Keine Lust auf nix? Das hilft gegen Boreout am Arbeitsplatz

Jeden Morgen kostet es dich eine unheimliche Überwindung aufzustehen, deine Sachen zu packen und dich überhaupt auch nur einen Schritt näher Richtung Job zu kämpfen. In dir ist jeder kleinste Funke Motivation verschwunden, denn schon seit Wochen sind die einzigen To-Dos auf deiner Liste Kaffeekochen und Warten. Darauf, dass Aufgaben auf deinem Schreibtisch landen. Darauf, dass du endlich zeigen kannst, zu welchen Leistungen du fähig bist. Damit du endlich aus diesem Teufelskreis ausbrechen kannst: So kämpfst du gegen Boreout.

#Keine Null-Bock-Einstellung, sondern ein echtes Problem

Dass dein Arbeitsalltag an dir vorbeizieht wie ein ätzender Slow-Motion-Film, den du weder vorspulen noch beenden kannst, hat nichts mit einer generellen Null-Bock-Einstellung zu tun. Vielmehr ist eine dauerhafte Unterforderung der Grund: Hangelst du dich über einen längeren Zeitraum von einer anspruchslosen Aufgabe zur nächsten, wird sich das langfristig auf deine Laune und deine körperliche Verfassung auswirken.

Doch nicht falsch verstehen! Sich ab und an mit kleineren und weniger komplizierten Aufgaben eine Konzentrationspause zu gönnen, ist völlig in Ordnung. Denn mal ehrlich, hin und wieder gedankenlos als gehirnloser Zombie mit der Computermaus umher zu klicken, kann manchmal sehr entspannend sein. Doch über kurz oder lang streben wir alle nach Herausforderungen, Anerkennung und Wertschätzung sowie neuen Challenges, an denen wir uns beweisen können – und das nicht nur vor Kollegen und Vorgesetzten, sondern auch vor uns selbst.

Wir wollen in den Spiegel schauen und das Gefühl haben, etwas beizutragen. Beginnen wir den Sinn unserer täglichen Arbeit zu hinterfragen, schleichen sich Selbstzweifel ein. Dir fehlt der Grund, dich morgens in die überfüllte U-Bahn zu quetschen, wenn sich doch sowieso niemand dafür interessiert, ob du pünktlich bist oder nicht. Nicht nur mangelnde Motivation sind die Folge: Das Boreout-Syndrom beschreibt die totale Erschöpfung, die sich einschleicht, wenn man dauerhaft unterfordert ist. Eindeutig diagnostizieren lässt sich dieses Phänomen nur selten, weil die Symptome sehr vielschichtig sind. Hörstürze, Schwindel, Schlafstörungen, Angstzustände und Herzbeschwerden sowie Depressionen können Anzeichen von Boreout sein und zeigen damit klar: Diese langfristige Unterforderung wirkt sich psychisch und physisch auf deine Gesundheit aus. [1] 

#Mir doch egal

Bei dem Auslöser eines Boreouts unterscheidet man zwischen quantitativer und qualitativer Unterforderung. Bei ersterem fallen generell wenig Aufgaben an. Kurz gesagt: Es gibt nichts zu tun. Das kann passieren, wenn ein Unternehmen neue Positionen schafft, ohne vorher den Bedarf zu analysieren. Bei der qualitativen Unterforderung erhält der Mitarbeiter wenig Verantwortung und kann kaum Eigeninitiative ergreifen.

In beiden Fällen kann der Angestellte sehr viel Potential haben, welches in seinem Job aber so gut wie gar nicht zum Einsatz kommt. Entweder bietet sich im Unternehmen keine Möglichkeit, oder aber der Chef lässt viel zu wenig Handlungsspielraum zu. Das Ergebnis ist häufig Gleichgültigkeit und Desinteresse. Versteht man sich nicht als Teil eines Teams, wird es einem auf Dauer herzlich egal sein, ob es gewinnt oder verliert.[2] 

Ist man einmal in dieser Situation gefangen, wächst außerdem der emotionale Druck. In einer Generation, in der wir von unseren Titeln auf Visitenkarten definiert werden, gibt niemand gerne zu: Mein Job ist ein Bullshitjob und das was ich mache, hat überhaupt keinen Sinn.

#Das kannst du tun!

Das Wichtigste vorab: Sich die Unterforderung einzugestehen und zu erkennen, dass es so nicht weiter geht, erfordert Mut. Also Chapeau! Jetzt kannst du dich an den nächsten Schritt wagen und der lautet: Sprich es aus. Rede es dir von der Seele. Dazu kannst du erstmal enge Vertraute aus deinem Umfeld heranziehen, tausche dich aber auch mit deinen Kollegen aus. Vergiss nicht, deine Situation ist nicht das Resultat schlechter Leistungen von dir oder eine falsche Arbeitseinstellung und deine negative Stimmung kein Zustand, der für den Rest deines Arbeitslebens über deinem Kopf schwebt wie eine graue Wolke. Suche das Gespräch mit deinen Vorgesetzten, schildere die Situation und verlange nach neuen Aufgaben und Herausforderungen.

Und wenn du schon im Job das Gefühl hast, in einer antriebslosen Hülle vor deinem Bildschirm festzukleben, gilt: Power is the key. Deinen Körper sportlich an seine Grenzen zu treiben, wird dir das Gefühl von Stärke und Vertrauen zurückgeben – anders als ein Netflix-Marathon, bei dem du vermutlich zwischen Popcorn und Selbstmitleid versinkst. Sollte sich langfristig an deinem Arbeitsplatz aber nichts ändern, trau‘ dich und ziehe die Konsequenzen. Nur du allein hast in der Hand, ob du etwas ändern und aus dem Tief ausbrechen willst. Finde den Arbeitgeber, der wirklich zu dir passt.

 

Quellen
[1] spiegel.de
[2] business-wissen.de