Fachkräftemangel in der Pflege
Fast 80 Prozent mehr Azubis, trotzdem fehlen Pflegekräfte
Um fast 80 Prozent ist die Zahl der Auszubildenden in Sachsens Gesundheitsberufen binnen zehn Jahren gestiegen – und trotzdem bleibt die Pflege unterbesetzt. Deutschlandweit könnten bis 2029 rund 18.700 Fachkräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege fehlen. Hilfe aus dem Ausland scheitert oft schon am ersten Termin.
Mehr Nachwuchs, trotzdem wächst die Lücke
In Sachsen machten im Februar 11.320 Menschen eine Ausbildung in Kranken-, Altenpflege oder Geburtshilfe, seit 2016 entstanden rund 23.000 Pflegejobs. Entspannung bringt das nicht. „In der Pflege gab und gibt es ein echtes Fachkräfteproblem – dieses wird bleiben und wachsen“, so die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit. Auf zwei offene Stellen kommt eine Pflegekraft auf Arbeitssuche.
Wegen der vielen Renteneintritte muss bis 2040 jede zweite Stelle nachbesetzt werden. Allein in Heimen und ambulanten Diensten sind laut IAB bis zu 21.000 Vollzeitstellen neu oder wieder zu besetzen – auf dem Land ist der Engpass am größten.

Jahrelang warten auf den ersten Termin
Kliniken setzen deshalb auf Fachkräfte aus dem Ausland – und stoßen auf Bürokratie. „Die Anerkennungsbürokratie bleibt in Deutschland leider sehr kompliziert und langwierig“, sagte Henriette Neumeyer, Vize-Vorstandschefin der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland, Visaverfahren sind kaum digitalisiert. Oft vergehen Monate oder Jahre bis zum ersten Botschaftstermin. Ohne ausländische Kräfte drohten laut Neumeyer Wartelisten und verschobene OPs.
Fachkräfte verdienen deutlich mehr als Helfer:innen
Einen Hebel sieht die Arbeitsagentur in der Qualifizierung von Helfer:innen. Für Beschäftigte lohnt der Schritt, zeigt der kununu Gehaltscheck (Ø brutto pro Jahr, Vollzeit):
- Pflegehelfer:in: 32.900 Euro
- Altenpfleger:in: 43.500 Euro
- Pflegefachkraft: 45.500 Euro
- Pflegedienstleiter:in: 57.100 Euro
Zwischen Hilfs- und Fachkraft liegen rund 12.600 Euro im Jahr.
Mehr Stunden gibt es nicht zum Nulltarif
Das IAB nennt Bedingungen, unter denen Pflegekräfte zurückkehren oder aufstocken: wertschätzende Führung, verlässliche Arbeitszeiten, Tarifbindung, höhere Bezahlung. Fast 80 Prozent mehr Azubis sind ein Anfang. Halten muss sie der Arbeitsalltag.