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Vermögen in Österreich

Österreichs Vermögen extrem ungleich – an den Gehältern allein liegt es nicht

Veröffentlicht:  28. September 2026, 12:25
3 min
Waage mit Haus und Geldstapel

Nur 47,6 Prozent der Haushalte in Österreich leben im selbstgenutzten Wohneigentum – weniger als in fast allen anderen untersuchten Euroländern. Gleichzeitig weist Österreich laut einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft unter den von der EZB erfassten Ländern die höchste Vermögensungleichheit auf. Bei den Gehaltsdaten auf kununu zeigt sich seit 2022 dagegen ein wesentlich stabileres Bild.

Bei der Vermögensungleichheit liegt Österreich an der Spitze

Die Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft stützt sich unter anderem auf Daten der Europäischen Zentralbank. Unter den Ländern, für die die sogenannten Distributional Wealth Accounts (DWA) vorliegen, weist Österreich die höchste Vermögensungleichheit auf. In der europaweit harmonisierten Haushaltsbefragung von 2021 lag Österreich auf Platz drei.

Dabei sind die Österreicher in den vergangenen Jahren durchaus vermögender geworden: Das reale Medianvermögen stieg seit 2011 um rund 48 Prozent. Deutschland kommt auf knapp 60 Prozent, lediglich Malta verzeichnete mit knapp 66 Prozent einen noch stärkeren Zuwachs.

Der unteren Hälfte fehlt das Wohneigentum

Österreich ist neben Deutschland das einzige der untersuchten Euroländer, in dem weniger als die Hälfte der Haushalte im selbstgenutzten Eigentum lebt. Die Wohneigentumsquote lag 2021 bei 47,6 Prozent, in Deutschland sogar nur bei 44,5 Prozent.

Das prägt die Struktur der Vermögen: Bei der unteren Hälfte der Haushalte machen Immobilien nur etwas mehr als ein Drittel des Vermögens aus, in den übrigen untersuchten Staaten reicht dieser Anteil von 65 Prozent in Frankreich bis 86 Prozent in Ungarn.

Ein zweiter Faktor bleibt unsichtbar: Ansprüche an die gesetzliche Pensionsversicherung werden nicht zum privaten Nettovermögen gezählt. Werden solche Ansprüche berücksichtigt, sinkt die gemessene Ungleichheit. Für Österreich fällt dieser Effekt im europäischen Vergleich besonders stark aus.

Bei den Gehältern bewegt sich die Schere kaum

Die Gehaltsdaten auf kununu zeigen ein deutlich ruhigeres Bild. Zwischen 2022 und 2026 sind die Gehälter insgesamt gestiegen, die Abstände zwischen dem oberen und unteren Ende haben sich jedoch nur wenig verändert:

  • Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt insgesamt steigt von 46.536 Euro auf 51.686 Euro – ein Plus von 11,1 Prozent.
  • Das Durchschnittsgehalt der unteren zehn Prozent steigt von 22.349 auf 23.391 Euro – ein Plus von 4,7 Prozent.
  • Das Durchschnittsgehalt der oberen zehn Prozent steigt von 95.450 auf 101.968 Euro – ein Plus von 6,8 Prozent.

Das Verhältnis zwischen den durchschnittlichen Gehältern des obersten und untersten Zehntels verändert sich damit nur geringfügig: von 4,27 im Jahr 2022 auf 4,36 im Jahr 2026. Anders als in Deutschland ist in Österreich also keine Annäherung zwischen dem oberen und unteren Gehaltsdezil zu beobachten – die Gehaltsschere bleibt nach diesem Maß weitgehend stabil.

100 Euro Schein zwischen einer Schere
Die Gehälter in Österreich steigen laut kununu Gehaltsdaten – die Abstände zwischen oben und unten verändern sich dabei kaum.

Vorarlberg verdient am meisten, Kärnten am wenigsten

Auch regional sind die Unterschiede überschaubar. 

Durchschnittliche Bruttojahresgehälter 2022 bis 2026:

  • Vorarlberg: 51.625 Euro
  • Wien: 51.309 Euro
  • Oberösterreich: 49.767 Euro
  • Salzburg: 48.118 Euro
  • Steiermark: 47.402 Euro
  • Niederösterreich: 47.372 Euro
  • Tirol: 46.985 Euro
  • Burgenland: 46.362 Euro
  • Kärnten: 45.918 Euro

Zwischen Vorarlberg und Kärnten liegen damit im Durchschnitt rund 5.700 Euro beziehungsweise gut zwölf Prozent.

Wien ist besonders interessant: Mit rund 51.300 Euro liegt das Durchschnittsgehalt fast auf Vorarlberger Niveau. Gleichzeitig beginnt das oberste Gehaltszehntel bei rund 80.000 Euro. Höhere Gehälter am oberen Rand ziehen den Wiener Durchschnitt entsprechend nach oben.

Gehalt erklärt nur einen Teil der Vermögensungleichheit

Die Gehälter in Österreich steigen – die Abstände zwischen oben und unten verändern sich dabei kaum. Die Gehaltsverteilung allein kann die hohe Vermögenskonzentration in Österreich also nicht erklären. Wer mehr verdient, hat zwar grundsätzlich mehr Spielraum zum Sparen. Vermögen hängt aber zusätzlich stark von Immobilienbesitz, Betriebsvermögen, Kapitalanlagen, Erbschaften und dem Lebensalter ab. Die enorme Vermögensungleichheit entsteht offenbar an anderer Stelle.

Gerade das Wohneigentum liefert einen wichtigen Erklärungsansatz: In Österreich besitzt weniger als die Hälfte der Haushalte die selbstgenutzte Immobilie, während Immobilien für den Vermögensaufbau der breiten Bevölkerung in vielen anderen europäischen Ländern eine wesentlich größere Rolle spielen.