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Autobauer unter Druck

Autoindustrie verliert Vorsprung: Top-Gehälter, sinkende Zufriedenheit

Veröffentlicht:  1. September 2026, 06:30
2 min
Person schneidet Schaumstoff mit einem Cuttermesser.

92.893 Euro brutto im Jahr verdienen Beschäftigte bei Autobauern laut Statistischem Bundesamt im Schnitt – 44 Prozent mehr als der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt Deutschlands mit 64.441 Euro. Auf kununu ist der Bewertungsschnitt der untersuchten Autobauer seit 2022 von 4,00 auf 3,84 Punkte gefallen. Ende Oktober läuft die Friedenspflicht aus. Dann steht genau dieser Vorsprung zur Verhandlung.

Sechs Sonderzahlungen, 36,9 Stunden – und ein Herbst voller Fragezeichen

Der Vorsprung beruht nicht allein auf hohen Grundgehältern. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Erfolgsbeteiligungen und kürzere Arbeitszeiten kommen hinzu: 36,9 Wochenstunden gegenüber 39,1 in der Gesamtwirtschaft.

Genau diese Posten stehen zur Disposition. Mercedes-Benz hat einen Tarifbaustein gestoppt, Volkswagen zahlt eine Zusatzvergütung derzeit nicht aus, BMW senkte das Weihnachtsgeld auf 85 Prozent. Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hält es für „absolut zumutbar, für das gleiche Gehalt wieder länger zu arbeiten“.

Der Konflikt hat ein Datum

Am 21. September ruft die IG Metall zum bundesweiten Aktionstag an den Automobilstandorten auf, am 31. Oktober laufen die Entgelttarifverträge aus, ab 1. November sind Warnstreiks möglich. IG-Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski nennt die Angriffe auf Entgelte und Arbeitszeiten „Nebelkerzen, die vom eigenen Versagen bei den Zukunftsprodukten ablenken“.

Nicht das Geld bröckelt zuerst, sondern der Arbeitsalltag

Die kununu Auswertung zeigt, wo es seit 2022 am stärksten nachgibt: in Kategorien, die den Alltag im Betrieb beschreiben. Die fünf größten Rückgänge:

  • Kommunikation: minus 0,21 Sterne
  • Vorgesetztenverhalten: minus 0,20 Sterne
  • Karriere und Weiterbildung: minus 0,20 Sterne
  • Arbeitsatmosphäre: minus 0,19 Sterne
  • Gehalt und Sozialleistungen: minus 0,18 Sterne

Vier der fünf Felder betreffen Führung, Perspektive und Klima. Auch die Work-Life-Balance verliert 0,16 Sterne, fast dreimal so viel wie der Deutschland-Schnitt.

Die Werte bilden Bewertungen nach ihrem Erstellungsjahr ab, 2026 ist ein laufendes Jahr mit Stichtag 25. August. Ob Sparprogramme und Stellenabbau dahinterstecken, lassen die Daten offen.

Der Abstand schrumpft, verschwunden ist er nicht

Über dem Bundesschnitt liegen die Autobauer weiterhin deutlich. Bei Gehalt und Sozialleistungen erreichen sie 2026 4,05 Sterne, 0,62 Sterne mehr als Deutschland insgesamt. 75,3 Prozent der Bewertenden würden ihren Arbeitgeber weiterempfehlen gegenüber 67,6 Prozent bundesweit. Bei der Gesamtbewertung ist der Abstand seit 2022 allerdings von 0,28 auf 0,20 Sterne geschrumpft. Bei den untersuchten Zulieferern zeigt sich kein vergleichbarer Abwärtstrend.

Der Gehaltsvorsprung war lange das stärkste Argument der Branche. Ab Oktober verhandeln IG Metall und Arbeitgeber darüber, wie viel davon bleibt.