Lehrkräftemangel im Ländervergleich
Fast alle Bundesländer suchen Lehrkräfte – am Geld liegt es nicht
Rund 4.100 Vollzeitstellen umfasst der Lehrkräftebedarf in Berlin, gedeckt wird er seit Jahren nicht: Nur etwa ein Viertel der neu Eingestellten ist voll ausgebildet. Beim Einstiegsgehalt liegt die Hauptstadt im Mittelfeld – gleichauf mit Ländern, in denen fast jede Stelle besetzt ist. Wer den Mangel in Deutschland erklären will, kommt mit der Besoldungstabelle nicht weit.
Bis zu 8.800 offenen Stellen pro Bundesland
Nordrhein-Westfalen führt die Statistik an: rund 8.800 unbesetzte Stellen, Stand Dezember 2025, mehr als 3.500 davon im Ruhrgebiet. Sachsen-Anhalt kam zum Schuljahresstart 2025/26 auf eine Unterrichtsversorgung von 93,6 Prozent, 17,5 Prozent der Lehrkräfte sind Seiteneinsteigende. Bayern, lange das Vorzeigeland, rechnete allein an Mittelschulen mit einer Lücke von 1.370 Stellen.
Und dann Schleswig-Holstein: 51 offene Stellen, 0,25 Prozent, wie Bildungsministerin Dorit Stenke mitteilte. In Rheinland-Pfalz waren 99 Prozent der Planstellen besetzt.
In Baden-Württemberg fehlten 1.159 Lehrkräfte – ein Teil davon jahrelang unbemerkt: 1.440 Stellen führte die Kultusverwaltung fälschlich als belegt, ein Softwarefehler, der bis 2005 zurückreicht.
Rund 500 Euro trennen die Ränder
Beim Einstiegsgrundgehalt in A 13 liegen die Länder enger beieinander als vielleicht gedacht. Berlin zahlt 5.060,75 Euro plus 150 Euro Hauptstadtzulage, Nordrhein-Westfalen 5.221,48 Euro, Bayern ab Oktober 5.395,56 Euro. Ein direkter Vergleich hinkt, weil Einstiegsstufen und Zulagen je Land anders geregelt sind.
Seit dem 1. August 2026 gilt in Nordrhein-Westfalen A 13 auch für Grund-, Haupt- und Realschullehrkräfte. Bayern zieht bis 2028 nach, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz besolden die Grundschule weiter nach A 12.

Was den Mangel wirklich treibt
Die belastbaren Treiber liegen woanders:
- Altersstruktur: In Sachsen-Anhalt sind 54 Prozent der Lehrkräfte 50 Jahre oder älter, im Saarland nur 28,4 Prozent.
- Schülerzahlen: Bis 2032 kommen rund 600.000 Kinder und Jugendliche zusätzlich ins Bildungssystem.
- G9: Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium erzeugt in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein einen Bedarfssprung.
- Stadt-Land-Gefälle: In Sachsen entfiel die Hälfte aller Bewerbungen auf Leipzig, ländliche Stellen blieben frei.
Die Gesamtbilanz beschönigt die Lage
Die Bildungsministerkonferenz erwartet bis 2035 einen Bedarf von 356.000 Lehrkräften und 329.000 Absolvierende – rechnerisch fehlen 27.000. Beherrschbar wirkt das nur, weil Überangebote die Bilanz kleinrechnen: Allein in der Sekundarstufe I fehlen 30.600 Lehrkräfte, an beruflichen Schulen stehen 50.500 Stellen nur 26.500 Absolvierenden gegenüber. Ausgleichen lasse sich das „zwar rechnerisch, aber nicht in der Praxis“.
Entscheidend ist damit weniger das Bundesland als die Kombination aus Schulform, Fach und Region. Und Lehrkräfte gewinnen lässt sich über die Besoldungstabelle allein nicht: In Berlin liegen die 150 Euro Hauptstadtzulage seit Jahren auf dem Tisch – die Stellen sind trotzdem offen.