Zum Inhalt springen
Tierarzt mit Hund lächelt in die Kamera

Berufe mit Tieren: Diese unzähligen Möglichkeiten stehen dir offen

Deutschland ist ein Land der Tierliebhaber: Mit Millionen Haustieren, Wildtieren und Zoo-Bewohnern ist der Bedarf an Fachkräften für Pflege, Zucht und medizinische Versorgung enorm. Die beruflichen Möglichkeiten sind vielfältig: Ob Tierpfleger, Tiermedizinische Fachangestellte, Hundetrainer, Tierärzte oder spezialisierte Landwirte – für jeden Interessenbereich gibt es den passenden Weg. Je nach Job führen eine duale Ausbildung oder ein Studium ans Ziel, wobei die Anforderungen von Hauptschulabschluss bis zum Abitur reichen.

Wichtig ist jedoch, sich von der Vorstellung des ständigen Tierkuschelns zu verabschieden. Der Arbeitsalltag ist geprägt von Reinigungs-, Fütterungs- und Organisationsaufgaben sowie Wochenenddiensten. Wer sich für die Arbeit mit Tieren entscheidet, sollte neben der formalen Qualifikation vor allem Verantwortungsbewusstsein, Geduld und körperliche sowie psychische Belastbarkeit mitbringen. Ob im Tierheim, der Praxis oder in der Forschung: Tierberufe bieten zahlreiche Einsatzorte für alle, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen wollen.

Mit rund 34 Millionen gehaltenen Haustieren liegt Deutschland laut Statista europaweit auf dem zweiten Platz – nur in Russland haben die Menschen noch mehr Tiere. Hinzu kommen unter anderem Wildtiere und natürlich die Tiere in den rund 300 großen und mittelgroßen Zoos und Tiergehegen des Landes. Entsprechend groß ist auch der Bedarf an Menschen, die sich beruflich um Tiere kümmern und sie zum Beispiel pflegen, züchten oder medizinisch versorgen.

Die Auswahl an Tierberufen ist kurz gesagt enorm. In diesem Artikel bekommst du deshalb einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Berufe, ihre jeweiligen Voraussetzungen sowie mögliche Einsatzorte.

Überblick: Diese Tierberufe gibt es

Die Bundesagentur für Arbeit listet unter dem Suchbegriff „Tier“ mehr als 2.000 verschiedene Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. Eine vollständige Liste aller Jobs mit Tieren können wir dir allein deshalb – und, weil ständig neue Berufsbilder hinzukommen – an dieser Stelle nicht liefern. Die folgende Tabelle gibt dir stattdessen eine erste Orientierung über die bekanntesten Berufsfelder, bevor wir dir fünf davon im Anschluss ausführlich vorstellen.

BerufAufgaben
Tierpfleger:inBetreuung, Fütterung und Pflege von Tieren in Zoos, Tierheimen oder Kliniken
Tiermedizinische:r Fachangestellte:rAssistenz bei Behandlungen, Blutabnahmen und Operationen in der Tierarztpraxis
Tierärzt:inDiagnose, Behandlung und Operation von Haus-, Nutz- und Wildtieren
Tierwirt:inHaltung und Zucht von Nutztieren wie Rindern, Schweinen oder Geflügel
Hundetrainer:inErziehung, Verhaltenstherapie und Beratung rund um Hunde
Falkner:inAufzucht und Training von Greifvögeln für Zoos oder Falknereien
Tierheilpraktiker:inAlternative Behandlungsmethoden für Haus- und Nutztiere
Tierlehrer:inDressur von Tieren für Film, Fernsehen oder Polizeieinsätze
Fischwirt:inAufzucht und Pflege von Fischen in Aquakulturen
Zoologe/ZoologinWissenschaftliche Erforschung von Tierarten und ihrem Verhalten
Hundefriseur:inFellpflege, Waschen und Trimmen von Hunden
Tierphysiotherapeut:inBewegungstherapie für verletzte oder erkrankte Tiere
Imker:inHaltung von Bienenvölkern zur Honiggewinnung und Bestäubung
Schäfer:inHaltung, Zucht und Behirtung von Schafherden
Tierschutzbeauftragte:rÜberwachung und Beratung zu artgerechter Tierhaltung in Betrieben
Wildtierbiologe/WildtierbiologinErforschung und Monitoring wildlebender Tierpopulationen
Berufsjäger:inHege, Pflege und Bejagung von Wildbeständen in Revieren
Aquarist:inPflege und Gestaltung von Aquarien in Zoos, Schauaquarien oder Fachgeschäften
Amtliche:r Tierärzt:in / Fleischkontrolleur:inHygienekontrolle und Gesundheitsüberwachung in der Lebensmittelproduktion
Delfintrainer:inTraining und Pflege von Meeressäugern in Zoos und Delfinarien

5 Jobs mit Tieren näher vorgestellt

Aus der großen Auswahl an Berufen mit Kontakt zu Tieren stellen wir dir fünf besonders unterschiedliche Berufsbilder ausführlicher vor. Zu jedem Job erfährst du, was dich dort im Arbeitsalltag erwartet, welche Voraussetzungen du jeweils mitbringen solltest und in welchen Bereichen oder Unternehmen du später arbeiten kannst.

