Yesica Rios zu ihren Learnings als Gründerin

People first – Yesica Rios über ihre 5 Learnings als Gründerin

Ein Gastbeitrag von Yesica Rios, Mitgründerin und CMO bei Jobmatch.me – einer Jobplattform für Fachkräfte

 

Warum habe ich mich vor fünf Jahren dazu entschlossen, meinen Job in der Finanzabteilung von Volkswagen zu kündigen und das Start-up Jobmatch.me mitzugründen? Häufig habe ich erlebt, wie wenig methodisch die Besetzung einer Vakanz bei einer Vielzahl von Bewerbern abläuft. In meinem Heimatland Mexiko ist dieses Problem sehr verbreitet: Häufig geht es nur darum, das beste Papier im schönsten Layout zu haben. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist meiner Meinung nach jedoch die kulturelle Passung von Arbeitnehmer*in und Arbeitgeber*in entscheidend.

Mein Wunsch war es, bestehende Strukturen im Recruiting von Fachkräften zu verändern, eine einfache, digitale und intelligente Alternative für beide Seiten zu schaffen und Fachkräfte einfach zu befähigen, den richtigen Job zu finden. So kam es vor fünf Jahren zu der Gründung von Jobmatch.me. Seitdem ist viel passiert: Heute sind wir ein Unternehmen mit 25 Mitarbeiter*innen, die gemeinsam eine Jobplattform entwickelt und in verschiedene Branchen getragen haben. Die Zeit im Start-up rennt, in einer Woche passiert häufig so viel wie in anderen Unternehmen in mehreren Monaten. Und wir sind noch längst nicht am Ende!

Ich bin dankbar, dass viele tolle Menschen die Gründungs-Vision teilen und wir an gemeinsamen Zielen arbeiten. Trotzdem: Gründen ist hart! Es gab viele Dinge, die ich vorher nicht wusste. Ich habe viel gelesen, ausprobiert, sogar ein weiteres Studium abgeschlossen und aus den Erfahrungen von anderen Gründern gelernt. Meine fünf wichtigsten Learnings aus fünf Jahren Gründung möchte ich gerne mit anderen Gründer*innen, Unternehmer*innen und Arbeitgeber*innen teilen!

1. People First

Was ist eine Vision ohne Menschen, die sie zum Leben erwecken? Ein Unternehmen besteht aus Menschen, die ihre Leidenschaft, Energie und Talente nutzen und einbringen, um eine Idee voranzutreiben. Im besten Fall werden sie sogar davon getrieben, ein gemeinsames Ideal zu verwirklich und dabei etwas Neues, Besseres zu schaffen. Die richtigen Menschen sind der Schlüssel – das habe ich auf unserem Wachstumskurs gelernt.

Gerade zu Beginn der Gründung ging es darum, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der wir uns wohlfühlen und unsere volle Leistung bringen können. Entwickelt hat sich eine starke Feedback- und Lernkultur, die schnelle Iterationen ermöglicht. Diese Dynamik ist nicht für jeden etwas – und das ist okay! Für Menschen, die ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis haben, kann die Arbeit im Start-up zu unstetig sein, sie fühlen sich tendenziell eher in größeren Unternehmen wohler.

Wir glauben daran, dass Menschen nur ihr volles Potential ausschöpfen können, wenn sie in einer Umgebung arbeiten, die zu ihnen passt. Diesen Cultural Fit zu finden ist die große Herausforderung im Recruiting. Finde den Job den du liebst – dafür haben wir Jobmatch.me gegründet und diese Vision verfolgen auch wir bei Neueinstellungen.

Die Diversität unseres Teams ist für mich der Schlüssel für unseren Erfolg. Unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Professionen helfen uns, ein erfolgreiches Produkt zu entwickeln. Besondere Herausforderungen lösen wir gerne in crossfunktionalen Teams, wodurch sich spannende und teilweise auch unkonventionelle Lösungen ergeben. crossfunktionale Teams bieten einen deutlichen Mehrwert, sie bestehen aus Mitarbeiter:innen aus verschiedenen Bereichen, die gemeinsam an der Aufgabenstellung arbeiten: Marketing, Produktentwicklung, Programmierer, Grafik, Vertrieb finden gemeinsam eine Lösung.

