Arbeiten im Homeoffice: Das solltest du wissen

In der modernen Arbeitswelt ist das Verlegen des eigenen Arbeitsplatzes in die eigenen vier Wände schon lange keine Seltenheit mehr. Doch aktuell findet das Arbeiten von zuhause aus anderen Gründen vermehrt statt. Wir haben dies zum Anlass genommen die wichtigsten Infos rund um das Thema zusammenzutragen: Welche Rechte du im Homeoffice hast, welche Regelungen in der aktuellen Situation gelten und wie du auch zuhause produktiv sein kannst, verraten wir dir hier.

Gibt es ein Recht auf Homeoffice?

Gleich die wichtigste Frage vorweg: Hat jeder ein Recht auf Homeoffice? Nein. Zumindest in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Arbeitgeber nicht gesetzlich dazu verpflichtet, dem Arbeitnehmer die Möglichkeit vom heimischen Arbeiten pauschal einzuräumen. Auf dieser Grundlage gilt also: Unsere Vorgesetzten entscheiden im Sinne der unternehmerischen Freiheit, wie wir unseren Arbeitsalltag gestalten sollen.[1]

Anders sieht es hier zum Beispiel in den Niederlanden aus: Seit 2015 besteht hier gesetzlich ein Recht auf Homeoffice. Allerdings kann das der Arbeitgeber immer noch ablehnen, sollte seine Entscheidung gut begründet sein – beispielsweise dann, wenn die Arbeit von Zuhause ein Sicherheitsrisiko für das Unternehmen darstellt. Ob wir also von der heimischen Couch aus unsere To-Dos abarbeiten können, oder dafür an den Schreibtisch im Großraumbüro einkehren, entscheidet auch hier der Arbeitgeber.[2]

Lediglich die Arbeitsweise ist vom Arbeitsgesetz festgelegt, denn das greift grundsätzlich auch am heimischen Arbeitsplatz. Daher gilt: Der Mitarbeiter darf nicht länger als die Maximalarbeitszeit pro Tag arbeiten, hat eine Dokumentationspflicht über seine geleisteten Stunden und muss Ruhezeiten und Pausen einhalten. Übrigens gut zu wissen: Nur weil dir deine Führungskraft regelmäßig Homeoffice-Tage gewährt hat, entsteht daraus kein genereller Anspruch. Theoretisch können deine Vorgesetzten dir dieses Privileg jeden Tag entziehen – es sei denn, es sind fallspezifische Regelungen schriftlich in einem Vertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten. In einem Punkt kannst du deinem Chef allerdings widersprechen: Denn er darf dich nicht ohne deine Zustimmung in Homeoffice zwingen.[1]


„Ich komme trotz Homeoffice-Möglichkeit gerne ins Büro!“ – Arbeitgeberbewertung bei Microsoft Österreich GmbH


Was solltest du arbeitsrechtlich beachten?

Nutzt du deine vier Wände sehr regelmäßig als Ersatzarbeitsplatz, unterliegen sie den Arbeitsschutzbedingungen. Je nach Tätigkeit kann es vorkommen, dass bestimmte arbeitsschutzrechtliche Vorgaben zu erfüllen sind und diese von deinem Arbeitgeber überprüft werden müssen. In diesen Fällen würde dein Arbeitgeber ein Zutrittsrecht zu deiner Privatwohnung benötigen. Dabei wird geklärt, welche konkrete Person deine Wohnung betreten darf und welche Ankündigungsfristen eingehalten werden müssen.[1]

Wie sieht es mit Arbeitsunfällen aus? Eigentlich scheint der Fall ganz einfach: Du arbeitest und sollte dir etwas passieren, ist das logischerweise ein Arbeitsunfall. Oder? Nicht unbedingt. Zwar gilt grundsätzlich auch der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung im Homeoffice, aber nur wenn du betriebsdienende Tätigkeiten ausführst. Im Klartext: Telefonierst du mit einem Kunden und tackerst versehentlich nicht die Kostenabrechnung zusammen, sondern deine kleinen Finger, ist das ein Arbeitsunfall.

Stehst du aber auf, um auf die Toilette zu gehen oder dir einen Kaffee zu holen, dann ist das eine Tätigkeit aus privaten Gründen. Stolperst du dabei über eine Teppichkante, dann wird dieser Unfall nicht als Arbeitsunfall eingestuft. Der Grund für die Argumentation: Der Beschäftigte befindet sich in einem gewohnten Umfeld, der Arbeitgeber trägt nicht das Risiko für die Einrichtung des Beschäftigten.[3]


„Flexible Arbeitszeiten mit Homeoffice-Möglichkeit“ – Arbeitgeberbewertung bei T.I.G. Technische Informationssysteme GmbH


Sonderfall „Homeoffice Quarantäne“

Viele Arbeitgeber setzen aufgrund des neuartigen Coronavirus auf Sicherheitsmaßnahmen und sagen Geschäftsreisen ab oder lassen ihre Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten. Für das Arbeiten in den eigenen vier Wänden gelten in diesem Fall aber nicht die gleichen gesetzlichen Regelungen, wie für Homeoffice. Die wichtigste Unterscheidung, wie oben bereits genannt: Es gibt für Arbeitnehmer kein Recht auf Homeoffice und es kann auch nicht vom Arbeitgeber angeordnet werden.

