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Reichtum in Deutschland

Reich werden durch Arbeit? Der Reichtumsforscher spricht Klartext

Veröffentlicht:  27. Juli 2026, 08:48
3 min
Frau sitzt erschöpft am Schreibtisch und reibt sich die Augen vor dem Computer

Arbeiten, Karriere machen und trotzdem nie reich werden? Genau das glauben mittlerweile 82 Prozent der Beschäftigten in Deutschland. Das zeigt der aktuelle kununu Happiness Index, für den das Meinungsforschungsinstitut forsa mehr als 3.200 Arbeitnehmer:innen befragt hat. In einem Interview mit der ZEIT bestätigte der Reichtumsforscher Thomas Druyen diese Annahme mit überraschender Deutlichkeit: „Damit haben sie auch völlig recht.“ Doch warum haben so viele Menschen das Gefühl, dass sich Leistung allein nicht mehr auszahlt?

Arbeit allein reicht für viele nicht mehr aus

Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage zeichnen ein klares Bild: Nur etwa jede:r Zehnte glaubt noch daran, mit einem normalen Angestelltenjob finanziell reich werden zu können. Besonders ältere Beschäftigte blicken skeptisch auf ihre Zukunft. Viele haben erlebt, dass Lohnerhöhungen von steigenden Mieten, Energiepreisen und Lebenshaltungskosten schnell wieder aufgezehrt werden. Für viele fühlt sich finanzieller Aufstieg deshalb wie ein Ziel an, das trotz harter Arbeit immer weiter in die Ferne rückt.

Was ist Reichtum überhaupt?

Reichtum bedeutet per Definition nach finanzieller Unabhängigkeit, Sicherheit und Freiheit, Entscheidungen nicht vom Kontostand abhängig machen zu müssen. Doch Reichtum ist immer auch eine Frage der Perspektive.

Menschen in Deutschland gelten laut aktueller Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) als einkommensreich, wenn sie über 250 Prozent des mittleren Nettoeinkommens verfügen. Konkret bedeutet das: Ein Single gilt ab einem Nettoeinkommen von 5.780 Euro pro Monat als einkommensreich.

Der Anteil ist kleiner, als viele denken: Nur rund 4 Prozent der Menschen in Deutschland gehören zu dieser Gruppe. In Umfragen schätzt die Bevölkerung den Anteil hingegen auf rund 25 Prozent.

Der Reichtumsforscher erklärt, warum dieses Gefühl berechtigt ist

Für Thomas Druyen, der seit Jahrzehnten Vermögen und Superreiche erforscht, ist diese Einschätzung nachvollziehbar. Er unterscheidet klar zwischen Wohlstand und Reichtum: Ein guter Job könne durchaus zu einem finanziell sorgenfreien Leben führen. Wirklich große Vermögen entstünden heute jedoch meist nicht durch ein klassisches Angestelltenverhältnis, sondern durch Unternehmensgründungen, außergewöhnliche Geschäftsideen oder bereits vorhandenes Vermögen. Wer als Angestellte:r gut verdient, spart und investiert, könne Wohlstand aufbauen – zum Multimillionär werde man auf diesem Weg aber in der Regel nicht.

Mehrere Personen sitzen gemeinsam an einem Esstisch in einem hellen Wohnraum mit Brot, Schalen und Getränken.
Familiengründung, Eigenheim und Altersvorsorge: Das erstreben viele Menschen in Deutschland, halten es aber nicht immer für realistisch.

Vielen geht es gar nicht um Millionen – sondern um ein normales Leben

Die forsa-Daten zeigen, dass die meisten Beschäftigten gar nicht von Luxus träumen. Ihr Wunsch ist deutlich bodenständiger: finanzielle Sicherheit.

  • So möchten 61 Prozent der Befragten eine Familie gründen und diese gut absichern. Tatsächlich leisten zu können glauben das aber nur 38 Prozent.
  • Ein Eigenheim wünschen sich 58 Prozent, realistisch erscheint es jedoch nur 37 Prozent.
  • Und obwohl neun von zehn Beschäftigten fürs Alter vorsorgen möchten, schaffen das nur 58 Prozent.

Für viele ist deshalb nicht der Traum vom Reichtum geplatzt, sondern der Glaube daran, sich grundlegende Lebensziele mit ihrem Einkommen erfüllen zu können.

Wenn große Ziele unerreichbar wirken, gewinnen kleine Momente an Bedeutung

Während Eigenheim oder Vermögensaufbau für viele in weite Ferne rücken, bleibt kurzfristiger Konsum oft noch möglich. Restaurantbesuche, Urlaubsreisen oder Konzerttickets können sich viele Beschäftigte weiterhin leisten. Solche Erlebnisse schaffen Ausgleich und Lebensqualität, ersetzen aber keine langfristige finanzielle Sicherheit. Wer das Gefühl hat, mit seinem Gehalt kaum voranzukommen, sollte deshalb den eigenen Marktwert regelmäßig überprüfen, Gehaltsverhandlungen aktiv angehen oder auch einen Arbeitgeberwechsel in Betracht ziehen. Reich wird dadurch zwar nicht jede:r. Die Chancen auf mehr finanziellen Spielraum steigen jedoch oft deutlich.