Rente im Wandel
4,7 statt 4,4 %: Neue Prognose zur Rentenerhöhung 2027
Bis zu 4,7 Prozent mehr Rente pro Monat: Das Leibniz-Institut IWH rechnet für den 1. Juli 2027 mit einem stärkeren Rentenplus als die Deutsche Rentenversicherung, die weiter bei 4,4 Prozent bleibt. Was das konkret für Renten zwischen 500 und 3.000 Euro bedeutet, zeigt die folgende Tabelle und warum das Plus zugleich der letzte kräftige Sprung auf absehbare Zeit sein könnte.
Warum die Prognosen jetzt nach oben rutschen
Die 4,7 Prozent stammen aus einer aktuellen IWH-Berechnung vom 26. September. Grund ist die kräftige Lohnentwicklung 2026: Die Nominallöhne im zweiten Quartal lagen laut Statistischem Bundesamt 4,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Weil sich Rentenanpassungen nach den Löhnen des Vorjahres richten, schlägt das direkt auf 2027 durch. Auch die Deka-Bank hält „die diskutierte Größenordnung von über vier Prozent“ für realistisch, wie Chefvolkswirt Ulrich Kater mitteilte.
Wäre es 4,7 Prozent, wäre das im Westen die stärkste Rentenerhöhung seit 2022 – damals stiegen die Altersbezüge dort um 5,35 Prozent.
Die Zahl steht auf dem Papier, nicht im Gesetz
Beschlossen ist keine der Prognosen. Die Anpassung folgt der Lohnentwicklung des Vorjahres und wird erst im Frühjahr 2027 per Rechtsverordnung festgelegt, die der Bundesrat bestätigen muss. Zum 1. Juli 2026 fiel die Erhöhung mit 4,24 Prozent aus, der Rentenwert stieg dabei von 40,79 auf 42,52 Euro.
Was 4,4 oder 4,7 Prozent im Monat bedeuten
Die Prognose bezieht sich auf die Bruttorente.
| Bisherige Bruttorente | Plus 4,4 % (DRV) | Neue Bruttorente (4,4 %) | Plus 4,7 % (IWH) | Neue Bruttorente (4,7 %) |
| 500 Euro | 22 Euro | 522 Euro | 23,50 Euro | 523,50 Euro |
| 1.000 Euro | 44 Euro | 1.044 Euro | 47 Euro | 1.047 Euro |
| 1.500 Euro | 66 Euro | 1.566 Euro | 70,50 Euro | 1,570,50 Euro |
| 2.000 Euro | 88 Euro | 2.088 Euro | 94 Euro | 2.094 Euro |
| 2.500 Euro | 110 Euro | 2.610 Euro | 117,50 Euro | 2.617,50 Euro |
| 3.000 Euro | 132 Euro | 3.132 Euro | 141 Euro | 3.141 Euro |
Was davon ankommt, entscheiden Kranken- und Pflegeversicherung und eine mögliche Steuerpflicht. Der Rentenwert läge bei 4,4 Prozent bei rund 44,39 Euro, bei 4,7 Prozent bei rund 44,52 Euro. Für die Standardrente nach 45 Jahren mit Durchschnittsverdienst ergäbe das rechnerisch rund 1.998 Euro (bei 4,4 %) bis 2.003 Euro (bei 4,7 %) brutto, gegenüber 1.913 Euro heute.

Ab 2028 halbiert sich das Tempo
Für die Folgejahre fällt die Schätzung nüchterner aus: 2,3 Prozent für 2028, 2,8 Prozent für 2029, 2,9 Prozent für 2030. Gleichzeitig soll der Beitragssatz steigen, von 18,6 Prozent 2027 auf 19,9 Prozent 2028 und 20,0 Prozent in den beiden Folgejahren.
Für die rund 21,5 Millionen Menschen mit gesetzlicher Rente heißt das: mehr Geld im Sommer 2027, danach kleinere Schritte. Für Beschäftigte heißt es: höhere Abzüge.
Über die Regeln dahinter wird gerade verhandelt
Der Koalitionsausschuss hat am 2. Juli 2026 beschlossen, die 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission vollständig umzusetzen. Das Gesetzgebungsverfahren soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Die Anpassung 2027 berührt das nicht: Die Haltelinie von 48 Prozent beim Rentenniveau ist bis 2031 fixiert, der Nachhaltigkeitsfaktor käme erst danach zurück. Das kräftige Plus 2027 ist deshalb kein Signal der Stärke, sondern die Nachwirkung guter Lohnjahre. Was ab 2028 folgt, entscheidet sich in diesem Herbst.