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Krankenversicherung im Wandel

Nach Merz-Vorstoß: PKV wird 2027 schwerer erreichbar

Veröffentlicht:  24. September 2026, 12:34
2 min
Friedrich Merz, CDU, Vorsitzender der Unionsfraktion, im Rahmen der Generalaussprache zum Etat des Bundeskanzlers und des Bundeskanzleramtes in der 40. Sitzung des Deutschen Bundestages. 1.6.2022
Bild: Deutscher Bundestag, Xander Heinl / photothek

56 Prozent der gesetzlich Versicherten warten länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin. Jetzt nennt ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz das Nebeneinander von Kasse und Privat in Deutschland ein „Gerechtigkeitsproblem“. Kaum beachtet: Der Weg in die private Krankenversicherung wird gerade schwieriger.

„Wir sehen das Problem“ – nur keine Lösung

Hier Privatversicherte, die sofort jede Leistung bekommen. Dort Kassenpatient:innen, die Wochen und Monate warten. So beschrieb Merz am Montag nach den CDU-Gremiensitzungen den Eindruck vieler Menschen, einen Tag nach den Wahlschlappen seiner Partei in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. „Wir sehen das Problem“, sagte er laut tagesschau. Entscheidungen für die gesetzliche Versicherung sollen künftig „wirkungsgleich“ auch für die private gelten.

Details nannte er nicht. Ein Sprecher stellte klar, der Kanzler habe das System nicht infrage gestellt. Die Debatte lief da längst:

  • SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis sieht einen Punkt „von zentraler Bedeutung“ für die Akzeptanz des Sozialstaats.
  • VdK-Präsidentin Verena Bentele fordert eine Bürgerversicherung, „in die alle einzahlen“.
  • Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen spottet, es habe erst einen „Absturz an der Wahlurne“ gebraucht.
  • CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek mahnt, man müsse „immer gut nachdenken“, und setzt auf eine Termingarantie.
  • PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther hält dagegen: Die Wartezeiten lägen nicht an der PKV.
  • Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wirft der Regierung „politische Orientierungslosigkeit“ vor: Das Merz-Spargesetz streiche ab 2027 rund 3 Milliarden Euro für die ambulante Versorgung gesetzlich Versicherter – aus KBV-Sicht der eigentliche Wartezeit-Treiber.
Ärztin sitzt am Schreibtisch
Weltweit einmalig: Deutschland leistet sich mit GKV und PKV zwei Vollversicherungssysteme nebeneinander – und schreibt zugleich allen eine Krankenversicherung vor.

Die Wartezeit-Zahlen widersprechen sich

Wie lang die Schlange wirklich ist, hängt von der Quelle ab. Die 56 Prozent stammen aus einer Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse. Nach einer Versichertenbefragung des GKV-Spitzenverbands, auf die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung verweist, bekam die Hälfte der gesetzlich Versicherten 2025 binnen zehn Tagen einen Facharzttermin.

Der Zugang zur PKV wird schwieriger

Wer in die Private Krankenversicherung wechseln will, soll 2027 laut Verordnungsentwurf mindestens 84.150 Euro brutto im Jahr verdienen, 6.750 Euro mehr als heute. Neben der Lohnentwicklung treibt eine Sonderanhebung aus dem Spargesetz für die Krankenkassen den Wert nach oben.

Merz hat das Problem benannt. Gelöst ist es nicht. Während über Gerechtigkeit zwischen zwei Systemen gestritten wird, können ab Januar weniger Angestellte überhaupt wählen – und bleiben in der Schlange, die der Kanzler selbst beschrieben hat.