Von Sport bis Tourismus: Diese 5 Branchen zahlen jetzt deutlich mehr
Jobwechsel geplant oder Gehaltsverhandlung im Visier? Check die Branchen-Trends! Der aktuelle Gehaltscheck zeigt: Gehälter entwickeln sich unterschiedlich. Sport/Beauty überrascht mit fast 10% Plus, gefolgt vom öffentlichen Dienst und Vereinen, die im Kampf um Fachkräfte aufrüsten. Auch Tourismus und Bildung legen dank Fachkräftemangel zu.
Im Mittelfeld punkten Hotels, Forschung, Gesundheit, Energie und Versicherungen mit solidem Wachstum. Schlusslichter sind Auto, Recht und Finanzen – hier bremst Kostendruck bzw. Regulierung die Gehaltsentwicklung.
Fazit: Branche wählen will wohl überlegt sein! Starkes Gehaltswachstum bedeutet bessere Verhandlungschancen und Aufstiegsmöglichkeiten. Kenne die Trends und maximiere deinen Marktwert!
Du denkst über einen Jobwechsel nach, möchtest eine andere Branche kennenlernen oder planst eine Gehaltsverhandlung? Dann solltest du dich nicht nur fragen: Was kann mein aktueller Arbeitgeber zahlen? Sondern auch: Wie entwickelt sich mein Gehalt in der Zukunft? Und: In welchen Branchen ist die Gehaltsentwicklung am größten?
Denn: Gehälter können sich je nach Branche mit der Zeit sehr unterschiedlich entwickeln. Während einige Industrien spürbar zulegen und sich für Mitarbeitende spannende Perspektiven bieten, treten andere Sparten auf der Stelle.
Der aktuelle Gehaltscheck 2026 von kununu zeigt, dass sich die Durchschnittsgehälter einiger Branchen zwischen 2023 und 2025 profitabel entwickelt haben. Andere wiederum legen nur minimal zu. In unserem Artikel zeigen wir dir, in welchen Bereichen sich deine Arbeit aktuell besonders bezahlt macht und sich ein genauerer Blick lohnt.
Warum einige Branchen stark zulegen – und andere kaum wachsen
Gehaltssteigerungen entstehen nicht zufällig. Dabei können die Gründe sehr unterschiedlich sein. Einige Branchen professionalisieren sich stark, andere wachsen durch gesellschaftliche Trends, und manche erhöhen die Gehälter schlicht, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Top Branchen nach Gehaltsanstieg (2023–2025)
| Branchen | Durchschnittsgehalt 2025 | Durchschnittsgehalt 2023 | Anstieg |
|---|---|---|---|
| Sport/Beauty | 39.943 € | 36.433 € | 9,6% |
| Öffentliche Verwaltung | 52.360 € | 47.775 € | 9,6% |
| Vereine | 49.726 € | 45.805 € | 8,6% |
| Tourismus | 41.496 € | 38.452 € | 7,9% |
| Bildung | 47.213 € | 43.804 € | 7,8% |
| Hotels/Beherbergung | 38.793 € | 36.107 € | 7,4% |
| Forschung/Entwicklung | 57.261 € | 53.365 € | 7,3% |
| Gesundheit/Soziales/Pflege | 47.231 € | 44.140 € | 7,0% |
| Energie | 61.817 € | 57.862 € | 6,8% |
| Kunst/Kultur | 40.468 € | 37.942 € | 6,7% |
| Handwerk | 42.933 € | 40.295 € | 6,5% |
| Dienstleistung | 46.583 € | 43.812 € | 6,3% |
| Transport/Verkehr/Logistik | 45.955 € | 43.326 € | 6,1% |
| Nahrungsmittel/Landwirtschaft | 46.046 € | 43.510 € | 5,8% |
| Bau/Architektur | 50.738 € | 47.997 € | 5,7% |
Gehaltsentwicklung 2025 – das waren die Spitzenreiter
Die Top 5 unseres Rankings spiegeln gesellschaftliche Trends, politischen Druck und wirtschaftliche Verschiebungen ziemlich gut wider. Wir erklären dir, warum gerade diese fünf Branchen so stark zulegen.
Sport/Beauty: Die große Überraschung an der Spitze
Mit einem Anstieg von fast zehn Prozent führt diese Branche das Ranking deutlich an. Dabei zählt sie nach wie vor zu den Branchen mit dem niedrigsten Gehaltsniveau – genau deshalb ist der Anstieg bemerkenswert. Ein Grund für den Anstieg ist der kontinuierliche Boom von Fitness- und Wellnessangeboten. Fitnessstudios, Spa- und Wellness-Betriebe und Dienstleister in diesem Sektor suchen zunehmend qualifizierte Mitarbeitende, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Ansprüche der Kunden entwickeln sich weiter – die Nachfrage nach Gesundheits- und Wohlfühlangeboten ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Personal Training, medizinisch gestützte Kosmetik und spezialisierte Treatments gewinnen an Bedeutung – Tätigkeiten, für die Fachwissen nötig ist. Dieses Know-how wird zunehmend besser vergütet als früher. Höhere Preise, professionalisierte Konzepte und ein wachsender Markt sorgen ebenfalls dafür, dass die Branche in unserem Ranking ganz oben steht.
