Zum Inhalt springen

Armut in Deutschland

Arm trotz Vollzeitjob: Wann ein Gehalt nicht mehr reicht

Veröffentlicht:  30. September 2026, 08:28
2 min
Mann sitzt am Laptop und hält sich nachdenklich die Hand an die Stirn.

Wer allein lebt und weniger als 1.445 Euro netto im Monat hat, gilt in Deutschland als armutsgefährdet. Mit einem Vollzeitgehalt von 27.400 Euro brutto liegt eine alleinlebende Person knapp darüber. Eine Familie mit zwei Kindern, die allein von diesem Gehalt lebt, bleibt dagegen gut 700 Euro unter der Grenze. Entscheidend ist also, wie viele Menschen von einem Einkommen leben.

Allein reicht es gerade so, zu viert nicht

Für Alleinlebende genügt ein solches Gehalt gerade so: Grob überschlagen bleiben von 27.400 Euro brutto rund 1.650 Euro netto im Monat, etwas mehr als die Armutsgrenze.

Ganz anders bei einer Familie mit zwei Kindern, die allein von diesem Einkommen lebt. Mit Steuerklasse III und 518 Euro Kindergeld kommt sie auf gut 2.300 Euro, deutlich unter der Schwelle von 3.034 Euro. Ansprüche auf Wohngeld oder Kinderzuschlag sind dabei nicht eingerechnet.

Fünf Berufe unter der Niedriglohnschwelle

Auf welche Berufe diese Rechnung zutrifft, zeigen aktuelle Daten aus dem kununu Gehaltscheck. Diese fünf Berufe zählen zu den am schlechtesten bezahlten in Deutschland:

Alle fünf liegen unter der Niedriglohnschwelle von 14,32 Euro brutto pro Stunde. Auf eine 40-Stunden-Woche hochgerechnet entspricht sie rund 29.800 Euro im Jahr.

So berechnet sich die Armutsgrenze

Das Statistische Bundesamt setzt die Schwelle bei 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens an, gewichtet nach Haushaltsgröße. Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt sie laut Endergebnissen der Erhebung EU-SILC 2025 bei 3.034 Euro netto im Monat. Erfasst werden dabei die Einkommen des Vorjahres. Insgesamt gelten 16,1 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet, besonders häufig Alleinlebende, Alleinerziehende und Menschen im Ruhestand.

Arbeit senkt das Risiko deutlich, beseitigt es aber nicht: 6,8 Prozent aller Erwerbstätigen lebten 2025 unterhalb der Grenze, unter den Vollzeitbeschäftigten waren es 4,6 Prozent.

Reinigungskraft säubert den Boden eines großen Gebäudes mit einer Reinigungsmaschine.
Ein einzelnes Gehalt sagt allerdings noch nicht, ob jemand armutsgefährdet ist. Dafür zählt das gesamte Haushaltseinkommen.

Die Grenze verläuft am Küchentisch

Ob ein Vollzeitjob vor Armut schützt, entscheidet sich damit nicht allein im Arbeitsvertrag, sondern am Küchentisch: bei der Frage, wie viele Menschen von einem Gehalt leben. Derselbe Lohn, der eine Person knapp über die Grenze trägt, lässt eine Familie deutlich darunter.