Arbeitskleidung

Arbeitskleidung: Sind Blaumann und Anzug steuerlich absetzbar?

In deinem Geldbeutel herrscht gähnende Leere und jetzt sollst du dir auch noch neue Arbeitskleidung kaufen? Kein Grund zur Panik! Wir klären für dich, welche Arbeitskleidung es überhaupt gibt und ob den Blaumann oder den schicken Office-Style eigentlich dein Arbeitgeber bezahlen muss.

Welche Arbeitskleidung gibt es überhaupt?

Beim Thema Arbeitskleidung unterscheiden wir zwischen drei Möglichkeiten: Wird dir zum Schutz deines Körpers eine bestimmte Kleidung von deinem Arbeitgeber vorgeschrieben? Ist in deinem Unternehmen eine Corporate-Fashion-Strategie vorgesehen? Oder will dein Chef seinen Kunden einfach mit einheitlichen Anzügen und Kostümen zeigen, was für einen tollen Teamzusammenhalt ihr habt?

Unternehmen wie Bayer, BMW oder Continental schreiben für bestimmte Positionen Schutzkleidung vor. Sie dient dem Schutz deines Körpers und kann dich in gefährlichen Situationen vor Verletzungen bewahren. Diese Art von Arbeitskleidung ist im Arbeitsschutzgesetz verankert. Darauf kannst du dich übrigens berufen, wenn dir dein Chef in relevanten Situationen keine Schutzkleidung genehmigen möchte. Deinem Arbeitgeber droht bei Nicht-Einhalten der gesetzlichen Bestimmungen nämlich ein sattes Bußgeld. Nicht überall ist das Tragen von Schutzkleidung aber auch wirklich konkret laut Gesetz vorgeschrieben. Manchmal spricht der Arbeitgeber nur eine Empfehlung aus, die du aber nach eigenem Ermessen befolgen oder eben nicht befolgen kannst. Das wirkt sich auf die Finanzierung der Arbeitskleidung aus – aber dazu gleich mehr.

Corporate Fashion ist dagegen eigentlich immer verpflichtend – zumindest bei Stellen mit Kundenkontakt. Du musst zugeben: In Firmen wie Rewe, Aldi Süd oder Ikea wärst du doch ziemlich verwirrt, wenn nicht irgendwo ein Mitarbeiter mit einem Shirt in den Unternehmensfarben durch den Verkaufsbereich laufen würde. Oder denke an die Boten von DHL, Hermes oder DPD – würdest du ihnen die Türe öffnen, wenn sie keine Arbeitskleidung tragen würden? Vermutlich nicht, weil du sie nicht als Mitarbeiter der Lieferunternehmen identifizieren würdest. Deshalb wird das Tragen von Corporate Fashion meistens im Arbeitsvertrag verankert.

Zu guter Letzt und vor allem für unsere Bürokollegen wichtig: Dein Chef hat den Casual Style komplett aus dem Unternehmen verbannt? Das könnte daran liegen, dass er intern und extern ein einheitliches Bild von eurer Firma vermitteln will. Einerseits sollen vielleicht eure Kunden an eurem gepflegten und geschlossenen Erscheinungsbild merken, dass ihr als tolles und starkes Team auftretet. Andererseits kann dieser Effekt auch intern wirken und euch beispielsweise dort Einheit vermitteln, wo der Kollegenzusammenhalt vielleicht gar nicht so ausgeprägt ist.

Wann muss dein Unternehmen deine Arbeitskleidung bezahlen?

Sofern in deinem Arbeitsvertrag das Tragen von Schutzkleidung vorgeschrieben ist, muss dir dein Unternehmen diese gratis zur Verfügung stellen. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn du in deiner täglichen Arbeit mit hochgiftigen Stoffen hantierst oder eine erhöhte Gefahr besteht, dass schwere Teile auf deine Füße fallen. Handschuhe, eine Spezialbrille oder Sicherheitsschuhe müsste dein Arbeitgeber dir also ab deinem ersten Tag im Unternehmen geben – oder zumindest vorübergehend leihen. By the way: Auch der angesprochene Blaumann fällt unter die unerlässliche Berufskleidung. Deine Tätigkeit ist vom Arbeitsschutzgesetz nicht gedeckt? Frag bei deinem Chef nach, ob er dich beim Kauf von Schutzkleidung zumindest finanziell unterstützen würde. Schließlich geht es um deine persönliche Sicherheit. Übrigens: Du sorgst dafür, dass deine Bekleidung intakt ist. Sollte das nicht mehr der Fall sein, musst du das umgehend an deinen Vorgesetzten melden. Dieser muss so schnell wie möglich für Ersatz sorgen.

Bei Corporate Fashion ist die Frage nach der Finanzierung schnell geklärt: Du bekommst sie unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Logisch, dir persönlich ist es ja nicht unbedingt wichtig, ob du mit einem riesigen Firmenlogo auf der Brust arbeitest oder eben nicht. Was passiert, wenn du beispielsweise die ganze Kaffeekanne über deine Hose leerst oder während der Arbeitszeit blöd fällst und das T-Shirt zerreißt, ist dagegen eine andere Frage. Wir hoffen natürlich, dass du nicht in solche Situationen kommst. Aber wenn doch: In deinem Arbeitsvertrag sollte aufgeführt sein, was beim Verlust der Arbeitskleidung geschieht und wer für Ersatz sorgen muss. Dir hat dein Dress einfach nicht gefallen und du hast es mutwillig zerstört? Dann ist dein Arbeitgeber zumindest finanziell fein heraus und du musst den Ersatz unabhängig von einer bestimmten Klausel selbst bezahlen.

Tut uns leid, liebe Bürohengste! Für deinen neuen Anzug oder dein Kostüm muss dein Chef seinen Geldbeutel nicht öffnen. Warum eigentlich? Im Steuerrecht fällt der Office Style leider nicht unter Berufskleidung – im Gegensatz zu den oben erwähnten Möglichkeiten. Du könntest nur dann die Kohle für die neuen Klamotten einstecken, wenn du beweisen kannst, dass du diese ausschließlich im Job trägst. Du bist selbstständig? Dann kannst du deinen speziellen Kleidungsstil gegebenenfalls als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

 

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