Tierpfleger:in

Berufsbild

Als Tierpfleger:in bist du für das tägliche Wohl der Tiere zuständig. Zu deinen Aufgaben gehören das Füttern, das Reinigen der Gehege sowie die Beschäftigung der Tiere. Dafür versteckst du beispielsweise Leckerli oder stellst ihnen neues Spielzeug vor. In der Fachrichtung Forschung und Klinik achtest du zusätzlich darauf, dass Tierschutzstandards eingehalten werden, in der Fachrichtung Tierheim und Tierpension gehören auch Beratungsgespräche mit künftigen Tierhalter:innen zu deinem Alltag. Mit welchen Tieren du als Tierpfleger:in konkret in Kontakt kommst, hängt von deinem Arbeitgeber ab.

Voraussetzungen

Formale Vorgaben für die Ausbildung gibt es nicht. In der Praxis stellen Betriebe wegen der hohen Nachfrage aber überwiegend Bewerber:innen mit mittlerem Bildungsabschluss oder Abitur ein. Gute Noten in Biologie und Mathematik können deine Chancen zusätzlich verbessern.

Gehalt

Durchschnittlich verdienen Tierpfleger:innen laut den Daten von kununu 32.400 € brutto jährlich.

Ablauf

Die dreijährige duale Ausbildung schließt du mit einer Zwischenprüfung vor dem Ende des zweiten Lehrjahres sowie einer Abschlussprüfung ab.

Einsatzorte

Zoos und Tierparks sind ein klassischer Arbeitsort. Du findest Tierpfleger:innen aber ebenso in Tierheimen, Tierpensionen, Forschungseinrichtungen und tiermedizinischen Kliniken.

Beruf mit Tieren: Tiermedizinische:r Fachangestellte:r

Berufsbild

Du bist als tiermedizinische:r Fachangestellte:r die rechte Hand von Tierärzt:innen. In der Praxis oder Tierklinik unterstützt du das Behandlungsteam bei Untersuchungen, Operationen und der Nachsorge. Organisatorische Aufgaben wie Terminvergabe, Röntgenaufnahmen oder das Führen von Patientenakten gehören ebenso zu deinem Alltag. Achtung: Es kann sein, dass du in diesem Job Notfälle miterlebst oder Tiere beim Sterben begleitest.

Voraussetzungen

Für die Ausbildung zur:zum tiermedizinischen Fachangestellten werden meist ein mittlerer Bildungsabschluss sowie gute Noten in Biologie und Chemie vorausgesetzt.

Gehalt

Durchschnittlich verdienen tiermedizinische Fachangestellte laut den Daten von kununu 32.500 € brutto jährlich.

Ablauf

Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet dual statt – also abwechselnd in der Tierärzt:innenpraxis und der Berufsschule.

Einsatzorte

Tierarztpraxen, Tierkliniken sowie größere veterinärmedizinische Einrichtungen wie Universitätskliniken sind auf die Unterstützung von tiermedizinischen Fachangestellten angewiesen.

Hundetrainer:in

Berufsbild

Du vermittelst als Hundetrainer:in in direkter Zusammenarbeit mit Hund und Halter:in gewisse Techniken und Strategien für das Grundgehorsam. Je nachdem, mit welchen Problemen deine Kund:innen zu dir kommen, erarbeitest du Lösungen bei Verhaltensauffälligkeiten und berätst manche Personen bereits vor der Anschaffung eines Tieres.

Voraussetzungen

Anders als bei vielen anderen Tierberufen gibt es hier keine einheitlich geregelte Ausbildung. Der Einstieg gelingt über private Lehrgänge und Zertifikatskurse.

Gehalt

Durchschnittlich verdienst du als Hundetrainer:in laut den Daten von kununu 39.000 € brutto jährlich.

Ablauf

Nachdem die Ausbildung zur:zum Hundetrainer:in stark vom jeweiligen Institut abhängt, können wir dir keine konkreten Angaben zum Ablauf und zur Dauer machen.