Ganz im Gegensatz zu den aktuellen Sicherheitsmaßnahmen, die von staatlichen Gesundheitsbehörden auferlegt und vom Arbeitgeber umgesetzt werden. Unternehmen wurden dazu angehalten, soweit wie möglich auf Telearbeit zusetzen. Außerdem gilt der Grundsatz der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Mitarbeitenden: Unternehmen können Arbeitnehmer im Zweifel daher ohne Einwilligung nachhause schicken. Es geht also nicht, um das freiwillige und unverbindliche Angebot von Homeoffice als Benefit. Das bedeutet auch, dass es weder für Vorgesetzte, noch das Arbeitsamt ein Zutrittsrecht zur Wohnung gibt, wenn Mitarbeitende ihrer Arbeit von zuhause aus nachgehen. Die Einhaltung von Arbeitszeiten und Ruhepausen ist natürlich dennoch wie gehabt in Kraft.[4]


„Arbeiten im Home-Office ist natürlich immer nur so gut, wie man es für sich selbst gestaltet.“ – Arbeitgeberbewertung bei INVIRES GmbH


Tipps für produktives Arbeiten

Hand aufs Herz: Im Homeoffice produktiv zu sein, kann eine kleine Herausforderung sein. Das Prokrastinationsmonster sitzt grinsend mit dir am Tisch, dein Bett flüstert immer wieder, wie einsam es ist und Netflix öffnet sich alle fünf Minuten wie von selbst im Browserfenster. Damit du zuhause effizient arbeiten kannst, solltest du folgendes beachten:

1. Schaffe ein funktionierendes Arbeitsumfeld. Ist dein Wohnzimmer das reinste Chaos, deine Nachbarn setzten gerade die Kernsanierung um und deine Kaffeemaschine ist defekt? Dann wirst du an diesem Arbeitstag garantiert nicht glücklich. Auch wenn du deine Nachbarn nicht davon halten kannst, sich bemerkbar zu machen, kannst du dir vorab eine angenehme Arbeitsumgebung schaffen. Dazu gehört es auch, die von dir benötigte technische Ausstattung so gut wie möglich einzurichten. Du wirst sehen, so klappt die Arbeit deutlich besser.

2. Trenne Arbeit und Freizeit. Das A und O für ein effizientes Arbeiten zuhause stellt ein eigener Arbeitsbereich dar. Dafür ist es wichtig, sich einen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden einzurichten und nicht einfach von der Couch oder dem Bett aus E-Mails zu schreiben. Denn du solltest stets festlegen, welcher Platz in der Wohnung mit Arbeit und welcher mit Freizeit verbunden ist. Außerdem: Auch wenn es anfangs verlockend ist den ganzen Tag im Schlafanzug zu verbringen, ist es auf Dauer nicht ratsam. Denn es hindert dich daran, mental in der Arbeit anzukommen.

3. Pausen sind ein Muss. Klar, du könntest dir einfach ganz multitasking-like eine Fertigpizza in den Ofen schieben und zwischen Kundentelefonaten und Powerpointfolien Stück für Stück verdrücken. Aber mal abgesehen davon, dass Mozzarella ziemlich an der Tastatur klebt, braucht dein Kopf auch mal eine Pause. Im besten Fall kannst du die Auszeit gleich nutzen, um dir die Beine zu vertreten oder bei der Zubereitung deines Mittagessens von der Arbeit abzuschalten. Kleine Auflockerungsübungen sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, um Körper und Geist zwischendurch zu aktivieren. Danach kannst du voller Energie wieder in deine Aufgaben starten.

4. Du musst nicht immer erreichbar sein. Alle zwei Minuten das Handy checken, sekündlich die Mails aktualisieren und den Firmenchat überwachen – das ist nicht nur super lästig, sondern lenkt dich auch von deinen eigentlichen Aufgaben ab. Kläre am besten vorher mit Kollegen und Vorgesetzten ab, zu welchen Zeiten du konkret erreichbar bist und wann du konzentriert arbeiten musst. Außerdem solltest du auch im Homeoffice ab einer bestimmten Uhrzeit den Laptop nicht mehr aufmachen. Denn wer keine Grenzen zieht, ist schnell überlastet. Im Idealfall nutzen wir die Zeit im Homeoffice, um selbstbestimmter und fokussierter zu arbeiten, gönnen uns aber auch gezielte Pausen und den wohlverdienten Feierabend.


Auf kununu.com können Arbeitnehmer anonym ihre Erfahrungen im Umgang mit der Corona-Krise teilen. Die eingegangenen Informationen fließen in den kununu Corona Employer Transparency Ticker, der täglich aktualisiert wird. Aber auch Arbeitgeber werden von uns gehört und können unter covid-insights@kununu.com geplante oder bereits umgesetzte Maßnahmen bekanntgeben.

 

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Quellen:
[1] impulse.de
[2] spiegel.de
[3] handelsblatt.de
[4] orf.at