Karriere
Wer öfter im Büro ist, wird eher befördert? Das zeigen Studien
Ein leerer Schreibtisch kann im Karrieregespräch lauter sprechen als eine gute Jahresbilanz. Wo Friedrich Merz mehr Leistung und Präsenz fordert, gilt auch in manchem Büro Sichtbarkeit als Zeichen von Engagement. Ob das auch ein Beförderungsboost ist, zeigen drei Studien mit unterschiedlichen Antworten.
Mehr Büro gleich mehr Karriere?
Auch wenn Kanzler Friedrich Merz für eine Steigerung der Arbeitsleistung in Deutschland appelliert, gilt in etlichen Ministerien großzügiges Homeoffice.
Der Widerspruch trifft einen wunden Punkt: Laut Live Data Technologies wurden 2023 nur 3,9 Prozent der vollständig remote Arbeitenden befördert, bei Büro und Hybridbeschäftigten waren es 5,6 Prozent. Die Beförderungschance sinkt um 31 Prozent für alle, die dauerhaft zu Hause bleiben.
Klingt eindeutig, ist es aber nicht. Die Zahl zeigt nur eine Korrelation, keinen Beweis. Branche, Rolle oder Karrierestufe könnten den Unterschied genauso erklären wie der fehlende Büroplatz.
Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse
Drei Studien, drei völlig unterschiedliche Blickwinkel:
- Live Data Technologies zählt Beförderungen. Von zwei Millionen Profilen wurden nur 3,9 Prozent der Remote Worker befördert, also fast 2 Prozentpunkte weniger als bei Beschäftigen im Büro oder Hybridmodell (5,6 Prozent).
- Robert Half fragt nach Meinungen. Von 500 Arbeitgeber glauben 69 Prozent, dass Präsenz die Beförderungschance erhöht.
- Stanford testet es im Experiment. 1.612 Beschäftigte blieben zwei Tage im Homeoffice, drei Tage im Büro. Das Ergebnis: keine schlechteren Beförderungschancen.

Der wahre Karrierekiller ist fehlende Sichtbarkeit
Der gemeinsame Nenner heißt Sichtbarkeit. Im Büro trifft man Führungskräfte zufällig auf dem Flur, schnappt Infos früher auf, wird spontan zu Projekten dazugeholt. Das nennt sich Proximity Bias, bei dem Anwesenheit mit Einsatz gleichgesetzt wird.
Auch die Hans Böckler Stiftung warnt: Homeoffice bremst Aufstiegschancen vor allem dort, wo mobile Arbeit nicht klar und für alle gleich geregelt ist.
Was wirklich hilft:
- Ergebnisse dokumentieren statt Präsenz zählen,
- gleichen Zugang zu Projekten und Mentoring für alle,
- Büro als Ort für Austauschort, nicht als Beweis für Fleiß.
Die unbequeme Wahrheit: Wer öfter im Büro ist, wird nicht automatisch besser gesehen. Er wird nur öfter gesehen. Eine gute Beförderung sollte trotzdem nur eines belohnen: die tatsächliche Leistung.