Bildung steht jedem zu: Was du als Arbeitnehmer über Weiterbildung wissen solltest

Möchtest du deine berufliche Vorbildung vertiefen, neue Fähigkeiten erwerben oder dir neues Wissen aneignen? Nichts wie hin zur nächsten Weiterbildung! Bevor du dich als Arbeitnehmer aber dazu entscheidest, solltest du dir sowohl über deine Rechte als Arbeitnehmer im Klaren sein als auch Gedanken über die Finanzierung machen. Was du dabei beachten musst, erklärt dir Katharina Kästel von unserem Kooperationspartner anwalt.de.

Weiterbildung ist nicht gleich Fortbildung

Zunächst ist zwischen einer Weiterbildung und einer Fortbildung zu unterscheiden. Eine Weiterbildung ist im Grunde genommen eine Erweiterung deiner Qualifikationen. Diese müssen aber nicht zwangsläufig mit deiner Arbeitsstelle im Zusammenhang stehen. Die Weiterbildung kann zum Beispiel ein Fernstudium oder eine zusätzliche Ausbildung sein. Sie erfolgt auf deine Eigeninitiative hin. Das heißt, die Kosten hierfür können, müssen aber nicht von deinem Chef getragen werden.

Die Fortbildung hingegen stellt eine konkrete Weiterqualifizierung dar, die sich auf deinen derzeit ausgeübten Job bezieht. Das bedeutet, du kannst im Rahmen dessen zusätzliche Fähigkeiten explizit für deinen Beruf erwerben. In der Regel trägt dein Arbeitgeber die dafür entstehenden Kosten.

„Ausprobieren – erfahren – lernen“ ist das Motto bei Raphael Handen 

Gesetzlicher Anspruch auf Weiterbildung existiert nicht

Als Arbeitnehmer hast du grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Weiterbildung. Dagegen hast du die Möglichkeit, im Rahmen des sogenannten Bildungsurlaubs eine Weiterbildung zu machen.

Der Bildungsurlaub ist nicht gleichzusetzen mit dem Erholungsurlaub. Ersterer dient einzig zu Bildungszwecken, Letzter zur Erholung vom stressigen Arbeitsalltag. Somit kannst du dich als Arbeitnehmer im Rahmen des sogenannten Bildungsurlaubs für eine gewisse Zeit von deiner Berufstätigkeit freistellen zu lassen, damit du Gelegenheit zu einer Weiterbildung hast.

Es gibt es in fast allen Bundesländern Bildungsurlaubsgesetze – außer in Sachsen und Bayern. Unterschiede in den Ländern existieren zum Beispiel beim zeitlichen Umfang oder auch bei den Voraussetzungen für die Anerkennung von Seminaren.

„Auf Wünsche wegen Weiterbildungen sowie die Möglichkeit für Bildungsteilzeit, Matura usw. wird Rücksicht genommen.“ – anonyme Arbeitgeberbewertung bei Hairdreams Haarhandels GmbH

Weiterbildung muss vertraglich geregelt sein

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass dein Chef der Weiterbildung grundsätzlich zustimmen muss. Um herauszufinden, ob du einen Anspruch auf eine Weiterbildung hast, solltest du einen Blick in deinem Arbeitsvertrag oder in den Tarifvertrag bzw. in eine Betriebsvereinbarung werfen. Darin ist der mögliche Anspruch individuell geregelt.

Außerdem werden in diesem Vertragsdokument beispielsweise die Dauer der Weiterbildung und eine mögliche Kostenübernahme durch den Arbeitgeber festgelegt.

„Weiterbildung wird nicht nur gefördert, sondern wir sind alle vertraglich angehalten uns regelmäßig um unsere Weiterbildung zu kümmern, um am Markt interessant zu bleiben.“ – anonyme Arbeitgeberbewertung bei seneos

Weiterbildung auf eigene Kosten ist erlaubt

Strebst du eine berufliche Weiterbildung an und möchtest selbst hierfür die Kosten tragen, darf dir dein Arbeitgeber dies nicht verweigern – außer es liegen betriebliche Gründe, wie Umstrukturierungen oder Einsparungen, vor.

Dein Chef kann aber auch die Kosten für deine Weiterbildung übernehmen. Das heißt, er kann sich freiwillig im Arbeits- oder im Tarifvertrag bzw. in einer Betriebsvereinbarung zur Zahlung verpflichten – ein Muss ist es jedoch nicht.

„Weiterbildungen sind gerne gesehen und sogar erwünscht. Die Kosten dafür übernehmen Die Medialen. Themen sind frei wählbar, sollten aber natürlich zum Arbeitsalltag passen.“ – anonyme Arbeitgeberbewertung bei Die Medialen 

Was passiert, wenn du deine Weiterbildung abbrichst?

Brichst du deine Weiterbildung ab oder kündigst du vorher dein Arbeitsverhältnis, solltest du einiges beachten. Dein Arbeitgeber hat in solchen Fällen mehrere Möglichkeiten, dich an das Unternehmen zu binden. Er kann dir beispielsweise das Recht auf eine ordentliche Kündigung verwehren oder dich im Rahmen einer sogenannten Rückzahlungsklausel zur Rückzahlung der entstandenen Kosten verpflichten.

Bei der Rückzahlungsklausel musst du auf einiges achten. Sie wird grundsätzlich vor dem Beginn deiner Weiterbildung zwischen dir und deinem Arbeitgeber vereinbart. Der Zweck dieser Klausel ist, dass du nicht zu lange an das Unternehmen, in dem du arbeitest, gebunden bist. Beachte allerdings: Die Bindungsdauer kann sich erhöhen, wenn dein Chef hohe finanzielle Mittel aufwendet, um deine Weiterbildung zu finanzieren.

Dein Arbeitgeber darf jedoch nur die tatsächlich aufgewendeten Kosten von dir zurückverlangen. Beachte ebenso, dass du nicht zur Rückzahlung verpflichtet bist, wenn dein Arbeitsvertrag aus betrieblichen Gründen gekündigt wurde und du somit deine Weiterbildung nicht beenden konntest.

Du bist betroffen? Prüfe hier deinen Anspruch im Arbeitsrecht!

 

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