Öffentlicher Dienst: Der Staat als attraktiver Arbeitgeber?
Der öffentliche Dienst landet auf Platz zwei der Branchen mit der stärksten Gehaltsentwicklung. Dahinter stecken ein klarer Trend und ein eindeutiges Signal: Verwaltungen, Behörden und staatliche Einrichtungen kämpfen seit Jahren mit einem massiven Fachkräftemangel, sei es in der IT, in der Planung, im Bauwesen oder in der klassischen Verwaltung und stehen unter Druck, attraktiver für Mitarbeitende zu werden.
Tarifabschlüsse, Nachzahlungen und gezielte Anpassungen an die Inflation haben die Gehälter spürbar nach oben gezogen. Gleichzeitig wächst der Druck, mit der Privatwirtschaft konkurrieren zu können. Viele Menschen suchen heute nach Stabilität, planbaren Arbeitszeiten und Sicherheit – all das kann der öffentliche Dienst bieten. Umso konsequenter ist es, dass die Gehälter angezogen wurden.
Vereine: Professionalität und mehr Gehalt statt Ehrenamt
Vereine landen mit einem kräftigen Plus auf Rang drei. Hier geht es längst nicht mehr nur um ehrenamtliche Strukturen. Viele Vereine agieren heute hochprofessionell – im Sport, in der Kultur, für die Natur, in der sozialen Arbeit oder im Bildungsbereich. Große Namen sind hier beispielsweise Diakonie München und Oberbayern, Kindernothilfe e.V. oder NABU e.V. Bundesverband.
Dazu kommt: Öffentliche Fördermittel, Projektgelder und neue Programme machen es möglich, mehr hauptamtliche Stellen zu schaffen und diese konkurrenzfähig zu vergüten. Wer in der Vereinswelt arbeitet, trägt häufig viel Verantwortung bei begrenzten Ressourcen. Das scheint sich zunehmend auch in der Bezahlung niederzuschlagen.
Tourismus: Gehaltsaufschwung nach der Krise
Kaum eine Branche wurde von der Corona-Pandemie so hart getroffen wie der Tourismus. Danach musste sich der Sektor völlig neu aufstellen. Unter anderem, da zahlreiche Beschäftigte während der Krise in andere Branchen abgewandert und nicht zurückgekehrt sind.
Um Menschen wieder für Jobs im Tourismus zu gewinnen, reicht das romantische Bild „Arbeiten wo andere Urlaub machen“ nicht mehr. Wichtiger sind höhere Löhne, attraktivere Arbeitsbedingungen und klarere Strukturen. Der deutliche Gehaltsanstieg zeigt: Die Branche versucht, zu alter Stärke zurückzukehren – und Fachkräfte langfristig zu binden.
Bildung: Fachkräftemangel bringt die Branche in Bewegung
Die Bildungsbranche landet ebenfalls in den Top 5. Hier schlägt sich nieder, was politisch und gesellschaftlich seit Jahren diskutiert wird: Bildung ist systemrelevant – von der frühkindlichen Betreuung bis zur Hochschullehre.
Die Gehaltssteigerungen in der Bildungsbranche sind vor allem eine Reaktion auf den zunehmenden Fachkräftemangel. Schulen, Bildungseinrichtungen und Träger stehen unter Druck, qualifiziertes Personal zu halten und neue Fachkräfte zu gewinnen – insbesondere, weil die Arbeitsbelastung für bestehende Teams steigt. Gleichzeitig zahlen sich höhere Qualifikationen und Spezialisierungen zunehmend aus: Wenn du zusätzliche Verantwortung übernimmst, etwa in leitenden Funktionen, steigert das deine Chancen auf höhere Gehälter. Auch durch Tarifverhandlungen der Gewerkschaften führen zu spürbaren Lohnanpassungen, um Bildungsberufe attraktiver zu machen und Abwanderung in andere Branchen zu verhindern.
Stabile Gehaltsentwicklungen: Diese Branchen liegen im Mittelfeld
Hinter den Top-5 folgt ein breites Mittelfeld. Auch wenn es nicht für Spitzenplatzierungen gereicht hat, wachsen diese Branchen trotzdem solide – und das über Jahre hinweg. Interessant ist, aus welchen unterschiedlichen Branchen sich das Mittelfeld zusammensetzt:
- Auch der Hotel- und Beherbergungssektor erholt sich ähnliche wie der Tourismus nach der Krise – auch hier ist das Ziel, Fachkräfte anzuziehen und langfristig zu binden.
- Forschung und Entwicklung profitieren vom nationalen wie internationalen Innovationsdruck und staatlichen wie privaten Investitionen.
