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Führung ist Vertrauensfrage

„Zu groß für das Amt“: Was Merz‘ Krise über schlechte Führung verrät

Letztes Update:  31. Juli 2026, 08:29
2 min
Friedrich Merz spricht in einer Gruppe von Personen in einem Konferenzraum.
Foto: Bundesregierung/Tobias Koch

96,6 gegen 9,3 Prozent: So weit klaffen auf kununu die Weiterempfehlungsquoten zwischen guter und schlechter Führung. Während in Deutschland über eine Vertrauensfrage für Bundeskanzler Friedrich Merz diskutiert wird, zeigen die Daten: Vertrauen ist selbst im Büro die härteste Währung.

Wo Vertrauen fehlt, bleiben 9,3 Prozent

FDP-Chef Wolfgang Kubicki fordert Merz auf, die Vertrauensfrage zu stellen: Der Kanzler habe das Vertrauen der Bevölkerung in „atemberaubendem Tempo“ zerstört. In einem X-Post am 28. Juli legte Kubicki nach: „Das Amt des Bundeskanzlers ist für ihn zu groß.“ Aus dem CDU-Bundesvorstand zitierte der Tagesspiegel: „Der Bundeskanzler hat ein Glaubwürdigkeitsdefizit.“

Auch in Zahlen zeigt sich der Vertrauensverlust: Laut einer forsa-Umfrage vom 28. Juli sind nur noch 15 Prozent der Deutschen mit Merz zufrieden, 83 Prozent unzufrieden. Selbst unter CDU/CSU-Anhänger:innen halten sich Zustimmung (50 Prozent) und Ablehnung (49 Prozent) fast die Waage.

In der Politik ist das eine Machtfrage. Im Arbeitsalltag ist sie messbar: Unternehmen mit gut bewerteter Führung werden auf kununu von 96,6 Prozent der Beschäftigten weiterempfohlen, bei schlechter Führung sind es 9,3 Prozent. Basis sind rund 354.700 Bewertungen des Vorgesetztenverhaltens im DACH-Raum, wo Führung mit 3,5 Punkten zu den schwächsten Dimensionen zählt. Ausgleichen lässt sich das kaum: Selbst guter Kollegenzusammenhalt bei schlechter Führung ergibt nur eine Weiterempfehlungsrate von 19,3 Prozent.

Was gute von schlechter Führung trennt

Die Quote zeigt die Wirkung, nicht die Ursache. Die liefern die kununu Kulturdaten aus 2,2 Millionen Angaben: Beschäftigte schreiben ihren Arbeitgeber:innen darin unterschiedliche Verhaltensweisen zu. 

Bei guter Führung dominieren:

  • Mitarbeiter:innen vertrauen (93,8 %)
  • Mitarbeiter:innen fördern (92,3 %)
  • Offen und transparent informieren (90,5 %)

Bei schlechter Führung dominieren:

  • Mitarbeiter:innen kleinhalten (84,9 %)
  • Mitarbeiter:innen unangemessen kritisieren (80,7 %)
  • Jeden Fehler anprangern (76,8 %)

Drei Szenen aus dem Regierungsumbau

Auffällig: Die Kritik am Kanzler setzt an denselben Punkten an – nicht an den Entscheidungen, sondern an der Art, wie er sie mitteilte. Drei Beispiele aus den vergangenen Tagen zeigen das. 

Transparenz: Verkehrsminister Patrick Schnieder erfuhr von seiner Entlassung, bevor ein Nachfolger feststand. Merz bedauerte das später „persönlich sehr“.

Kommunikation: Staatssekretär Tino Sorge erfuhr seine Entlassung aus Parteigremien und Presse statt im Gespräch. Das bleibe „seine eigene Stilfrage“.

Bindung: Wunschkandidat Fritz Güntzler sagte zu und nachts wieder ab. Merz nennt die Veränderungen „wohl überlegt“, Thorsten Frei spricht von „Pech“.

Beantwortet wird die Vertrauensfrage täglich

Die neuen Minister übernehmen ihre Ämter sofort, vereidigt werden sie erst Anfang September. Offiziell gestellt wird die Vertrauensfrage in Unternehmen selten. Beantwortet wird sie trotzdem jeden Tag: indem Beschäftigte bleiben, kündigen oder ihren Arbeitgeber weiterempfehlen. Bei schlechter Führung tun das 9,3 Prozent.