Einkommensteuerreform 2027
Steuerreform 2027: Das ändert sich bei Ihrem Netto
Zehn Milliarden Euro Entlastung im Jahr: Das Kabinett hat den Entwurf für die Einkommensteuerreform beschlossen, in Deutschland soll sie 2027 greifen. Familien mit zwei Kindern und mittlerem Einkommen sollen 2028 über 600 Euro mehr haben. Wie viel ankommt, hängt am Beruf – und an einer Schwelle, die kaum jemand erreicht.
Fünf Stellschrauben entscheiden über das Netto
Der Entwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil setzt an mehreren Posten an. Maßstab ist nicht das Brutto, sondern das zu versteuernde Einkommen.
- Grundfreibetrag: von 12.348 auf 12.564 Euro (2027) und 12.900 Euro (2028)
- Steuertarif: Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift erst ab 70.600 statt 69.879 Euro
- Kinder: Kindergeld bis 2028 von 259 auf 272 Euro je Kind, Kinderfreibeträge von 9.756 auf 10.236 Euro
- Pauschbetrag: Werbungskostenpauschale von 1.230 auf 1.430 Euro
- Zuschläge: Sonn- und Feiertagsarbeit bleibt bis 75 statt 50 Euro Stundenlohn steuerfrei
Ein Paar mit zwei Kindern gewinnt 632 Euro
Ein Beispiel: Ein Ehepaar, er ist KFZ-Mechatroniker:innen (35.800 Euro) sie Empfangsmitarbeiter:innen (31.900 Euro), hat zwei Kinder. Dann können sie mit 632 Euro Entlastung ab 2028 rechnen.
Alleinstehende gewinnen weniger: Bei 60.000 Euro im Jahr – 5.000 Euro brutto im Monat wie typischerweise Psychotherapeut:innen – nennt das Ministerium 192 Euro.
Die Superreichensteuer beginnt weit oben
Gegenfinanziert wird oben: 45 Prozent gelten künftig ab 250.000 statt 277.826 Euro zu versteuerndem Einkommen; ab 280.000 Euro folgen 47 Prozent. Selbst Chefärzt:innen bleiben im Schnitt darunter – laut kununu 179.300 Euro brutto, rund 70.000 Euro unter der Marke und das vor Abzug aller Freibeträge. Erst Spitzengehälter bis 340.400 Euro reichen hinein.
Der Streit läuft quer durch die Koalition
Rückendeckung fehlt Klingbeil selbst im Kabinett: Das Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche hält die Pläne für unzureichend, trägt sie aber mit. Einen Ausgleich für die kalte Progression enthält der Entwurf nicht. Beschlossen ist zudem erst der Regierungsentwurf, Bundestag und Bundesrat beraten noch.
Wer wissen will, was beim eigenen Netto ankommt, schaut deshalb weniger auf die zehn Milliarden als auf zwei Zeilen der Abrechnung: Kinderzahl und zu versteuerndes Einkommen.