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Arbeitszeitbetrug

Nur fünf Stunden arbeiten: „Soft Off Days“ nimmt nicht nur die Gen Z

Veröffentlicht:  6. Oktober 2026, 12:03
2 min
Junge Frau ist gelangweilt am Schreibtisch

Fünf Stunden echte Arbeit, der Rest ist Kulisse: So beschreibt eine junge Frau auf Instagram ihre „Soft Off Days“ und erntet Zustimmung. Während Deutschland über längere Arbeitstage streitet, gibt ein Arbeitspsychologe ihr teilweise recht. Heikel wird es woanders.

Von 10 bis 15 Uhr wird gearbeitet

In einem Instagram-Video erzählt eine junge Frau, sie nehme sich ständig heimlich „softe“ freie Tage. Dann arbeite sie nur von 10 bis 15 Uhr, davor bereite sie sich mental vor, danach checke sie aus. Acht Stunden brauche gute Arbeit nicht, glaubt sie, wie die Frankfurter Rundschau berichtet.

Viele Kommentare beschreiben ähnliche Raster, etwa 10 bis 14 Uhr. Andere winken ab: Auf der Baustelle oder unter Überwachung ginge das nicht.

Junger Mann schaut gelangweilt in sein Handy
Laut Arbeitszeitgesetz darf niemand länger als sechs Stunden am Stück ohne Pause arbeiten.

Konzentration hält keine acht Stunden

„Aus der Forschung ist bekannt, dass nach acht Stunden die Fehlerquote exponentiell ansteigt und die Zahl der Arbeitsunfälle zunimmt“, sagt Jan Dettmers, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der FernUniversität Hagen. Ein starrer Fünf-Stunden-Block sei aber unüblich: „Anstrengung und Erholung wechseln sich im Zyklus ab.“ Die Zürcher Psychologie-Dozentin Valentina Vylobkova rät, nach konzentrierter Arbeit 10 bis 15 Minuten zu pausieren. Das Smartphone sorgt dabei für wenig Erholung.

Dettmers nennt besser belegte Pausenformen:

  • Achtsamkeitsübungen
  • ein Spaziergang
  • sich bewusst aus der Arbeit rausziehen
  • Gespräche mit Kolleg:innen
  • 45 bis 60 Minuten Fokus, dann echte Pause

Arbeitszeitbetrug als Warnsignal

Eine Generationenfrage sieht Dettmers nicht, eher ein Zeitgeistphänomen. Ein hohes Pausenbedürfnis zeige sich auch „bei missbräuchlicher Führung, erlebter Ungerechtigkeit oder dauerhaft zu langen Arbeitszeiten“. Dann wachse die Neigung zu „Time Banditry“, also Arbeitszeitbetrug: „Das sind klare Zeichen, dass im System etwas nicht stimmt.“

Wie lang ein Arbeitstag sein darf, verhandelt gerade auch die Politik. Nach einem Entwurf des Arbeitsministeriums dürften Tarifpartner die Höchstarbeitszeit wöchentlich statt täglich festlegen.

Heikel wird die Zeiterfassung. Das Bundesarbeitsgericht bestätigte die fristlose Kündigung einer Angestellten, die an sieben Tagen 135 Minuten zu viel erfasst hatte. Eine Abmahnung brauchte es nicht.

Die fünf Stunden aus dem Video sind arbeitspsychologisch nicht abwegig. Problematisch werden sie erst, wenn in der Zeiterfassung acht stehen.