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Gesetzliche Kapitalrente

Rente ab 2032: Warum dieses Jahr zum Wendepunkt werden könnte

von Marie S.
Veröffentlicht:  16. September 2026, 11:25
3 min
Älterer Mann mit grauen Haaren und Bart blickt lächelnd in die Kamera.

Von wegen einheitliche Bedingungen für alle: Nur ein Jahr Unterschied beim Renteneintritt könnte künftige Rentner:innen in verschiedene Gruppen einteilen. Wer 2031 in den Ruhestand geht, würde nach den aktuellen Plänen anders behandelt als jemand mit Rentenbeginn im Jahr 2032. Grund ist die geplante deutsche Aktienrente samt Übergangsregelung.

Deutschlands Pläne für eine neue Kapitalrente

Die Alterssicherungskommission hat der Bundesregierung im Juni 2026 empfohlen, die umlagefinanzierte Rente in Deutschland um eine verpflichtende Kapitalrente („Aktienrente“) zu erweitern. Zusätzlich zum normalen Rentenbeitrag sollen zwei Prozent des Bruttogehalts in den Finanzmarkt fließen.

Das soll die spätere Rente steigern. Wer allerdings zwischen 2028 und 2032 in Rente geht, zahlt zwar mit, bekommt aber kaum etwas zurück.

Endgültig entschieden ist das Ganze zwar noch nicht. Die Bundesregierung will die Empfehlungen aber zügig umsetzen und die Reform bis Ende 2026 durch den Bundestag bringen. Die genauen Details sind derzeit noch offen.

Warum gerade 2032 die entscheidende Schwelle ist

Bis einschließlich 2031 liegt das Rentenniveau gesichert bei 48 Prozent. Danach endet die sogenannte Haltelinie: Laufende Renten werden zwar nicht gekürzt, sie könnten dann aber langsamer steigen als die Löhne. Wer schon vor 2028 im Ruhestand ist, soll nicht nachträglich in die Kapitalrente einbezogen werden.

Für neue Rentner:innen ab 2032 entsteht ein Problem: Die Haltelinie läuft aus, die Kapitalrente hatte aber noch kaum Zeit, Erträge zu erwirtschaften. Denn die Vorteile des Finanzmarkts entstehen vor allem durch eine langfristige Anlage über Jahrzehnte.

Diese Lücke soll ein steuerfinanzierter Übergangsfaktor schließen. Er soll gewährleisten, dass die umlagefinanzierte Rente und die neue Kapitalrente beim Rentenbeginn gemeinsam mindestens das heutige Rentenniveau erreichen. Sobald die Kapitalrente stärker trägt, soll der Ausgleich schrittweise schrumpfen. Die Kommission erwartet eine Übergangsphase bis ungefähr Mitte der 2040er-Jahre.

Älteres Paar sitzt gemeinsam vor einem Laptop und betrachtet aufmerksam den Bildschirm.
Menschen mit bevorstehendem Renteneintritt müssen sich auf mögliche Änderungen bei der Altersvorsorge einstellen.

Was für die unterschiedlichen Renter-Gruppen gilt

Darus ergeben sich praktisch drei Gruppen künftiger Rentner:innen:

RentenbeginnWas nach den Vorschlägen gelten könnte
vor 2028Nur Rente aus dem Umlagesystem, keine Ansprüche aus der neuen Kapitalrente
2028 bis 2031Rente aus dem Umlagesystem und voraussichtlich sehr geringe Kapitalrente (nach kurzer Ansparzeit)
ab 2032Umlagefinanzierte Rente plus Kapitalrente und ggf. Übergangsfaktor. Je später den Renteneintritt, desto höher die wahrscheinliche Kapitalrendite.

Bis zu 30 Euro weniger netto bei 3.000 Euro brutto?

Anders als das geförderte Altersvorsorgedepot wäre die gesetzliche Kapitalrente verpflichtend. Der Beitrag soll möglichst ab 2028 stufenweise steigen: von anfangs 0,5 Prozent des Bruttogehalts jedes Jahr um weitere 0,5 Prozentpunkte. Ab 2031 wäre der volle Beitrag von zwei Prozent erreicht.

Arbeitgeber und Beschäftigte sollen davon jeweils die Hälfte übernehmen. Bei einem Gehalt von 3.000 Euro brutto läge der volle Eigenanteil von Angestellten dann rechnerisch bei rund 30 Euro im Monat. Der genaue Beitrag hängt davon ab, wie das Ganze steuerlich und sozialversicherungsrechtlich gestaltet wird.

Je länger angelegt, desto besser die Chancen

Das geplante Modell folgt dem schwedischen Vorbild: Die Beiträge fließen auf individuelle Konten, werden zentral verwaltet und breit am Kapitalmarkt angelegt. Alternativ könnten Versicherte aus einer kleinen Auswahl zertifizierter Fonds wählen.

Mit einem privaten ETF-Depot ist das Modell nicht vergleichbar, weil Beschäftigte über das Kapital weder frei verfügen, noch es abheben oder vererben können. Vorgesehen ist eine lebenslange Auszahlung als Teil der Rente.

Versicherte, bei denen der Renteneinstieg noch weit weg ist, haben historisch gesehen gute Chancen auf attraktive Erträge. Geht man von durchschnittlich sechs Prozent Rendite aus und zahlt wie im Beispiel 40 Jahre lang monatlich 60 Euro ein, kommen durch Beitragszahlungen, Rendite und Zinseszinseffekt knapp 120.000 Euro zusammen. Was bleibt, ist das klassische Kapitalmarktrisiko: Fallen die Märkte kurz vor dem Renteneintritt, schrumpft auch das Konto.