Berufe mit Holz: Diese Ausbildungsberufe und Jobs gibt es
Kaum ein anderer Werkstoff hat eine derart konstante Fangemeinde unter angehenden Azubis wie Holz. Rund 8.000 neue Ausbildungsverträge zum Tischler oder zur Tischlerin werden laut dem Hauptverband der Deutschen Holzindustrie beispielsweise jedes Jahr abgeschlossen. Aber es gibt noch deutlich mehr Berufe, bei denen du manchmal kreativ, manchmal eher klassisch mit Holz arbeiten kannst.
In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Jobs rund ums Holz, ihre Voraussetzungen und mögliche Arbeitgeber für dich.
Konzern oder mittelständischer Betrieb? Bei welchen Arbeitgeber:innen du in Berufen mit Holz arbeiten kannst
In der deutschen Holzbranche findest du weniger Großkonzerne, dafür aber überwiegend mittelständische Betriebe. Solltest du dich für einen Beruf mit Holz entscheiden, könntest du unter anderem bei folgenden Arbeitgebern tätig werden:
- Bauwirtschaftsnahe Betriebe
- Tischlereien und Schreinereien
- Zimmereien und Holzbaubetriebe
- Sägewerke
- Möbelhersteller und die Möbelindustrie (Herstellung z.B. von Büro-, Geschäfts- oder Wohnmöbeln)
- Musikinstrumentenbau-Werkstätten
- Küchenstudios
- Forstwirtschaftliche Betriebe und Forstämter
Das ist die Holzbranche in Deutschland
Die deutsche Holzindustrie setzte gemäß des Hauptverbands der Deutschen Holzindustrie (HDH) im Jahr 2022 45,1 Milliarden Euro um. Den größten Teil daran machte mit 18,8 Milliarden Euro die Möbelindustrie aus.
Seitdem hat sich das Bild dahingehend allerdings etwas getrübt. So sank der Branchenumsatz 2023 um 10,6 Prozent. Ein Jahr später, also 2024, folgte ein weiterer Rückgang um 7,9 Prozent auf 37 Milliarden Euro. Auch die Beschäftigung ging um 4,4 Prozent zurück. Der HDH macht dafür vor allem die seit der Corona-Krise etwas schwächere Bauwirtschaft verantwortlich.
Nachdem es sich bei Holz aber um einen nachhaltigen Baustoff handelt, dürftest du in der Branche dennoch einen sicheren Arbeitgeber finden. Ein Grund dafür ist auch, dass es der Holzbranche schwer fällt, ihren Nachwuchs zu sichern. Die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gehen im Holz-, Möbel- und Innenausbau gemäß einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) seit Jahren zurück. Deine Chancen auf einen Ausbildungsplatz und auf eine feste Anstellung stehen in der Holzbranche aktuell somit recht gut.
Fünf Berufe die mit Holz arbeiten – im Detail
Aus der großen Auswahl an „Holzberufen“ stellen wir dir fünf besonders unterschiedliche Ausbildungswege ausführlicher vor. Mitunter hast du hier auch als Quereinsteiger:in sehr gute Chancen.
Mit Holz arbeiten als Tischler:in
Berufsbild
Ein:e Tischler:in – regional auch unter der Bezeichnung Schreiner:in bekannt – fertigt Möbel, Türen, Fenster oder Treppen aus Holz. Natürlich arbeitest du nicht ohne Plan darauf los, sondern erstellst dafür Bauskizzen und arbeitest sowohl mit klassischem Werkzeug als auch mit modernen Maschinen. Deine Kund:innen berätst und unterstützt du auch hinsichtlich der Reparatur beschädigter Möbelstücke. Wichtig für Quereinsteiger:innen: Zwar ist der Beruf Tischler:in rechtlich nicht geschützt, aber sobald du mit deinen Werken Geld verdienen willst, musst du eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können.
Voraussetzungen
Einen bestimmten Schulabschluss schreibt der Beruf des:der Tischler:in nicht zwingend vor. Praktisch kannst du aber davon ausgehen, dass ein Betrieb von dir zumindest einen Hauptschulabschluss erwartet. Handwerkliches Geschick sowie räumliches Vorstellungsvermögen solltest du auf jeden Fall mitbringen.
Ablauf
Die duale Ausbildung zur:zum Tischler:in dauert drei Jahre. Sie findet abwechselnd vor Ort bei deinem Arbeitgeber und in der Berufsschule statt.
