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Kitaausbau und Karriere

Kitaplatz statt Minijob: 300.000 Plätze fehlen

Veröffentlicht:  14. September 2026, 10:59
2 min
Mutter arbeitet am Computer und telefoniert während ihr Baby auf ihrem Schoß sitzt

Rund 300.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige fehlen in Deutschland – was die Lücke kostet, zeigt sich erst Jahre später. Eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt: Wo Kitaplätze entstanden, verdienten Mütter dauerhaft mehr. Auch lange nachdem das Kind die Kita verlassen hat.

Nach der Geburt trennen sich die Wege

Nach der Geburt des ersten Kindes laufen die Erwerbswege auseinander: Mütter übernehmen den Großteil der Betreuung, kürzen die Arbeitszeit und tragen die Einbußen über Jahre mit.

Das IAB verglich Kreise mit plötzlichem Kita-Ausbau mit ähnlichen Kreisen ohne Ausbau. Ausgewertet wurden alle Frauen mit erstem Kind zwischen 2001 und 2014, die vorher erwerbstätig waren: rund 240.000 pro Jahrgang.

Ein Jahr nach der Geburt fielen die Einbußen in den Ausbauregionen geringer aus:

  • Jahreseinkommen: 1,5 Prozentpunkte weniger Verlust
  • Tageslohn: 1,3 Prozentpunkte weniger Verlust
  • Vollzeit: 1,1 Prozentpunkte häufiger
  • Beschäftigung außerhalb eines Minijobs: 1,9 Prozentpunkte häufiger
Mutter arbeitet am Laptop, während zwei Kinder im Hintergrund spielen
Fehlt eine verlässliche Betreuung, wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter deutlich schwieriger.

Der Kitaplatz wirkt länger, als das Kind ihn braucht

Die Beschäftigungsquote steigt nur in den ersten drei Jahren. Einkommen und Löhne bleiben dagegen über sieben Jahre hinweg erhöht.

Die frühkindliche Betreuung beeinflusst auch die weitere Karriereentwicklung von Müttern dauerhaft

Entscheidend ist, wie sie zurückkehren: häufiger Vollzeit, seltener nur Minijob, öfter in besser zahlenden Betrieben. Wer früher zurückkommt, kommt anders zurück.

Wo vorher nichts war, wirkt der Ausbau am stärksten

Am stärksten wirken neue Plätze dort, wo Mütter zuvor besonders weit zurücksteckten und Betreuung durch Großeltern selten war – Regionen mit vorher niedrigen Betreuungsquoten. Der Ausbau traf auf unsichtbare Nachfrage. Rund 56 Prozent des Rückgangs der Erwerbseinbußen führt das IAB auf die zusätzlichen Plätze zurück.

Während über die Abschaffung der Minijobs diskutiert wird, benennt die Studie einen leiseren Hebel: Ob die Rückkehr über den Minijob hinausführt, entscheidet oft ein freier Platz. Die Daten erfassen nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Erstgeburten. Doch wo die 300.000 Plätze fehlen, bleibt ein belegter Effekt ungenutzt.