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Überstunden-Reform

Merz-Überstunden: Wer am meisten schuftet, profitiert am wenigsten

Veröffentlicht:  30. Juni 2026, 16:32
2 min
Erschöpfte Pflegekraft in blauer Arbeitskleidung sitzt mit Mundschutz auf einer Krankenhaustreppe.

Die Merz-Regierung wirbt mit dem geplanten Arbeitsmarktstärkungsgesetz damit, dass sich Mehrarbeit in Deutschland stärker auszahlt: Überstundenzuschläge sollen steuerfrei werden. Eine Nachrechnung mit kununu-Gehaltsdaten zeigt aber, dass meist nur ein niedriger zweistelliger Eurobetrag pro Jahr ankommt und ausgerechnet die Berufe mit den meisten Überstunden gehen fast leer aus, während Gutverdiener am stärksten profitieren.

So funktioniert die geplante Regel

Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) leistete jede:r Beschäftigte 2024 im Schnitt 28,2 Überstunden – pro Jahr, über die Hälfte unbezahlt. Wie viel davon netto ankommt, begrenzen vier Punkte:

  • Nur der Zuschlag ist steuerfrei, nicht die Überstundenvergütung selbst.
  • Der Zuschlag ist auf 25 Prozent des Grundlohns gedeckelt.
  • Begünstigt sind nur Stunden über Vollzeit (34 bzw. 40 Stunden pro Woche).
  • Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge sind ohnehin schon steuerfrei – hier entsteht kein neuer Vorteil.
Frau mit Baby in der Küche, blickt nach unten und hält sich die Stirn.
Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit. Diese wären von der Steuerregelung ausgeschlossen. Bisher sind Merz‘ Pläne aber noch nicht verabschiedet.

Pflege: viel Mehrarbeit, kaum Entlastung

Eine Pflegekraft mit 44.900 Euro brutto im Jahr (rund 3.742 Euro im Monat) zeigt die Lücke am deutlichsten.

Pflege ist extrem überstundenlastig, doch ein großer Teil der Zuschläge entfällt auf Nacht-, Sonn- und Feiertagsdienste und die sind längst steuerfrei. Für die regulären Tagesüberstunden bleibt ein Netto-Plus von nur etwa 24 Euro im Jahr. Wer sie am dringendsten bräuchte, profitiert am wenigsten.

Wer profitiert, verdient ohnehin schon gut

Im Handwerk greift die Regel wie vorgesehen: Bei einem Elektroniker mit 41.600 Euro brutto fallen Überstunden werktags und tagsüber an – der Effekt bleibt mit rund 66 Euro pro Jahr trotzdem klein.

Eine Softwareentwicklerin mit 60.700 Euro brutto kommt dagegen auf etwa 102 Euro, mehr als die Pflegekraft bei gleicher Überstundenzahl. So profitiert am stärksten, wer ohnehin gut verdient.

Teilzeit bleibt komplett außen vor

Die Regel gilt nur für Überstunden auf Vollzeitverträgen. Teilzeitkräfte, 29 Prozent aller Erwerbstätigen, profitieren voraussichtlich nicht und damit überproportional Frauen, von denen 2024 fast jede zweite in Teilzeit arbeitete, gegenüber zwölf Prozent der Männer.

Ein rechtskräftiges Gesetz gibt es zudem bislang nicht. Klar ist, wohin die Reform zielt – nicht, ob mehr als ein Trinkgeld ankommt.