Rente für Geringverdienende
Rentensystem stabiler als gedacht und trotzdem nur 1.060 Euro nach 45 Jahren
Nur 9,3 Prozent der Wirtschaftsleistung flossen 2024 in die gesetzliche Rente in Deutschland, also weniger als die rund 10 Prozent von 1997. Doch für Menschen mit niedrigen Löhnen ändert das wenig. Wer 45 Jahre lang rund 30.000 Euro verdient, kommt am Ende auf gut 1.060 Euro Rente und das ist die optimistische Rechnung.
Das Rentensystem steht solider da als sein Ruf
Das zeigt eine Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung: Die Rente kostet heute anteilig weniger als 1997, obwohl sie rund drei Millionen mehr Menschen beziehen und der Beitragssatz von 20,3 auf 18,6 Prozent gesunken ist.
„Die Datenanalyse ergibt, dass das System der gesetzlichen Rente recht solide dasteht“, sagt WSI-Rentenexperte Florian Blank. Erzählungen vom drohenden Kollaps ließen sich nicht belegen. Eine Regierungskommission legt bis Ende Juni Empfehlungen zur geplanten Reform vor.
Für Geringverdienende zählt eine andere Zahl
Ob das System stabil ist, ist nicht die einzige Frage. Entscheidend ist, wie viel jemand überhaupt einzahlen kann und das ist in vielen Berufen wenig:
- Reinigungskraft: Ø 27.000 € pro Jahr
- Verkäufer:innen: Ø 30.500 € pro Jahr
- Lagerist:innen: Ø 31.600 € pro Jahr
In Teilzeit liegen die Jahreseinkommen deutlich niedriger.
45 Beitragsjahre, gut 1.100 Euro Rente
Wer ein Jahr lang genau den Durchschnittsverdienst erzielt, bekommt dafür einen Entgeltpunkt.
Bei einem Jahreseinkommen von rund 30.000 Euro sind es nur etwa 0,58 Entgeltpunkte pro Jahr. Nach 45 Beitragsjahren kommen so rund 26 Entgeltpunkte zusammen.
Mit dem neuen Rentenwert ab Juli 2026 von 42,52 Euro ergibt das etwa 1.105 Euro brutto Rente im Monat. Nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bleiben ungefähr unter 1.000 Euro netto.
Und das auch nur, wenn jemand tatsächlich 45 Jahre lückenlos eingezahlt hat, was viele Menschen in der Realität gar nicht schaffen.
Frauen trifft die Lücke doppelt
Bei Frauen wird das Muster besonders deutlich: Sie beziehen laut Statistischem Bundesamt im Schnitt rund ein Viertel weniger Alterseinkünfte als Männer – Folge von Teilzeit, Sorgearbeit und Berufen mit tendenziell niedrigeren Löhnen.
Ein stabiles System und eine auskömmliche Rente sind zweierlei. Für Beschäftigte am unteren Ende der Lohnskala zählt nicht, ob die Rentenkasse hält, sondern ob die eigenen Beiträge je für mehr als das Nötigste reichen. Dort müsste eine Reform ansetzen.