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Altersteilzeit

Halbe Stelle, 70 Prozent Netto: Endet die Altersteilzeit?

Veröffentlicht:  7. September 2026, 05:41
2 min
Älterer Mann hängt eine Tasche an einen Stuhl in einem Büro mit Pflanzen.

284.000 Beschäftigte in Deutschland haben Altersteilzeit zuletzt genutzt – die meisten, weil sie netto rund 70 Prozent ihres bisherigen Gehalts behalten. Vier von fünf wählen dafür das Blockmodell: erst voll arbeiten, dann gar nicht mehr. Genau dieses Modell soll verschwinden.

Halbes Gehalt, aber längst nicht halb so wenig Geld

Ein Rechenbeispiel: Wer 5.000 Euro brutto verdient und auf eine halbe Stelle geht, käme rechnerisch auf 2.500 Euro. Der Arbeitgeber stockt dieses Entgelt aber um mindestens 20 Prozent auf – hier um 500 Euro. Macht 3.000 Euro brutto, 60 Prozent des früheren Gehalts.

Netto fällt die Rechnung freundlicher aus. Der Aufstockungsbetrag ist steuer- und abgabenfrei, deshalb müssen mindestens rund 70 Prozent des früheren Nettoverdienstes herauskommen. Tarifverträge regeln oft 80 bis 85 Prozent. Dazu zahlt der Arbeitgeber zusätzliche Rentenbeiträge.

Ein Anrecht darauf gibt es nicht

Wer Altersteilzeit will, braucht das Ja des Arbeitgebers. Viele Unternehmen vergeben nur ein Kontingent pro Jahrgang.

Diese Voraussetzungen gelten:

  • Mindestalter 55 Jahre
  • mindestens 1.080 Tage sozialversicherungspflichtig beschäftigt in den fünf Jahren zuvor
  • kein Rechtsanspruch – Firmen entscheiden freiwillig
  • Aufstockung um mindestens 20 Prozent des halbierten Entgelts
  • Rentenbeiträge auf mindestens 80 Prozent des Regelarbeitsentgelts

Genutzt wird das Modell vor allem im Konzern

189.000 Männer standen zuletzt 95.000 Frauen gegenüber, 47 Prozent arbeiteten in Betrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten – meist bei Energieversorgern, Finanzdienstleistern und im verarbeitenden Gewerbe.

Die Rentenkommission will das Blockmodell streichen

Ihre Empfehlung 13 sieht vor, Altersteilzeit erst ab 58 statt ab 55 Jahren zuzulassen und das Blockmodell zu beenden. Der Koalitionsausschuss hat am 2. Juli 2026 zugesagt, alle 33 Empfehlungen umzusetzen. Ein Gesetzentwurf soll im Herbst folgen.

Ulrich Walwei vom Institut für Arbeits- und Berufsforschung hält das Instrument arbeitsmarktpolitisch für gescheitert: „Altersteilzeit ist schon immer ein Frühverrentungsmodell gewesen“, sagte er der ZEIT. Gewerkschaften warnen, ohne Blockmodell blieben für den Stellenabbau nur härtere Mittel.

Beschlossen ist nichts, und wer unterschrieben hat, dürfte Bestandsschutz genießen – geregelt ist das nicht. Die 70 Prozent netto stehen weiter im Gesetz. Der Weg dorthin könnte bald ein anderer sein.