- Gesundheit, Soziales und Pflege wachsen weiter – auch hier hat die Corona-Pandemie ihre Spuren hinterlassen. Der Fachkräftemangel lässt wenig Spielraum nach unten.
- Die Energiebranche steht im Zentrum der Transformation zur Klimaneutralität – mit dem dazugehörigen politischen Druck. Die dafür benötigten Spezialist:innen bringen ein entsprechendes Gehaltsniveau mit sich.
- Versicherungen profitieren davon, dass sie – trotz Krisen – sehr stabil sind. Digitalisierung und neue Risiken (z. B. Cybersecurity) schaffen Wachstum und Bedarf an qualifizierten Mitarbeitenden. Höhere Gehälter sind ein Mittel, um Talente zu binden und konkurrenzfähig zu bleiben.
Diese Branchen unterscheiden sich zwar stark, haben aber eines gemeinsam: Sie sind langfristig relevant und stehen unter hohem Veränderungsdruck, was sich zunehmend im Gehalt bemerkbar macht.
Schlusslichter: Diese 3 Branchen wachsen am schwächsten
Im kununu-Datensatz landen am unteren Ende der Gehaltsentwicklung drei Branchenschwergewichte: Automobil, Recht und Finanz. Obwohl Mitarbeitende hier teils sehr gut verdienen – mit Durchschnittsgehältern oft deutlich über dem Gesamtschnitt – ist die Dynamik vergleichsweise gering.
Autoindustrie: Warum beim Gehalt aktuell wenig Bewegung drin ist
Die Gehaltsentwicklung in der Autoindustrie bleibt mit nur 0,1 Prozent sehr verhalten, weil die Branche unter massivem Kostendruck steht. Der teure Wandel zur Elektromobilität, eine schwächelnde Nachfrage in vielen Märkten und starke Konkurrenz – insbesondere aus China – schmälern die finanziellen Spielräume. Gleichzeitig zählen deutsche Autobauer zu den Arbeitgebern mit den höchsten Arbeitskosten weltweit, was zusätzliche Lohnsteigerungen erschwert. Stattdessen setzen viele Unternehmen verstärkt auf alternative Anreize wie E-Dienstwagen oder Zusatzleistungen, um attraktiv zu bleiben, ohne die Fixkosten weiter zu erhöhen.
Recht: Gehälter am Limit?
Nur wenig stärker (1,3 Prozent) wachsen die Gehälter im juristischen Sektor, sind jedoch auch bereits oft auf sehr hohem Niveau. Kanzleien und Rechtsabteilungen stehen unter Effizienzdruck, während gleichzeitig Mandatsvolumen und Komplexität zunehmen. Statt breitflächiger Gehaltssteigerungen setzen viele eher auf Boni, Karrierepfade oder variable Vergütungen – die sich in Durchschnittswerten nicht immer deutlich abbilden.
Finanzen: Von Regulierungen ausgebremst?
Die Finanzbranche hat seit der Finanzkrise zahlreiche Regulierungswellen hinter sich. Digitalisierung, Kostendruck und Filialabbau haben dazu geführt, dass Personalstrukturen verschlankt wurden. Top-Positionen verdienen sehr gut, aber die breite Masse erlebt eher moderate Steigerungen. Das erklärt, warum die Dynamik im Vergleich zu anderen Branchen gering bleibt. Trotz allgemein hoher Gehälter wächst das Niveau nur um 2,4 Prozent.
Fazit: Beachte das für deine Karriereplanung
Es lohnt sich, bei der Karriereplanung nicht nur auf Jobtitel und Unternehmensnamen zu schauen, sondern bewusst auf die Branche. Denn dort entscheidet sich, wie stark dein Gehalt in den nächsten Jahren wirklich wachsen kann.
Eine Branche mit hohem Einstiegsgehalt, aber wenig Wachstum kann langfristig weniger attraktiv sein als eine, die von unten stabil nachzieht. In Branchen mit starker Gehaltsentwicklung sind Arbeitgeber eher daran gewöhnt, Gehälter aktiv anzupassen. Das kann deine Position in Gesprächen stärken – ob beim Wechsel oder im aktuellen Job.
Wenn du deinen Marktwert einschätzen möchtest oder über einen Branchenwechsel nachdenkst, lohnt sich der Blick auf die Gehaltsentwicklung. Branchen mit starkem Wachstum bieten oft:
- bessere Verhandlungschancen
- mehr Aufstiegsmöglichkeiten
Andere Branchen punkten vielleicht mit Sicherheit oder Arbeitsbedingungen – aber weniger mit Gehaltsdynamik.
Die Gehaltslandschaft ändert sich schneller, als viele denken. Branchen wie Sport/Beauty und der öffentliche Dienst legen kräftig zu, während traditionelle Industrien moderater wachsen. Wenn du dich beruflich orientieren oder strategisch verhandeln möchtest, profitierst du davon, diese Entwicklungen zu kennen.