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Vermögen im Vergleich

Vermögen der Deutschen bleibt ungleich verteilt, bei den Gehältern schrumpft die Schere

Veröffentlicht:  25. August 2026, 15:05
3 min
Hand platziert Männchen auf Münzstapel

Die oberen zehn Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen im Schnitt rund 2,8 Millionen Euro netto, die untere Hälfte kommt auf gerade einmal 20.300 Euro. Doch eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Der Abstand wächst seit der Finanzkrise nicht weiter. Bei den Gehältern zeigt sich sogar eine leichte Annäherung: In den Gehaltsdaten von kununu rücken das oberste und das unterste Zehntel seit 2022 näher zusammen.

Die Vermögensschere in Deutschland ist riesig – doch seit 2008 weitgehend stabil

Deutschland gehört im europäischen Vergleich weiterhin zu den Ländern mit hoher Vermögensungleichheit. Rund 60 Prozent des gesamten Nettovermögens entfallen laut der Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft auf das oberste Zehntel, gut zwei Prozent auf die untere Hälfte. 

Entscheidend ist jedoch die Entwicklung: Zwischen Ende der 1990er-Jahre und 2008 ging die Vermögensschere auseinander. Seither zeigen die Daten eine weitgehend stabile bis leicht rückläufige Ungleichheit – selbst wenn sehr hohe Vermögen hinzugeschätzt werden. Die Wahrnehmung vieler Deutschen läuft dem entgegen: 81 Prozent hielten den Wohlstand im ARD-DeutschlandTrend im April 2026 für eher ungerecht verteilt.

Zwischen Ost und West liegt beim Vermögen fast das Vierfache

Regional bleibt die Kluft enorm: Im Westen lag das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen 2023 bei 362.883 Euro, im Osten bei 169.132 Euro. Noch größer ist der Unterschied beim Median: 142.580 Euro im Westen stehen lediglich 35.940 Euro im Osten gegenüber – fast das Vierfache.

Die höchsten Vermögen finden sich in Süddeutschland: Dort verfügten Haushalte im Schnitt über 442.080 Euro netto. Ein wesentlicher Grund für den Rückstand Ostdeutschlands ist historisch bedingt: Private Vermögensbildung war dort in vergleichbarer Form erst nach der Wiedervereinigung möglich.

Euroscheine in einer Schere
Die Vermögensschere wächst seit der Finanzkrise nicht weiter. Bei den Gehältern rücken nach den Gehaltsdaten von kununu das oberste und das unterste Zehntel seit 2022 näher zusammen.

Bei den Gehältern schrumpft der Abstand

Doch wie sieht es beim Arbeitseinkommen aus? Eine Auswertung der Gehaltsdaten auf kununu zeigt für den Zeitraum von 2022 bis 2026 eine andere Entwicklung: Die Gehälter am unteren Ende steigen deutlich stärker als an der Spitze.

  • Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt insgesamt steigt von 48.446 Euro im Jahr 2022 auf 51.862 Euro im Jahr 2026 – ein Plus von rund 7,1 Prozent.
  • Das Durchschnittsgehalt der unteren zehn Prozent steigt von 22.103 auf 24.278 Euro – ein Plus von 9,8 Prozent.
  • Das Durchschnittsgehalt der oberen zehn Prozent verändert sich dagegen kaum: von 102.629 auf 103.510 Euro – ein Plus von lediglich 0,9 Prozent.

Damit sind die Gehälter im unteren Dezil seit 2022 prozentual deutlich stärker gestiegen als im oberen Dezil – und auch stärker als im Gesamtdurchschnitt. Das Verhältnis zwischen den durchschnittlichen Gehältern des obersten und untersten Zehntels sank entsprechend von 4,64 auf 4,26.

Eine Entwicklung, zu der auch höhere gesetzliche Lohnuntergrenzen beigetragen haben könnten: Zum 1. Januar 2026 stieg der Mindestlohn auf 13,90 Euro pro Stunde. Gerade Beschäftigte mit niedrigen Einkommen und in Ostdeutschland profitieren überdurchschnittlich häufig von solchen Anhebungen.

Auch bei den Gehältern bleibt ein Ost-West-Gefälle

Auch die kununu-Daten zeigen regionale Unterschiede – allerdings fallen diese deutlich kleiner aus als beim Vermögen. Über den Zeitraum 2022 bis 2026 liegt das durchschnittliche Bruttojahresgehalt in Ostdeutschland bei 45.197 Euro.

Innerhalb der westdeutschen Regionen reicht der Durchschnitt von rund 48.200 Euro im Norden und 48.800 Euro im Westen bis zu 52.900 Euro im Süden. Im Süden verdienen Beschäftigte damit durchschnittlich rund 17 Prozent mehr als im Osten.

Die Größenordnung ist eine völlig andere als beim Vermögen: Dort liegt das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen im Westen mehr als doppelt so hoch wie im Osten.

Gehalt erklärt Vermögensungleichheit nur zum Teil

Vermögen und Gehälter entwickeln sich damit zuletzt zumindest nicht weiter auseinander. Trotzdem messen beide Datensätze grundverschiedene Dinge. Ein höheres Gehalt erleichtert zwar den Vermögensaufbau – große Vermögensunterschiede entstehen aber vor allem über Immobilien, Betriebsvermögen, Kapitalanlagen und Erbschaften.

Die Entwicklung der Gehälter kann die enorme Vermögensschere deshalb nicht schließen. Sie zeigt aber: Zumindest beim Arbeitseinkommen von Beschäftigten hat sich der Abstand zwischen dem oberen und unteren Ende seit 2022 nicht vergrößert, sondern etwas reduziert.