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Gender Pay Gap beim ersten Job

Unfairer Berufseinstieg: Gleicher Job, weniger Gehalt ab Tag eins

von Dunia R.
Veröffentlicht:  8. Mai 2026, 07:30
2 min
Junge Frau arbeitet konzentriert an einem Laptop in einem modernen Büro mit großen Fenstern und Unterlagen auf dem Schreibtisch.

Wer denkt, der Gender Pay Gap ist ein Problem der Karrieremitte, irrt sich. Schon beim Berufseinstieg verdienen Frauen in Deutschland in vielen Branchen drastisch weniger als ihre männlichen Kollegen, selbst bei identischer Erfahrung, identischem Abschluss oder identischer Stelle.

Die 3 Branchen mit der größten Lohnlücke beim Berufseinstieg:

  • Recht: 28,13 %
  • Seminare & Messen: 23,69 %
  • Telekommunikation: 18,23 %

Recht: Fast 17.000 Euro Unterschied, von Anfang an

Die Rechtsbranche ist eine der traditionsreichsten, und offenbar auch eine der hartnäckigsten, wenn es um Lohngleichheit geht.

  • Frauen verdienen beim Einstieg durchschnittlich 43.071 Euro
  • Männer hingegen 59.929 Euro
  • Das ergibt eine Lücke von 28,13 Prozent, oder fast 17.000 Euro pro Jahr.

Warum ist das so? Kanzleien und Rechtsabteilungen sind historisch männlich geprägt, Netzwerke und Mandantenbeziehungen oft ebenfalls. Wer die richtigen Verbindungen mitbringt oder in prestigeträchtigere Bereiche wie M&A oder Steuerrecht drängt, verdient mehr: Und das sind häufiger Männer. Hinzu kommt: Frauen werden beim Einstieg seltener für Bonusprogramme oder leistungsabhängige Vergütungsmodelle nominiert. Die Lücke beginnt klein und wächst von dort aus weiter.

Seminare & Messen: Fast ein Viertel weniger Gehalt für dieselbe Arbeit

Die Veranstaltungs- und Weiterbildungsbranche wirkt auf den ersten Blick harmlos. Doch der Gender Pay Gap fällt hier mit 23,69 Prozent überraschend hoch aus. Frauen verdienen beim Start 39.482 Euro, ihre männlichen Kollegen 51.736 Euro. Das sind über 12.000 Euro Differenz und damit jährlich, bereits im ersten Job.

Ein Grund: Die Branche ist stark fragmentiert. Neben großen Messeveranstaltern gibt es viele kleine Agenturen, in denen Gehaltsverhandlungen wenig transparent ablaufen. Studien zeigen, dass Frauen in intransparenten Verhandlungsumgebungen niedrigere Gehaltsforderungen stellen und bei Verhandlungen häufiger abgewiesen werden als Männer. Das drückt das Einstiegsgehalt nach unten, bevor die Karriere überhaupt richtig begonnen hat.

Telekommunikation: Digitale Branche, analoges Lohngefälle?

In einer Branche, die für Innovation und Fortschritt steht, sollte man faire Bezahlung erwarten. Stattdessen verdienen Frauen beim Einstieg in die Telekommunikation 33.808 Euro, Männer ganze 41.343 Euro. Die Lücke beträgt 18,23 Prozent, das entspricht über 7.500 Euro pro Jahr für männliche Kollegen.

Die Telekommunikation ist trotz aller Digitaliserung nach wie vor technisch dominiert und dementsprechend werden technische Rollen besser bezahlt. Da Frauen beim Einstieg häufiger in kaufmännischen, kundenorientierten oder administrativen Bereichen landen, fällt ihr Startgehalt strukturell niedriger aus.

In welchen Branchen fällt die Lohnlücke kleiner aus?

Nicht überall ist der Unterschied so gravierend. Branchen wie Gesundheit, Soziales oder öffentliche Einrichtungen zeigen beim Berufseinstieg deutlich engere Gehaltsspannen, oft weil klare Tarifsysteme weniger Spielraum für individuelle Ungleichbehandlung lassen. Transparenz schützt also, zumindest ein Stück weit.

Wer alle Branchen im Vergleich sehen will: Vom größten bis zum kleinsten Gender Pay Gap beim Einstieg, findet die vollständige Übersicht im kununu-Artikel: Bestbezahlende Branchen für Frauen und Männer.