Besoldung in NRW
Plus oder 400 Euro Minus? Streit um NRW-Beamtenbesoldung
Um 1,68 Prozent steigen die Grundgehälter der Landesbeamten in Nordrhein-Westfalen ab Januar 2027, im März folgen weitere 2 Prozent. Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) verspricht, dass niemand weniger bekommt. Die FDP hält dagegen: Beamtenfamilien in Großstädten wie Köln könnten langfristig 400 Euro im Monat und mehr verlieren. Der Grund ist eine Zulage, die ab 2028 Jahr für Jahr schrumpft.
Ein Zuschlag fällt weg, das Grundgehalt wächst
Anlass ist ein Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 17. September 2025 zur Berliner Besoldung, der bundesweit Maßstäbe setzt. Die Mindestbesoldung richtet sich seitdem nach der Prekaritätsschwelle von 80 Prozent des Median-Äquivalenzeinkommens statt nach der Grundsicherung. Das Kabinett hat seinen Gesetzentwurf am 13. Oktober 2026 nach Kritik der Verbände überarbeitet, am 15. Oktober wurde er in den Landtag eingebracht. Der Gesetzentwurf der Landesregierung sieht vor:
- Der Familienzuschlag der Stufe 1, den bisher vor allem Verheiratete erhalten, entfällt zum 1. Januar 2027. Die Grundgehälter steigen dafür um 1,68 Prozent.
- Die Anwärtergrundbeträge steigen um 30 Euro.
- Die Staffelung der Familienzuschläge nach Mietenstufen endet. Künftig gibt es einen landesweit einheitlichen Zuschlag, der sich nur nach der Zahl der Kinder richtet.
- Wer verliert, erhält eine Ausgleichszulage. Sie sinkt ab dem 1. Januar 2028 jährlich um 10 Prozent des Ausgangsbetrags und läuft damit über zehn statt, wie zunächst geplant, sieben Jahre aus.
Unabhängig davon wird der Tarifabschluss übertragen: plus 2 Prozent zum 1. März 2027 und plus 1 Prozent zum 1. Januar 2028. Zwischen Januar 2027 und Januar 2028 wachsen die Grundgehälter damit um rund 4,7 Prozent.

Neue Besoldungstabelle NRW 2027: So viel gibt es in A 5 bis A 16
Die Tabelle zeigt das monatliche Bruttogrundgehalt in der niedrigsten und der höchsten Erfahrungsstufe jeder Besoldungsgruppe, einmal für Januar und Februar 2027 (nach der Erhöhung um 1,68 Prozent) und einmal ab 1. März 2027 (nach weiteren 2 Prozent).
| Gruppe | Einstieg Jan./Feb. 2027 | Endstufe Jan./Feb. 2027 | Einstieg ab März 2027 | Endstufe ab März 2027 |
|---|---|---|---|---|
| A 5 | 3.128,05 € | 3.618,10 € | 3.190,61 € | 3.690,46 € |
| A 6 | 3.180,82 € | 3.718,84 € | 3.244,44 € | 3.793,22 € |
| A 7 | 3.269,66 € | 3.856,74 € | 3.335,05 € | 3.933,87 € |
| A 8 | 3.352,74 € | 4.169,20 € | 3.419,79 € | 4.252,58 € |
| A 9 | 3.495,98 € | 4.367,61 € | 3.565,90 € | 4.454,96 € |
| A 10 | 3.755,56 € | 4.864,14 € | 3.830,67 € | 4.961,42 € |
| A 11 | 4.115,72 € | 5.345,31 € | 4.198,03 € | 5.452,22 € |
| A 12 | 4.580,46 € | 5.867,60 € | 4.672,07 € | 5.984,95 € |
| A 13 | 5.309,20 € | 6.488,70 € | 5.415,38 € | 6.618,47 € |
| A 14 | 5.623,67 € | 7.153,22 € | 5.736,14 € | 7.296,28 € |
| A 15 | 6.462,49 € | 8.039,05 € | 6.591,74 € | 8.199,83 € |
| A 16 | 7.098,72 € | 8.922,07 € | 7.240,69 € | 9.100,51 € |
Großstadtfamilien verlieren ihren Wohnkosten-Bonus
Bisher glichen regionale Zuschläge hohe Großstadtmieten aus. Im Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags warnte Ralf Witzel, haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, laut Rheinischer Post: Das sorge dafür, „dass Sie in einer Großstadt wie Köln (…) zukünftig dann mehrere Hundert Euro brutto Verlustsituation haben“. Überschlägig komme er auf 400 Euro monatlich und mehr.
Minister verspricht: „Kein Beamter bekommt weniger“
Optendrenk hält dagegen. „Kein Beamter, keine Beamtin bekommt 2027 und danach weniger Geld“, sagte er laut Rheinischer Post im Landtag. Nach seinen Angaben stehen 75 Prozent der Beamten mit der neuen Systematik besser da als bisher. Laut den Modellrechnungen des Ministeriums liegen die Gesamtbezüge in jedem Modellfall über dem heutigen Niveau, auch nach Beginn der Abschmelzung übersteigen die regulären Gehaltserhöhungen den jährlichen Abschmelzbetrag.
Der Knackpunkt: Der Betrag auf dem Konto sinkt nach dieser Rechnung nicht, doch ein Teil der künftigen Erhöhungen wird durch die schrumpfende Zulage aufgezehrt. Nach eigener Berechnung der Redaktion wäre die Ausgleichszulage Anfang 2037 vollständig abgebaut.
Der DGB NRW zieht eine klare Linie. Vorsitzender Thorben Albrecht: „Durch die Neustrukturierung darf niemand schlechter gestellt werden.“ Das gelte besonders für Familien in teuren Regionen.Erst die Tabellen zeigen, wer verliert
Landtag soll vor Weihnachten entscheiden
Das Gesetzgebungsverfahren soll vor Weihnachten abgeschlossen sein, damit die Reform am 1. Januar 2027 in Kraft treten kann. Bis dahin können sich Details und Tabellenwerte noch ändern. Für Familien in teuren Städten beginnt das Abschmelzen der Zulage ab Januar 2028 – mit 10 Prozent pro Jahr.