Einsatzorte

Die meisten Hundetrainer:innen arbeiten selbstständig in eigenen Hundeschulen oder mobil direkt bei den Halter:innen zu Hause. Einige wenige Stellen gibt es abseits davon im öffentlichen Dienst – beispielsweise bei der Polizei oder im Rettungsdienst.

Tierärzt:in

Berufsbild

Eine Tierärztin oder ein Tierarzt untersucht, diagnostiziert und behandelt kranke oder verletzte Tiere. Neben kleineren und größeren Operationen zählt auch die Beratung von Tierhalter:innen zu Problemstellungen in Bereichen wie Ernährung oder Vorsorge zu deinem Aufgabenbereich. Je nach Spezialisierung arbeitest du entweder mit Haustieren, Nutztieren oder Wildtieren.

Voraussetzungen

Tierärzt:in kannst du nur nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium der Veterinärmedizin werden. Für dieses brauchst du normalerweise einen sehr guten Abiturschnitt, da die Studienplätze zumindest innerhalb Deutschlands zentral vergeben werden.

Gehalt

Durchschnittlich verdienst du als Tierarzt:Tierärztin laut den Daten von kununu 53.700 € brutto jährlich.

Ablauf

Nach dem fünfeinhalbjährigen Studium der Veterinärmedizin folgt eine staatliche Prüfung sowie die Approbation, die dich offiziell zur Berufsausübung berechtigt.

Einsatzorte

Obwohl viele Tierärzt:innen den Traum einer eigenen Praxis verfolgen, kannst du auch in Kleintierpraxen, landwirtschaftliche Betrieben, Zoos, Forschungseinrichtungen, Veterinärämtern oder in der Pharmaindustrie angestellt arbeiten.

Landwirt:in mit Spezialisierung auf Tierwirtschaft

Berufsbild

Landwirtschaft ist nicht gleich Landwirtschaft und muss nicht (nur) Lebensmittelanbau umfassen. Solltest du dich als Landwirt:in auf Tierwirtschaft spezialisiert haben, hältst und züchtest du Tiere – darunter Schweine, Kühe oder Schafe – in der Landwirtschaft. Mit moderner Stalltechnik musst du dafür genauso gut umgehen können wie mit Excel-Tabellen, da du auch betriebswirtschaftliche Berechnungen anstellen musst.

Voraussetzungen

Für die Ausbildung zur:zum Landwirt:in reicht meist ein Hauptschulabschluss aus. Durch praktische Erfahrungen erhöhst du deine Bewerbungschancen.

Gehalt

Durchschnittlich verdienst du als Landwirt:in mit Spezialisierung auf Tierwirtschaft laut den Daten von kununu 33.100 € brutto jährlich.

Ablauf

Die Ausbildung zur:zum Landwirt:in absolvierst du dual. Sie dauert drei Jahre, wobei du sie unter Umständen auf zwei Jahre verkürzen kannst.

Einsatzorte

Arbeitgeber wie landwirtschaftliche Betriebe, Zuchtbetriebe sowie größere Agrarunternehmen freuen sich über Landwirt:innen.

Bei welchen Arbeitgebern du in Tierberufen tätig werden kannst

Über die fünf vorgestellten Berufe hinaus bietet sich dir in der Tierbranche ein breites Spektrum an Arbeitsorten. Der Deutsche Tierschutzbund allein zählt laut eigenen Angaben zum Beispiel 16 Landesverbände, mehr als 750 angeschlossene Tierschutzvereine und über 550 vereinseigene Tierheime. Zu den weiteren Arbeitsorten für Beschäftigte in Tierberufen zählen:

  • Tierschutzvereine und Tierheime
  • Universitäten und Forschungsinstitute
  • pharmazeutische Industrie
  • Film-, Fernseh- und Werbeproduktionen
  • landwirtschaftliche Großbetriebe und Zuchtstationen
  • Reiterhöfe, Gestüte und der Pferdesport

Wenn dich speziell die Arbeit mit Pferden interessiert, findest du in unserem Artikel zu Berufen mit Pferden ausführliche Informationen zu Jobs wie Pferdewirt:in oder Reitlehrer:in.

Ausbildung, Studium oder Weiterbildung: Diese Wege führen in Tierberufe

Nein, wer mit Tieren arbeiten will, braucht dafür nicht unbedingt Abitur. Viele Ausbildungsberufe wie Tierpfleger:in oder Tierwirt:in sind grundsätzlich bereits für Absolvent:innen mit Hauptschulabschluss zugänglich. Bei besonders begehrten Plätzen – zum Beispiel in Zoos – musst du als Bewerber:in jedoch mit höheren Anforderungen rechnen.