Ich kann jeder Gründerin und jedem Gründer raten: Sucht euch nicht nur Menschen, die euch ähnlich sind – geht bewusst auf die Suche nach neuen Perspektiven!

2. Energie ins Team geben

Ich komme jeden Tag mit positiver Energie ins Büro (oder in den Videocall). Ich freue mich, mein Team zu sehen und an unserer Vision zu arbeiten. Diese führe ich mir selbst täglich vor Augen. “Finde den Job, den du liebst” – dafür stehe ich morgens auf. Diese Energie, die ich auch aus der Vision schöpfe, trage ich bewusst in mein Team. Als Mitgründerin gehe ich zuversichtlich voran, sehe keine Hindernisse, sondern Herausforderungen und keine Fehler, sondern Potentiale. Diese Energie überträgt sich in mein Team und bietet Orientierung in einem sehr schnelllebigen Start-up-Alltag. Manchmal heißt es nur: Dranbleiben. Jeden Tag lernen, sich neu orientieren und Dinge besser machen. Auch das kann man mit einem Lächeln tun.

Energie ins Team geben bedeutet für mich auch in Mitarbeiter*innen zu investieren. Wir unterstützen den Wunsch zu Weiterbildungen oder Trainings unserer Mitarbeiter*innen. Auch ist es wichtig, dem Team Zeit zum Lernen und für Vorbereitungen zu geben. Für mich persönlich ist es nicht schlimm, etwas nicht zu können – wir müssen nur bereit sein, Dinge ständig neu zu lernen und den Status Quo zu hinterfragen. Mit Mitarbeiter*innen, die den Wunsch und die intrinsische Motivation zur ständigen Weiterentwicklung haben, können wir alles erreichen!

3. “Treat them like adults” – Ben Horowitz

Ich hatte das Bedürfnis, Mitarbeiter*innen und mein Team zu schützen. Wie viele Start-ups haben wir in den ersten Monaten des Lockdowns herausfordernde Zeiten durchgemacht. Die gesamte Human Resources und Recruiting-Branche wurde hart getroffen, da viele Unternehmen nicht mehr auf der Suche nach Fachkräften waren. Wo vorher ein massiver Fachkräftemangel war, stand auf einmal ein Einstellungsstopp auf unbestimmte Zeit.

Was uns geholfen hat, diese Phase zu überwinden und sogar ein Umsatzwachstum zu erzielen, war die volle Transparenz im Team. Wir haben ein tägliches Meeting eingeführt, in dem wir tagesaktuell die Herausforderungen, Chancen und Umsätze beleuchtet haben. Alle Mitarbeiter*innen wurden und werden laufend und proaktiv über die aktuelle Lage informiert.

Mein Learning: Sicherheitsgefühl kommt durch Handlungsfähigkeit! Nur, wenn wir wissen, was zu tun ist und handlungsfähig sind, haben wir es selbst in der Hand. Dementsprechend fühlt sich das Team am sichersten, wenn es vollumfänglich über aktuelle Situationen und Entwicklungen informiert ist und an Handlungsfähigkeit gewinnt.

Durch die vollumfängliche Transparenz haben Mitarbeiter*innen die richtige Entscheidungsgrundlage und können priorisieren. Das ermöglichte es uns als Gründer, mehr Verantwortung in die Teams zu geben und Dinge zu delegieren. Vor allem in dieser Wachstumsphase unter Pandemie-Bedingungen war dies ein wichtiger Schritt, da das Gründer-Team weniger Zeit für das operative Geschäft hatte.

