Älter werden im Job
Arbeitnehmende kurz vor der Rente: Ein Thema beschäftigt besonders
Erfahrung ist das häufigste Thema, wenn Beschäftigte in Deutschland den Umgang mit älteren Kolleg:innen bewerten: In 32,1 Prozent der positiven Bewertungen taucht es auf – in den negativen mit 27,1 Prozent ebenfalls auf Platz eins. Dasselbe Wort, zwei gegensätzliche Bedeutungen. Beide entstehen lange vor dem letzten Arbeitstag.
Manche Menschen bereuen die frühe Rente – aber nicht wegen des Geldes
Die ZEIT hat Menschen porträtiert, die ihren Vorruhestand bereuen. Ums Geld geht es nicht – eine frühere Geschäftsführerin kommt auf rund 3.500 Euro im Monat. Es fehlt anderes: Sinn, Verantwortung, soziale Kontakte, das Gefühl, gebraucht zu werden.
Eine 64-jährige Ingenieurin aus der Automobilindustrie sagt über die Zeit vor dem Ausstieg: „Ich hatte das Gefühl, ich gehöre eh zum alten Eisen.“
Das wirft eine größere Frage auf.
Was guter Umgang mit Älteren laut Bewertungen bedeutet
Bei den positiven kununu Bewertungen führen Erfahrung und Wissenstransfer (32,1 Prozent), Führung und Einbindung (20,6 Prozent) sowie Entwicklung und Perspektiven (13,3 Prozent). Höflichkeit allein reicht dafür nicht. Gelobt wird, dass
- Erfahrung genutzt und nicht nur erwähnt wird,
- ältere Beschäftigte eingebunden bleiben,
- Entwicklung bis zuletzt möglich ist,
- Verantwortung weiter übertragen wird,
- flexible Modelle den Übergang gestalten.

Im Negativen steht dasselbe Thema oben – nur als Vorwurf
Wo der Umgang schlecht bewertet wird, führen erneut Erfahrung und Wissenstransfer (27,1 Prozent), dahinter Führung und Einbindung (24,4 Prozent) und Wertschätzung (17,2 Prozent). Das Vorzeichen dreht sich: Erfahrung ist da, wird aber nicht abgerufen. Beschäftigte fühlen sich nicht gehört.
Aufbau der Datenanalyse
kununu hat Arbeitgeberbewertungen aus Deutschland von Januar 2024 bis Mitte 2026 in der Kategorie „Umgang mit älteren Kollegen“ ausgewertet. Die Freitexte mit vier und fünf Sternen bzw. mit ein und zwei Sternen wurden nach Stichworten geclustert.
Der Abschied beginnt früher als der Rentenbescheid
Dass schlechter Umgang in den Vorruhestand treibt, belegen die Daten nicht – sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Auffällig ist, wie genau sich die Listen decken: Erfahrung, Verantwortung, Gehörtwerden. Genau das vermissen die drei Porträtierten Jahre nach dem letzten Arbeitstag und darüber entscheiden Arbeitgeber:innen schon davor. Vermutlich nehmen die, die sich früh wie altes Eisen fühlen, das Gefühl mit in den Ruhestand.