Arbeitsmarkt im Umbruch
Einstellungsstopp: 42 Prozent weniger Einstiegsjobs, doch der Staat stellt ein
Die Zahl der Stellenanzeigen für Einsteiger:innen in Deutschland ist 2025 um 42 Prozent eingebrochen. Während Industrie und Büroberufe Stellen einfrieren, sucht der öffentliche Dienst über 600.000 Beschäftigte und hat die Gehälter in zwei Jahren um 9,6 Prozent angehoben.
Berufseinsteiger erleben die Wende zuerst
Wer qualifiziert war, konnte sich jahrelang den Arbeitgeber aussuchen. Diese Zeit ist vorbei. Laut einer Recherche der Financial Times und FOCUS online brach die Zahl der Einstiegsanzeigen 2025 um 42 Prozent ein. Besonders hart trifft es Junior-Stellen in Vertrieb, Personalwesen, Verwaltung, Marketing und IT.
Ifo-Präsident Clemens Fuest fasst es so zusammen: „Die Bereitschaft der Unternehmen hat deutlich nachgelassen, neue Mitarbeiter einzustellen. Gleichzeitig ist die Zahl der Entlassungen gering.“ Wer drin ist, bleibt sicher. Wer neu auf den Markt kommt, schreibt 120 Bewerbungen ohne Festanstellung.

Industrie schwächelt aber der öffentliche Dienst zieht an
Hohe Energiepreise, China-Konkurrenz und der Umbau zur Elektromobilität bremsen den Personalaufbau in der Industrie. Fuest warnt: „Der Beschäftigungsaufbau findet primär im öffentlichen Sektor statt, während in der Industrie Arbeitsplätze verschwinden.“
Aktuelle kununu Daten zeigen, wie eng die Sektoren beim Durchschnittsgehalt beieinanderliegen:
- Maschinenbau: 56.614 €
- Chemie: 56.579 €
- Automobil: 54.228 €
- Öffentlicher Dienst: 49.636 €
- Bau: 48.457 €
Der öffentliche Dienst wiederum hat in zwei Jahren 9,6 Prozent draufgelegt, Treiber sind die jüngsten Tarifabschlüsse für Bund, Länder und Kommunen.
Lohnt sich der Wechsel?
Dem Staat fehlen über 600.000 Beschäftigte, fast 40 Prozent der Beamten sind älter als 55. Stark gesucht werden IT-Fachkräfte, Bauingenieur:innen, Jurist:innen und Planer:innen, also jene Profile, die in der Privatwirtschaft gerade unter Druck geraten.
Der Gehaltsabstand schrumpft, der Sicherheitsbonus bleibt: unbefristete Verträge, planbare Arbeitszeiten, betriebliche Altersvorsorge. Die nächste TVöD-Runde startet voraussichtlich im Frühjahr 2027.
Eine Krise wie 2005 ist das nicht. Aber eine Trendwende. Der öffentliche Dienst, lange als Plan B abgetan, rückt für viele auf Platz eins.