Mitarbeiter vor der Kündigung

Woran du erkennst, ob deine Mitarbeiter kurz vor der Kündigung stehen

„Das kommt jetzt aber überraschend“ – ist die Reaktion vieler Personaler oder Vorgesetzter, wenn Mitarbeiter ihre Kündigung aussprechen. In den meisten Fällen kommt eine Kündigung aber tatsächlich überhaupt nicht überraschend. Mit ein wenig Gespür und Aufmerksamkeit, lassen sich einige Verhaltensweisen von Mitarbeitern entdecken, die auf das baldige Verlassen des Unternehmens hindeuten. Wer die Anzeichen kennt, kann im besten Fall eingreifen und die Unzufriedenheit auffangen, um den Mitarbeiter zu halten. Es gibt natürlich zahlreiche Verhaltensweisen, die auf eine Kündigung hindeuten können. Einige davon können aber mehr oder weniger offensichtlich sein und sind daher besonders zu beachten.

Steht dein Mitarbeiter vor der Kündigung? Was darauf hinweisen könnte:

Die Fehlzeiten steigen

Ob nun häufigere und längere Krankmeldungen oder veränderte Arbeitszeiten zum üblichen Ablauf – beispielsweise später kommen und früher gehen –  all das kann auf Einstellungsveränderungen zum Unternehmen hindeuten. Möglicherweise nutzt der Mitarbeiter die Zeit um Vorstellungsgespräche zu besuchen oder Überstunden abzubauen. Vielleicht steckt aber auch eine ernste Krankheit dahinter. Ob der Grund für die vermehrte Abwesenheit nun rein persönliche Gründe hat und dahinter keine Kündigungsabsicht steht, oder ob es ein Ausdruck von Missmut und Unzufriedenheit mit der Arbeitssituation ist – fallen dir als Vorgesetzter derartige Verhaltensänderungen auf, solltest du einen genaueren Blick darauf werfen. Ein klärendes Gespräch bei dem du Interesse an der persönlichen Situation des Mitarbeiters zeigt, kann hier helfen. „Mir ist aufgefallen, dass deine Krankheitstage zugenommen haben. Ist etwas passiert bei dem wir dich unterstützen können?“ kann etwaige Problematiken vorab abfangen.

Signifikante Abnahme in der Beteiligung

Ein Mitarbeiter hat sich immer gerne, proaktiv und kreativ in Meetings eingebracht, sich freiwillig für Projekte gemeldet und Pläne geschmiedet und umgesetzt. Seit geraumer Zeit fällt dir auf, dass eben dieser Mitarbeiter nur noch stiller Teilhaber ist und Ideen lediglich nach direkter Ansprache äußert. Mangelndes Engagement ist definitiv ein Warnsignal. Insbesondere dann, wenn es mit einer plötzlichen Verhaltensänderung einhergeht. Möglicherweise hat der Mitarbeiter bereits begonnen, sich nach anderen Jobs umzuschauen und ist nicht mehr aktiv daran interessiert, das Unternehmen voran zu bringen. Dahinter könnten natürlich auch ein nahendes Burnout und Überbelastung stecken. Um dies genau zu erfragen, ist auch hier ein Gespräch angebracht.


„Junger, ambitionierter Vorgesetzter, der stets ein offenes Ohr für sein Team hat.“ – Anonyme Arbeitgeberbewertung bei Immofinanz AG


Auffallende Negativität

Ist ein zuvor durch Positivität aufgefallener Mitarbeiter plötzlich ungewöhnlich negativ? Nehmen Beschwerden und Nörgeleien zu und es gibt keinen offensichtlichen Grund? Versucht der Kollege gar nicht erst die Situation zu ändern, sondern begnügt sich stattdessen mit Meckerei? All das kann sehr offensichtlich darauf hindeuten, dass diese Person sehr unzufrieden ist oder bereits mit dem Job abgeschlossen hat.

Unkonzentriertheit und steigende Fehlerquote

Gleiches gilt, wenn dir auffällt, dass ein zuvor für seine Sorgfalt bekannter Mitarbeiter vermeidbare Fehler begeht und diese nicht behebt. Um nicht gleich von einer baldigen Kündigung auszugehen, könnte auch Überforderung der Grund für das Verhalten sein. Doch wer sich bereits innerlich vom Unternehmen getrennt hat, sieht womöglich keine Notwendigkeit mehr darin, sich noch explizit zu bemühen. Deshalb ist es auch in diesem Fall wichtig das Gespräch zu suchen.

Steigende Konflikte mit Kollegen

Ein Anzeichen für eine steigende Kündigungsbereitschaft kann sich auch durch wiederkehrende Konflikte mit Kollegen äußern. Gab es einen Wertewandel, entweder im Unternehmen oder beim Mitarbeiter, kann es passieren, dass einzelne Personen sich in der bestehenden Situation nicht mehr wohlfühlen. Dadurch entstehen Reibungen und Konflikte innerhalb des Team, die mehr und mehr zunehmen. Solltest du das beobachten, kann es darauf hindeuten, dass ein Teammitglied unzufrieden ist und sich nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren kann. Hier kann ein Gespräch helfen, um herauszufinden wo genau das Problem liegt. Missverständnisse können so aus der Welt geschafft werden. Häufig ist ein Wertewandel jedoch nicht korrigierbar, schließlich liegt die Ausrichtung nicht in deiner Hand. Ist ein Mitarbeiter also nicht mehr glücklich damit, deutet sich langfristig eine Kündigung an.


