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Fachkräftemangel 2029

+47 Prozent: In Deutschland könnten bald 723.000 Fachkräfte fehlen

Veröffentlicht:  18. September 2026, 06:45
2 min
Junger Mann in blauen Schlupfkasack sitzt erschöpft auf dem Boden.

723.000 Fachkräfte könnten Deutschland 2029 fehlen, 47 Prozent mehr als 2024. Dabei ist die Lücke zuletzt drei Jahre in Folge geschrumpft, allein 2025 um 24,1 Prozent. Am größten wird sie ausgerechnet in dem Beruf, der auf kununu das niedrigste Durchschnittsgehalt ausweist.

Der Verkauf reißt die größte Lücke

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schreibt in seiner neuen Analyse die Trends aus rund 1.300 Berufen bis 2029 fort. Das Ergebnis: Gut 39.000 Stellen für Einzelhandelskaufleute und vergleichbare Fachkräfte blieben dann rechnerisch unbesetzt, mehr als in jedem anderen Beruf.

Dahinter folgen Berufe, die den Alltag von Familien tragen: Kinderbetreuung und Erziehung mit 29.900 fehlenden Fachkräften, Sozialarbeit und Sozialpädagogik mit 23.600, Gesundheits- und Krankenpflege mit 18.700, Bauelektrik mit 17.400. Auffällig ist, wo die Lücken entstehen: nicht bei Expert:innen mit Studium, sondern bei Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung.

Älterer Mann in Arbeitskleidung schaut mit verschränkten Armen zur Seite.

2025 überstieg die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit der Corona-Pandemie wieder die Zahl der offenen Stellen.

Beim Gehalt liegen die Engpassberufe weit auseinander

Auf der kununu Gehaltsskala liegen diese Berufe weit auseinander:

Ein Muster ergibt sich daraus nicht: Die Pflege zahlt deutlich mehr als der Verkauf und meldet trotzdem eine der vier größten Lücken.

Eine Rechnung ist keine Vorhersage

Das IW stellt klar: Die Fortschreibung ist keine Prognose, sondern zeigt, was passieren würde, wenn sich die Trends unvermindert fortsetzen. Sie beruht auf Daten bis Ende 2024. Der Rückgang 2025 auf 369.516 rechnerisch nicht besetzbare Stellen ist darin noch nicht vollständig abgebildet.

Die Babyboomer entscheiden, wie tief die Lücke wird

Die 723.000 sind weniger ein Datum als eine Warnung. Der Befund dahinter bleibt: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, die Zuwanderung bricht gleichzeitig ein. IW-Ökonom Alexander Burstedde erwartet, dass der Mangel im Alltag spürbar wird, etwa „bei der Suche nach einem Pflegeplatz oder einem Handwerker“. Dass die Lücke drei Jahre lang kleiner wurde, liegt vor allem an der schwachen Konjunktur. Zieht die Wirtschaft wieder an, verschwindet dieser Effekt zuerst.