Einsatzorte
Tischlereien, Möbelhersteller sowie größere Betriebe im Innenausbau zählen zu deinen Hauptarbeitgeber:innen. Denkbar ist aber auch eine Anstellung in Küchenstudios oder direkt in der Bauwirtschaft.
Beruf mit Holz: Zimmerin oder Zimmerer
Berufsbild
Anders als Tischler:innen arbeitest du als Zimmerer oder Zimmerin mit deutlich größeren Bauteilen. Obwohl es der Name vermuten lässt, hast du mit Zimmern aber nur im indirekten Sinn zu tun. Du errichtest Dachstühle, Holzhäuser und Fachwerkkonstruktionen. Dafür bist du für den Bau von Trennwänden zuständig und denkst auch Außenwandverkleidungen mit. Je nach Spezialisierung könntest du auch bei der Sanierung und Restauration alter Gebäude eingesetzt werden.
Voraussetzungen
Du solltest unbedingt körperliche Fitness in den Job als Zimmerin oder Zimmerer mitbringen. Abgesehen davon reicht aber normalerweise ein Hauptschulabschluss als Voraussetzung für die Ausbildung aus.
Ablauf
Die duale Ausbildung zur Zimmerin oder zum Zimmerer dauert drei Jahre. Die nötigen praktischen Inhalte lernst du direkt auf der Baustelle, das theoretische Wissen in der Berufsschule.
Einsatzorte
Eine Stelle als Zimmerin oder Zimmerer findest du unter anderem in Zimmereien, Holzbaubetrieben oder bei Unternehmen im Fertighausbau.
Beruf als Holztechniker:in
Berufsbild
Während Tischler:innen im Handwerk tätig sind, arbeitest du als Holztechniker:in in der Regel in der Industrie. Dort werden Holzprodukte in Serie hergestellt. Dein Arbeitgeber braucht deine Unterstützung bei der Bedienung computergesteuerter Maschinen und Anlagen sowie bei der ständigen Überwachung der Produktionsabläufe.
Voraussetzungen
Technisches Verständnis und Interesse an der Bedienung von Maschinen sind hier häufig wichtiger als deine schulischen Leistungen. Dennoch ist ein mittlerer Bildungsabschluss von Vorteil.
Ablauf
Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Übrigens: Da Holztechniker:innen und Tischler:innen dieselbe Berufsschulklasse besuchen, überschneiden sich die theoretischen Inhalte in weiten Teilen.
Einsatzorte
Über deine Bewerbung als Holztechniker:in freuen sich beispielsweise Möbelfabriken, Sägewerke oder Betriebe der Holzwerkstoffindustrie.
Zur Waldwirtschaft beitragen? Weiter als Forstwirt:in
Berufsbild
Du siehst deinen beruflichen Alltag draußen im Wald statt in der Werkstatt? Dann schau dir den Beruf der Forstwirtin bzw. des Fortswirts genauer an! Dabei kümmerst du dich um die Pflege und Bewirtschaftung eines Waldes. Zu deinen Aufgaben gehören die Holzernte mit einer Motorsäge oder einer Vollerntemaschine oder das Pflanzen neuer Bäume. Du hast außerdem immer das große Ganze im Kopf und setzt Maßnahmen für mehr Klimastabilität im Wald.
Voraussetzungen
Die Ausbildung zur:zum Forstwirt:in kannst du schon mit einem Hauptschulabschluss beginnen. Deine körperliche Fitness ist unerlässlich, da die Arbeit bei jedem Wetter draußen im Gelände stattfindet. Grundsätzlich ist ein Einstieg in den Job auch über ein Studium der Forstwirtschaft denkbar.
Ablauf
Die duale Ausbildung dauert drei Jahre und findet abwechselnd im Forstbetrieb und in der Berufsschule statt. Sofern du dich für ein Forstwirtschaftsstudium entscheidest, dauert dieses bis zum Master-Abschluss ungefähr fünf Jahre.
Einsatzorte
Forstämter oder Landesforstbetriebe suchen regelmäßig Forstwirt:innen. Du bist also häufig im öffentlichen Dienst tätig, wobei natürlich auch privatwirtschaftliche Forstbetriebe als Arbeitgeber in Frage kommen.
Beruf mit Holz: Drechsler:in
Berufsbild
An der Drechselbank formst du als Drechsler:in Holz zu Schalen, Möbelteilen oder Werkzeuggriffen. Kreative finden hier die Möglichkeit, handwerkliche Präzision mit einer kreativen, oft künstlerischen Komponente zu vereinen. So ist es auch möglich, kunstvolle Objekte zu drechseln.
