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Angekündigte Sofortmaßnahmen

17 Cent weniger ab 1. Oktober: Tankrabatt ist beschlossen

von Marie S.
Veröffentlicht:  25. September 2026, 10:37
3 min
Mann betankt sein Auto.

Ab dem 1. Oktober zahlen Autofahrer:innen 17 Cent weniger pro Liter Benzin und Diesel. Der Bund senkt die Energiesteuer um 14 Cent pro Liter, mit dem Mehrwertsteuer-Effekt ergibt sich die Gesamtentlastung. Das Kabinett hat den Tankrabatt am 22. September beschlossen – gelten soll er bis zum 31. Dezember 2026. Bund und Länder teilen sich die Kosten von rund 2,5 Milliarden Euro zur Hälfte.

Was ab dem 1. Oktober an der Zapfsäule ankommt

Für eine 50-Liter-Tankfüllung ergibt sich rechnerisch eine Ersparnis von 8,50 Euro, wenn Tankstellen die Steuersenkung vollständig weitergeben. Beim ersten Tankrabatt im Mai und Juni 2026 landeten laut ZDF nur rund 80 Prozent bei den Verbraucher:innen. Das Finanzministerium hat angekündigt, dass die Kartellbehörden den Mineralölkonzernen „genau auf die Finger schauen“ sollen.

Der Rabatt gilt drei Monate: 1. Oktober bis 31. Dezember 2026.

Wo die Kraftstoffpreise vor dem Beschluss standen

Laut ADAC kostete ein Liter Super E10 am 17. September 2026 durchschnittlich knapp 2,308 Euro, Diesel sogar 2,471 Euro. Der bisherige Dieselrekord von 2,447 Euro vom 7. April ist damit gefallen. Ein Barrel Brent-Öl notiert derzeit bei knapp 110 US-Dollar. Auslöser der Preisspirale ist der Iran-Nahost-Konflikt und die Sperrung der Schifffahrtsroute von Hormus – laut Bundesregierung stieg der Ölpreis dadurch um rund 30 Prozent.

Der ADAC hält das Preisniveau an den Zapfsäulen nur teilweise für gerechtfertigt und fordert mehr Transparenz.

Frau bezahlt an der automatischen Zapfsäule.
Der Tankstellen-Interessenverband hält sogar drei Euro je Liter für möglich

Warum es die Energiesteuer wurde und nicht die Mehrwertsteuer

Diskutiert wurden mehrere Modelle:

  • eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent
  • ein staatlicher Preisdeckel
  • oder eine Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Unionsfraktionschef Thorsten Frei hatten die Mehrwertsteuer-Senkung favorisiert, die SPD forderte einen Preisdeckel und eine europäische Übergewinnsteuer.

Durchgesetzt hat sich die Senkung der Energiesteuer um 14 Cent pro Liter. Der Grund: Anders als die Mehrwertsteuer profitieren so auch Unternehmen, Handwerker und Mittelstand direkt – nicht nur Privathaushalte. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte laut Bundesregierung: „Wer jeden Tag auf das Auto angewiesen ist, kommt an seine Belastungsgrenze. Wir handeln schnell und haben einen klaren Fahrplan für 2027.“

Die von der SPD ins Spiel gebrachte europäische Übergewinnsteuer kommt vorerst nicht: EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis hat Finanzminister Lars Klingbeil in Dublin eine Absage erteilt. „Zum jetzigen Zeitpunkt legen wir keinen EU-weiten Vorschlag vor.“

Ab 1. Januar 2027: Spritpreisdeckel geplant

Nach dem Ende des Tankrabatts soll spätestens zum 1. Januar 2027 ein staatlich geregelter Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs und Belgiens greifen. Eine Behörde würde dann anhand von Brennstoff-, Transport- und Lagerkosten einen maximalen Preis für Benzin und Diesel festlegen. Die konkrete Ausgestaltung will der Bund mit der Mineralölwirtschaft verhandeln.

Ob dieser Zeitpunkt hält, ist offen. Wirtschaftsministerin Reiche hatte sich ursprünglich gegen einen Preisdeckel ausgesprochen. „Ich kann Ihnen jetzt hier keine festen Termine nennen“, sagte eine Ministeriumssprecherin laut ZDF. Es werde „keinen Preisdeckel um jeden Preis geben“. Polen und Österreich hatten ihre Preisdeckel nach der Einführung wieder zurückgenommen.

Bund und Länder teilen sich 2,5 Milliarden Euro

Neu gegenüber dem ersten Tankrabatt: Die Länder beteiligen sich mit 1,25 Milliarden Euro (Umsatzsteuerfestbetrag) zur Hälfte an den Kosten. Der zweimonatige Rabatt im Frühsommer hatte den Bund allein rund 1,6 Milliarden Euro gekostet.

Kritik: Ökonomisch umstritten, sozial ungezielt

Monika Schnitzer, Chefin der Wirtschaftsweisen, hält Tankrabatt und Preisdeckel für ökonomisch falsch. Sie schwächten das Knappheitssignal hoher Ölpreise ab und kosteten den Staat viel Geld. Am Ölmarkt ändere keine der Maßnahmen etwas, die Unsicherheit bleibe hoch.

Auch der Bundesrechnungshof zweifelt seit Monaten an der Wirksamkeit. Kritiker bemängeln, dass pauschale Rabatte auch Menschen mit hohem Verbrauch entlasten und den Anreiz zum Spritsparen schwächen. Der Ökonom Henning Vöpel warnte laut ZDF, es könne sein, dass Mineralölkonzerne einen Teil der Ersparnis „für sich verbuchen“.