„Konflikte zwischen Kollegen kommen äußerst selten vor, der Abteilungsleiter und mein Gruppenleiter sind stehts darum bemüht Konfliktpotential zu vermindern.“ – Anonyme Arbeitgeberbewertung bei Hello Bank!


Einschneidende Lebensereignisse finden statt

Ist dein Mitarbeiter gerade mit einschneidenden, persönlichen Lebensereignissen konfrontiert, kann es den Wunsch der gänzlichen Veränderung bestärken. Dazu kann auch der Wechsel des Wohnorts und des Arbeitgebers gehören. Für viele Menschen besteht nach einem Ereignis wie einem Baby, einer Scheidung, dem Tod eines geliebten Menschen oder einer ernsthaften Erkrankung der Wunsch, den bestehenden Status Quo generell zu ändern, um ihre Emotionen und das Gefühlsleben wieder zu erden. Weißt du also von einer bestehenden Krise bei einem deiner Mitarbeiter, biete deine Hilfe an und versuche auch hier über einfühlsame Gespräche den aktuellen Status zu eruieren. In solchen Situationen kann die Arbeit auch als letzter Anker ein gewisses Maß an Sicherheit liefern. Fürsorge durch den Vorgesetzten kann dann eine Chance sein die emotionale Bindung zum Unternehmen noch weiter zu stärken.

Aktivitäten auf XING und LinkedIn explodieren

Ein anderer Hinweis auf eine bevorstehende Kündigung kann sein, dass ein Mitarbeiter deines Teams plötzlich seine Jobprofile aktualisiert und aktiv auf Networkseiten unterwegs ist. Stellst du also nun vermehrte Aktivität auf Kanälen wie XING oder LinkedIn fest und fordert der Mitarbeiter nun plötzlich auch noch ein Arbeitszeugnis, kann das ein Hinweis auf die aktive Jobsuche sein. Hier sind deine Handlungsmöglichkeiten leider eingeschränkt. Häufig ist die aktive Handlung jedoch nur der verlängerte Arm eines anderen, zuvor beschriebenen Problems. Hast du also ein Auge auf deine Mitarbeiter und ihre Situation und individuellen Probleme, kannst du das Kündigungsbedürfnis vielleicht revidieren.

 

Sollte die Kündigung nicht vom Mitarbeiter selbst ausgehen, sondern vom Unternehmen angestrebt werden, hilft es sich als Gesprächsführer an folgende wichtige Grundregeln zu halten:

Was in einem Kündigungsgespräch wichtig ist

  • Formulierungen so wählen, dass die Gesprächsabsicht eindeutig und unmissverständlich klar ist.
  • Begründung darlegen die nachvollziehbar ist: Diese enthält die Geschichte des Mitarbeiters, eine Übersicht des Status Quo, die Gründe für die Trennungsabsicht und die Äußerung der Kündigung selbst.
  • Verzichte auf vermeintliche Sympathieäußerung wie „Nehmen Sie es nicht so schwer“ oder „Ich weiß, wie es Ihnen jetzt gehen muss“ oder gar „Sie müssen verstehen, das ist nicht persönlich gemeint“. Denn am Ende ist es ein Eingriff in das persönliche Leben des Mitarbeiters und du kannst tatsächlich nicht erahnen oder nachvollziehen, wie es dem Mitarbeiter aktuell geht.
  • Übe die Formulierung und Darlegung der Trennungsabsicht. Du musst mit der Reaktion deines Gegenübers umgehen können, egal wie diese ausfallen mag. Daher ist es wichtig, im Kündigungsgespräch souverän zu bleiben.

„Beim Kündigungsgespräch ist meiner Vorgesetzten rausgerutscht, dass sich jemand beschwert hatte.“ – Anonyme Arbeitgeberbewertung bei ETC – Enterprise Training Center


Abgesehen davon ist es wichtig, nachvollziehbare Formulierungen und Begründungen parat zu haben, falls du von anderen Mitarbeitern auf die Kündigung angesprochen wirst. Deine Antwort hat einen wesentlichen Einfluss auf das Sicherheitsgefühl der übrigen Mitarbeiter. Eine unüberlegte oder gar emotionale Reaktion kann hier zu einer Kettenreaktion und einer negativen Arbeitsatmosphäre führen. Wichtig und von HR-Experten empfohlen ist es außerdem, mindestens eine weitere Person dem Gespräch beiwohnen zu lassen. So können Missverständnisse und Situationen, in denen „Aussage gegen Aussage“ steht, vermieden werden, sollte das Trennungsgespräch nicht einvernehmlich und optimal verlaufen.