Zudem kann das Team auch nur mit diesem Wissen den Status Quo challengen, neue Ideen einbringen und die vielen Talente gewinnbringend einsetzen. Wie Ben Horowitz sagt: Wenn du mit Erwachsenen arbeiten möchtest, dann behandle Mitarbeiter*innen auch wie Erwachsene und vertraue auf ihr Können!

4. Aus Fehlern lernen

Ich habe keine Angst vor Fehlern. Im Gegenteil! Sie zeigen uns sehr wichtige Potentiale auf. Keine Fehler zu machen, bedeutet für mich, nicht voran zu kommen. Mir ist es sehr wichtig, dass wir mit Fehlern offen umgehen. Nur eine Sache ist mir noch wichtiger: Das wir aus ihnen lernen und die Learnings weitergeben.

Ein offener Umgang mit Dingen, die nicht gut gelaufen sind, ist manchmal nicht ganz einfach, auch das müssen wir lernen. Hilfreich dafür ist die schon beschriebene offene und respektvolle Kultur, die in den Teams gelebt wird. Hier werden Fehler transparent gemacht und gemeinsam schauen wir, wo wir Potentiale entdecken und was wir verbessern.

Zu Beginn der Gründung hatten wir in unserem Büro eine “Wall of Shame”. Hier haben wir unsere “Fails” aufgeklebt. Ein Link in der Kampagne hat nicht funktioniert? Einen Schreibfehler im Newsletter? Den falschen Stift fürs Whiteboard benutzt? Alles kam an die Wall of Shame. Das Ziel war nicht etwa das Anprangern, sondern das gemeinsame Besprechen, Lernen und meist auch Lachen. Wir haben es geschafft, Fehler transparent zu zeigen, die Learnings zu teilen und uns gemeinsam zu entwickeln. Zu Beginn war die Wall of Shame eine tolle Möglichkeit, die offene Fehlerkultur zu verankern!

5. Erfolge feiern

Unsere große Wall of Fame zeigte uns hingegen alle Erfolge – ob klein oder groß. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, Erfolge zu feiern und zu würdigen. Damals, als wir 1.000 Abonnenten bei Facebook erreicht haben, haben wir die 1.000 als Luftballongirlande im Büro aufgehängt. Diese Tradition haben wir beibehalten und auch bei der 200.000 Registrierung eine Girlande aufgehängt und einander für die tolle Leistung gedankt. Dieses Mal jedoch virtuell.

Warum es wichtig ist, Erfolge zu feiern? Wir schöpfen als Team Energie, machen digitale Erfolge für alle sichtbar und freuen uns für einen Moment über das gelungene Teamwork. Außerdem ist es schön, sagen zu können: “Wisst ihr noch, als wir die 1.000 Abonnenten geknackt haben?”. In den letzten fünf Jahren als Mitgründerin und CMO von Jobmatch.me war mir keine Minute langweilig. Wir befinden uns im stetigen Wandel, kommen täglich aus unserer Komfortzone und sind wahnsinnig gewachsen: Damit meine ich nicht nur unsere KPI’s, sondern auch jeden und jede Einzelne ganz persönlich. Ich bin mir sicher, dass wir weiter lernen und neue Herausforderungen gemeinsam meistern werden!

 

Yesica Rios

Yesica Rios ist Co-Founderin und CMO von Jobmatch.me, einer Jobplattform, die mithilfe von Supervised Machine Learning und einem dreistufigen Jobmatching Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenbringt. Mit weitreichender Erfahrung in den Bereichen Finance, Marketing und Sales, u.a. bei der Volkswagen AG, verantwortet sie seit 2016 das strategische Marketing des Hamburger Unternehmens. Yesica war zuletzt für das Controlling verschiedener internationaler Projekte bei Volkswagen International verantwortlich und hat aus dem Wunsch heraus die Bedürfnisse von Fachkräften und Unternehmen in Einklang zu bringen und durch transparentes Matching die Wertschätzung für Non-akademische Berufe zu erhöhen, zusammen mit ihrem Ehemann und jetzigem CEO Daniel Stancke 2016 Jobmatch.me gegründet.