolgreiches Netzwerken.

Die erste Frage, die sich viele beim Thema Networking stellen: Was muss ich beachten, wenn ich mir ein berufliches Netzwerk aufbauen möchte?

Zuallererst sollte man sich die Frage stellen, welche Ziele man mit einem aktiven Networking erreichen möchte. Sucht man Gleichgesinnte, die Interessen im privaten Bereich mit einem teilen? Oder ist man an beruflichen Kontakten interessiert, um beispielsweise einen fachlichen Austausch zu pflegen, jemanden in Führungsfragen, um Rat fragen zu können oder Förderer für den eigenen Karriereweg zu gewinnen? Wenn man sich seiner kurzfristigen und langfristigen Ziele bewusst ist, kann der nächste Schritt zum Aufbau eines Netzwerks angegangen werden. Hier sollte man sich Gedanken dazu machen, welche konkreten Personen man ansprechen möchte, um Kontakte aufzubauen. Zu zielstrebig sollte man an das Thema Networking aber auch nicht rangehen, schließlich sollte nicht nur der eigene Nutzen im Vordergrund stehen. Man sollte sich auch bewusst sein, welche „Qualitäten“ man selbst anzubieten hat.

Wie fange ich am besten an?

Ein guter Startpunkt, um ein Netzwerk aufzubauen, sind immer die bereits bestehenden persönlichen Kontakte aus dem privaten und beruflichen Umfeld. Oft lohnt es sich, bei den Bekannten einfach anzusprechen, welche Kontaktmöglichkeiten man sich wünscht.  Beispielsweise: „Kennst du nicht jemanden, der sich mit Onlinemarketing auskennt? Ich würde mich gerne zur Suchmaschinen-Optimierung mit einem Experten austauschen“.

Aber auch Veranstaltungen sind immer ein guter Treffpunkt, um neue Kontakte zu knüpfen. Es lohnt sich also, öfters mal auszugehen und berufliche Treffen wahrzunehmen. Hierbei sollte man offen für neue Begegnungen sein und auch selbst aktiv neue Personen ansprechen. Es ist wichtig, auf eine positive Ausstrahlung zu achten und möglichst selbstbewusst aufzutreten. Dabei muss nicht direkt aus jedem Gespräch ein Kontakt entstehen, denn in der Regel weiß niemand im Moment des Netzwerkens, ob ein neuer Kontakt „nützlich“ sein wird oder nicht. Hier ist also viel Geduld nötig. Wer einen langen Atem hat, ist besser dran, denn er baut über einen längeren Zeitraum sein Netzwerk auf, ohne mit zu vielen Erwartungen auf sofortige Wirkung an die Sache heranzugehen.

Small Talk oder mit der Tür ins Haus: Mit welcher Taktik knüpfe ich am besten Kontakte?

Wie man den Kontakt anbahnt, sollte man situativ entscheiden. Welchen ersten Eindruck vermittelt die Person, die man ansprechen möchte? Tritt diese sehr selbstbewusst auf, kann man mit einer humorvollen Ansprache eher punkten. Gerade aus der Situation heraus, lassen sich häufig gute Themen für eine erste Ansprache ableiten. In der Pause eines Vortrags kann man fragen, wie der Redner bisher beim Gegenüber angekommen ist. Somit findet man leicht einen Einstieg in das Gespräch und merkt wie interessiert der Andere an einem Gespräch ist. Beim Small Talk kommt es immer darauf an interessante Fragen zu stellen, mit denen man den Dialog steuert.

Sobald ein Gespräch oder die Kontaktaufnahme zu verkrampft, zweckmäßig oder zu zielstrebig wirkt, kann das eine abschreckende Wirkung. Man sollte dementsprechend möglichst empathisch vorgehen. Außerdem braucht man Geduld, bis man tatsächlich ein großes Netzwerk von nützlichen Kontakten aufgebaut hat. Ein wichtiges Credo für ein gutes Networking lautet somit: geduldig sein, entspannt und selbstbewusst an Gespräche herangehen und sich immer positiv und engagiert präsentieren.

Ab wann zählt ein Kontakt überhaupt zu meinem Netzwerk?

Hierfür gibt es natürlich keine strengen Regeln. Eine Festigung der Kontakte erreicht man am leichtesten, wenn man erstmal selbst einen Nutzen für die neuen Netzwerkpartner erbringt. Man sollte demnach überlegen, welche Informationen für wen wertvoll sein können, wie man Leute aus dem eigenen Netzwerk in Verbindung bringen kann oder welche anderen Möglichkeiten bestehen, sich „beliebt“ zu machen. Denn darum geht es schließlich beim Networking auch. Es gilt zudem in die regelmäßige Pflege der Beziehungen Zeit zu investieren. Gemeinsame positive Erlebnisse, wie beispielsweise gemeinsamen Interessen nachzugehen, zusammen Sport zu treiben, Konzerte oder Ausstellungen zu besuchen oder entspannte Treffen festigen die persönliche Bindung zueinander.

Wie kann ich berufliche Online-Netzwerke für mich nutzen?

In Deutschland haben sich vor allem XING und LinkedIn als berufliche Social Media Plattformen etabliert. Diese bieten unterschiedlichste Möglichkeiten der Vernetzung und des Austauschs. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, sich in Foren zu den verschiedensten Themen auszutauschen oder in Netwerkgruppen beizutreten, die beispielsweise Branchentreffen umsetzten. Die Pflege der Kontakte über diese Plattformen fällt besonders leicht und auch die Identifizierung möglicher Netzwerkpartner ist gut möglich. Man sollte sich allerdings im Vorfeld gut informieren, welche Spielregeln bei der Nutzung von Social Media Plattformen gelten.

Qualität oder Quantität: Auf was sollte man mehr Wert legen?

Es ist durchaus wichtig, dass man beim Netzwerken auf die Qualität der Beziehungen achtet. Im Zeitalter von Twitter, Facebook, Instagram, LinkedIn, XING und Co. ist es leicht, eine Vielzahl von Followern und Freunden um sich zu scharen und jede Menge Einträge auf seinen Kontaktlisten in den Social Media zu haben. Aber wahllos Name um Name, Kontakt um Kontakt aufzuführen, ist noch lange kein gutes Netzwerken. Es sollte also nicht im Vordergrund stehen, dass man sich mit möglichst vielen Kontakten brüsten kann. Der Fokus sollte immer auf einem nachhaltigen Beziehungsaufbau liegen. Wobei man sein Netzwerk natürlich auch in Bereiche von wertvollen Netzwerkpartnern bis hin zu flüchtigen Bekanntschaften kategorisieren kann.

 

 


Christian Richter ist Geschäftsführer der Unternehmen Karriereservice.de und select if Personalberatung. Mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützt er mittelständische Unternehmen bei Recruiting und Personalauswahl und begleitet als Coach Fach- und Führungskräfte auf ihrem Karriereweg. Darüber hinaus ist er als Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen tätig und hält Vorlesungen über Personalmanagement und Methodenlehre.