Unterqualifiziert – so bekommst du den Job trotzdem

Zwischen Karriere machen vor 50 Jahren und heute gibt es wohl kaum noch Gemeinsamkeiten. Früher war es üblich, dass man in einem Unternehmen beginnt und beim selben Arbeitgeber in die wohlverdiente Rente geht. Mittlerweile wechseln allerdings viele ihren Job öfter als ihre Unterhosen. Denn wer heute auf der Karriereleiter nach oben klettern möchte, tut sich oft leichter, wenn er dafür das Unternehmen wechselt. Der Vorteil davon? Als „Neuling“ bringst du immer frischen Wind und vor allem neue Perspektiven mit, die langjährigen Mitarbeitern mit den Jahren verloren gehen. Leider bringst du aber trotzdem nicht die nötigen Qualifikationen für deinen Traumjob mit? Du willst ihn aber trotzdem unbedingt haben? Dann nimm dir unsere Tipps zu Herzen und denke daran, wenn du dich das nächste Mal für einen Job bewirbst, für den du eigentlich unterqualifiziert bist.

„Unterqualifiziert“ ist Ansichtssache

Gleich vorweg: Du musst ehrlich mit dir selbst sein. Welche der geforderten Fähigkeiten besitzt du wirklich, welche nicht? Ist es eine dehnbare Position, für die du rein technisch gesehen keine Ausbildung hast, dir alles Nötige aber selbst beibringen kannst? Oder ist eine Jobzusage so unrealistisch, dass du es am besten gleich bleiben lassen solltest? Denn seien wir uns einmal ehrlich: Den Karrieresprung vom einfachen Hilfsarbeiter zum CEO gibt es höchstens im Märchen.

Andererseits solltest du auch berücksichtigen, dass dein Selbstbewusstsein dir oft einen Strich durch die Rechnung macht. Nur weil du selbst an dir zweifelst und glaubst, dass du nicht komplett qualifiziert bist, bedeutet das noch lange nicht, dass das dein Recruiter gleich sieht. Deswegen: Probiere es einfach. Etwas Schlimmeres als ein Nein kann dir nicht passieren.

Recherche, Recherche, Recherche

Du kennst es bereits von anderen Jobs: Die Recherche vor dem ersten Interview gehört einfach dazu. Willst du allerdings nach den Sternen greifen, erklärt es sich wohl von selbst, dass du dich besonders ins Zeug werfen musst. Informiere dich genau über das Unternehmen und die Branche, in der es tätig ist. Lies Bewertungen auf Arbeitgeberbewertungsportalen wie kununu.com, um sicherzugehen, dass du auch über die Unternehmenskultur Bescheid weißt. Denn zeigst du im Bewerbungsgespräch nicht nur, dass du gerne den Job hättest, sondern auch bereits viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt hast, gibt es definitiv Pluspunkte von Mr. oder Mrs. Recruiter.

Sei flexibel

Vor allem wenn du einen Branchenwechsel anstrebst, ist deine Flexibilität das Um und Auf. Anstatt dir Sorgen zu machen, welche spezifischen Qualifikationen dir fehlen, denke daran, wie du deine bereits erworbene Erfahrung auf dein potentielles neues Berufsumfeld umlegen kannst. Zum Beispiel hast du vielleicht noch nie ein Team geleitet, aber dafür die jährliche Charity Gala deines Ex-Arbeitgebers organisiert. Das zeugt davon, dass du fähig bist, Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen, zu kommunizieren und unterschiedliche Ressourcen effektiv einzuteilen. Mit diesen breitgefächerten Fähigkeiten qualifizierst du dich nämlich ganz schnell für deine neue Stelle.

Personalisiere deine Bewerbung

Erleichtere es deinem Personaler, die Gemeinsamkeiten zwischen deiner Berufserfahrung und deiner angestrebten Position zu sehen. Wie du das anstellst? Hebe jene Qualifikationen hervor, die zur Jobbeschreibung passen und benutze dafür ähnliche Formulierungen. Im Normalfall verbringen nämlich Recruiter sechs Sekunden mit deiner Bewerbung. Nicht gerade viel? Deswegen ist es umso wichtiger, dass ihnen Keywords entgegen springen, um dich von den anderen Bewerbungen zu unterscheiden. Aber achte trotzdem darauf, dass dir keine Holznase wächst: Biege die Wahrheit nicht zu viel zurecht, denn die Chance besteht nach wie vor, dass dein Personaler deine Lügen aufdeckt.

Verkaufe deine persönliche Story

Viel zu oft machen Bewerber einen bestimmten Fehler: Sie erzählen das Gleiche in ihrem Bewerbungsschreiben wie in ihrem Lebenslauf. Wenn dein Lebenslauf nicht eindeutig zu dem ausgeschriebenen Jobprofil passt, solltest du allerdings schleunigst die Finger davon lassen. Stattdessen solltest du im Motivationsschreiben überzeugen, warum du der beste Kandidat für den Job bist und deine Stärken und Fähigkeiten hervorheben, die man nicht auf den ersten Blick in deinem Lebenslauf entdeckt. Erzähle eine Geschichte, warum du genau diesen Job haben möchtest und warum du dich schnell in deine neuen Aufgaben einarbeiten wirst. Lieferst du eine schlüssige Argumentation, wo du gerade stehst und wo du gerne in Zukunft stehen möchtest, wird dein Recruiter merken, dass es eine besondere Bewerbung ist – statt Massenproduktion.

Sei reflektiert

Es gibt Lücken im Lebenslauf, die kann man nicht überspielen. Wenn die Anforderung beispielsweise ist, dass man diese oder jene Programmiersprache beherrschen muss, du dich damit aber einfach noch nie auseinander gesetzt hast, dann löse das Problem, bevor es zu einem wird. „Obwohl ich das System XYZ bis dato noch nicht genutzt habe, hat mir meine fünfjährige Erfahrung mit dem Programm ABC und meine schnelle Eingewöhnungsphase auf dem System Q in meiner derzeitigen Position gezeigt, dass ich mich schnell und effizient in neue Programme einarbeiten kann. Außerdem werde ich ab nächstem Monat einen Kurs besuchen, um meine Fähigkeiten auf dem Gebiet XYZ zu verbessern.“ Den solltest du übrigens auch wirklich besuchen, denn eine qualifizierte Ausbildung auf deinem angestrebten Fachgebiet erhöht deine Chancen auf einen Job in dieser Branche gleich um ein Vielfaches.

Erweitere dein Netzwerk

Vor allem wenn du einen großen Karriereschritt machen möchtest, darfst du auf dein Arbeitsnetzwerk nicht verzichten. Höre dich bei Bekannten um oder recherchiere, ob nicht vielleicht jemand Freunde bei deinem Traumarbeitgeber hat. Wie du das anstellst? Lege dir ein Profil auf XING an, knüpfe Kontakte und gewinne so nicht nur Insiderwissen, sondern auch den einen oder anderen Freund, der deiner Bewerbung einen kleinen Schubs geben könnte.

 

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch. Das Original findest du hier.