Siehst du deine berufliche Zukunft eher in Richtung Medizin, Forschung oder Management, kommt für dich nur ein Studium infrage. Passend wären für tieraffine Menschen Studiengänge wie Tiermedizin, Biologie, Zoologie, Agrarwissenschaften oder Tiermanagement. All diese Studiengänge setzen in der Regel die Hochschulreife voraus.

Daneben gibt es zahlreiche Weiterbildungen und Fernlehrgänge, über die du dich auch ohne klassische Ausbildung spezialisieren kannst. Berufe wie Tierheilpraktiker:in oder Hundetrainer:in lassen sich auf diesem Weg auch als Quereinsteiger:in erlernen.

Abseits von Zugangsvoraussetzungen: Diese Persönlichkeit brauchst du für die Arbeit mit Tieren

Sicherlich müssen die formalen Grundvoraussetzungen für eine Ausbildung oder ein Studium im Tierbereich gegeben sein. Die richtige Persönlichkeit solltest du jedoch auch mitbringen, wenn du beruflich mit Tieren arbeiten willst.

Nervenstärke und Geduld sind zentral. Immerhin lässt sich nicht jedes Tier einfach so streicheln. Zudem ist in manchen Berufen der Umgang mit Wildtieren oder aggressiven Tieren sogar wirklich gefährlich. Belastbar – psychisch und physisch – solltest du ebenfalls sein. Nachdem das Wohl der Tiere von deiner Sorgfalt abhängt, musst du ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein in den Job mitbringen.

Welcher Tierberuf passt zu dir? Eine Entscheidungshilfe

Bist du dir noch unsicher, ob einer der vorgestellten Berufe mit Tierkontakt zu dir passen könnte? Möglicherweise helfen dir die folgenden Fragen und Antworten bei der Selbsteinschätzung.

Dein Interesse liegt vor allem in:Das passt zu diesen Jobs:
Der medizinischen Versorgung von Tieren, weniger in der alltäglichen PflegeTiermedizinische:r Fachangestellte:r, mit Studium auch Tiermedizin
Der alltäglichen Pflege und Betreuung, etwa in einem Zoo oder TierheimTierpfleger:in, je nach gewünschter Fachrichtung
Der Arbeit mit Nutztieren im ländlichen Umfeld statt in einer städtischen EinrichtungLandwirt:in mit Spezialisierung auf Tierwirtschaft
Training und Verhaltensarbeit statt reiner Pflege, mit Fokus auf HaustiereHundetrainer:in
Wissenschaftlicher Forschung rund um Tiere statt praktischer BetreuungStudium der Biologie, Zoologie oder Verhaltensforschung
Dem organisatorischen und beratenden Umfeld der Tierhaltung, weniger in der direkten PflegeTierschutzbeauftragte:r oder Mitarbeit bei einer Tierschutzorganisation
Handwerklicher, eher unabhängiger Arbeit rund um Tiere statt festem Angestelltenverhältnisselbstständige Tätigkeit, etwa als Hundefriseur:in oder Tierheilpraktiker:in
Dem Zusammenspiel aus Natur, Wildtieren und Naturschutz statt Arbeit mit Haus- oder NutztierenBerufsjäger:in oder ein Studium der Wildtierbiologie
Noch keinem der genannten Bereiche, du bist dir insgesamt unsicherEin Praktikum in Zoo, Tierheim oder tierärztlichen Praxis zur Orientierung

Sollte dir besonders ein gutes Gehalt wichtig sein, stellen wir dir in diesem Artikel gut bezahlte Berufe mit Tieren vor.

Wenig romantisch: Dein Arbeitsalltag in Tierberufen

Zum Schluss des Artikels möchten wir noch mit einem Mythos aufklären. Einen Beruf mit Tieren zu haben, heißt nicht, dass du in deiner Arbeitszeit ständig mit Kühen, Hunden, Kaninchen oder sogar Elefanten kuscheln kannst. Im Gegenteil.

Ein Großteil der Arbeitszeit in den meisten Tierberufen besteht nicht aus direktem Kontakt mit dem Tier, sondern aus Reinigen, Füttern und organisatorischen Aufgaben. Erst danach kommt die eigentliche Arbeit mit dem Tier selbst. Auch Wochenend- und Feiertagsdienste gehören in vielen Tierberufen zum Alltag. Das ist irgendwo logisch, denn Tiere müssen unabhängig vom Kalender versorgt werden.

Vor deiner Entscheidung für oder gegen einen Tierberuf solltest du dir diese wenig romantisch-verklärte Realität also unbedingt bewusst machen. Nur so vermeidest du spätere Enttäuschungen.