Voraussetzungen
Einen bestimmten Schulabschluss benötigst du als Drechsler:in nicht. Stattdessen sind Geduld, ein gutes Auge für Formen oder Feingefühl im Umgang mit Maschinen gefragt. Quereinsteiger:innen können mögliche Arbeit- oder Auftraggeber mit ihrer Kreativität überzeugen.
Ablauf
Die duale Ausbildung zur:zum Drechsler:in dauert drei Jahre. Seit 2018 ist das Drechslerhandwerk übrigens sogar immaterielles Kulturerbe.
Einsatzorte
Auf der Suche nach motivierten Drechsler:innen sind zum Beispiel Handwerksbetriebe, Werkstätten für Kunsthandwerk oder Musikinstrumentenbauer:innen.
Holz ist toll, aber Holz lebt natürlich nicht – ganz im Gegensatz zu Tieren. Falls für dich aus unterschiedlichen Gründen eher die Arbeit mit lebendigen Wesen infrage kommt, könnten diese Berufe mit Tieren für dich spannend sein.
Ausbildung, Studium oder Quereinstieg: Diese Wege führen in Holzberufe
Die meisten Berufe rund um Holz sind duale Ausbildungsberufe, für die ein Hauptschulabschluss völlig ausreicht. Dein handwerkliches Geschick und deine Persönlichkeit ebnen deinen Weg für eine spätere Selbstständigkeit oder Führungsposition.
Dich interessiert eher die Forschung oder die Technik? Mit einem Studium der Holztechnik, Forstwissenschaft oder des Holzingenieurwesens erhältst du einen akademischen Zugang zur Branche. Diese Studiengänge setzen in der Regel die fachliche oder allgemeine Hochschulreife voraus.
Auch als Erwachsene:r mit bereits abgeschlossener Berufsausbildung in einem anderen Feld musst du den Traum vom Holzberuf nicht aufgeben. Zum Beispiel kannst du über eine geförderte Umschulung die reguläre Ausbildung zum:zur Tischler:in oder Holztechniker:in in verkürzter Zeit absolvieren. Deine Berufserfahrung wird dafür angerechnet. Noch besser sieht die Situation aus, wenn du mehrjährige praktische Erfahrung im Umgang mit Holz mitbringst und diese nachweisen kannst. Die sogenannte Externenprüfung bei der zuständigen Handwerkskammer ermöglicht dir in diesem Fall den direkten Einstieg in die Abschlussprüfung, ganz ohne komplette Ausbildung von vorn.
Für kreativere Nischen wie das Drechseln gibt es zudem zahlreiche private Kurse und Lehrgänge, über die du dir das nötige Können auch nebenberuflich aneignen kannst.
Diese Skills zählen in Holzberufen
Nur ständig Sägen und Hämmern, immer und immer wieder? Nein, das wird der Branche nicht gerecht. Zwar ist körperliche Ausdauer gerade bei Zimmerer:innen oder auf Baustellen gefragt, mindestens genauso wichtig sind aber Präzision und räumliches Denken. Schließlich müssen Maße auf den Millimeter genau stimmen, damit am Ende ein Möbelstück oder ein Dachstuhl wirklich passt.
Der sichere Umgang mit teils gefährlichen Maschinen wie Kreissägen oder Fräsen verlangt Konzentration und Sorgfalt. Diese Eigenschaften ergänzen dein Profil also idealerweise.
Nie zu spät: Auch später im Leben in einen Holzberuf einsteigen
Natürlich kannst du direkt nach der Schule in die Holzbranche einsteigen. Wer aber denkt, eine Ausbildung im Holzhandwerk sei nur etwas für Schulabgänger:innen, liegt daneben. Die Bundesagentur für Arbeit gibt an, dass der größte Teil aller Auszubildenden in Deutschland zuletzt zwischen 20 und unter 25 Jahre alt war. Gar kein Problem also, wenn du erst etwas – oder viel – später in eine Ausbildung oder ein Studium für einen Holzberuf einsteigst. Über verkürzte Ausbildungszeiten, geförderte Umschulungen oder die Externenprüfung legst du den Grundstein für deine Karriere.
Mach dir aber am besten vorher bewusst, dass dich am Anfang vielleicht viele sich wiederholende Handgriffe erwarten. Und denk zusätzlich darüber nach, ob du dir körperlich anstrengende Arbeit langfristig vorstellen kannst. Denn wenn dir diese Realität klar ist und du trotzdem Lust auf den Werkstoff Holz hat, wirst du in dieser Branche mit offenen Armen empfangen.