Lohngleichheit in Deutschland
Diese 3 Berufe zahlen Frauen mehr – wer dazugehört, profitiert
Eigentlich hätte Deutschland bis zum 7. Juni 2026 die EU-Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen müssen. Doch die Bundesregierung hat die Frist verstreichen lassen, das Gesetz kommt erst Anfang 2027. Die Lohnlücke bleibt also weiter offen, mit drei Ausnahmen: Eine kununu-Auswertung zeigt drei Berufe, in denen Frauen sogar mehr verdienen als Männer.
Diese 3 Jobs haben den Gap geschlossen
- Empfangsmitarbeiter:in: Frauen 32.362 € vs. Männer 32.042 €
- Technische:r Produktdesigner:in: Frauen 40.423 € vs. Männer 40.030 €
- Mediaplaner:in: Frauen 50.114 € vs. Männer 49.574 €
Empfang: Frauen verdienen 320 € mehr
Am Empfang dreht sich der Gap um und zwar zugunsten der Frauen. Mit 32.362 Euro verdienen Empfangsmitarbeiterinnen im Schnitt 320 Euro mehr als ihre männlichen Kollegen mit 32.042 Euro. Kein riesiger Betrag, aber das Signal dahinter ist klar: Hier spielt das Geschlecht keine Rolle mehr.
Warum funktioniert es hier? Der Empfang ist einer der wenigen Bereiche, in dem klare Aufgabenprofile, wenig Ermessensspielraum bei der Gehaltsfindung und ein hoher Frauenanteil zusammentreffen.
Wo wenig Verhandlungsspielraum besteht, gibt es auch wenig Raum für unbewusste Ungleichbehandlung. Laut Equal Pay Day liegt der bereinigte Gender Pay Gap in Deutschland bei 6 Prozent, hier bei minus einem Prozent.
Produktdesign: Fair trotz Technik-Branche
Produktdesign verbindet Technik mit Kreativität und mit fairer Bezahlung. Frauen verdienen hier im Schnitt 40.423 Euro, Männer 40.030 Euro. Erneut liegen die Frauen vorne, der Gap beträgt minus 1 Prozent.
Dass ausgerechnet ein technisch geprägter Beruf so gut abschneidet, ist bemerkenswert, denn in vielen technischen Berufen ist der Gender Pay Gap überdurchschnittlich hoch.
Wer gute Arbeit zeigt, verhandelt auf Augenhöhe, unabhängig vom Geschlecht. Die Hans-Böckler-Stiftung hat gezeigt, dass ein höherer Frauenanteil im Betrieb den Gender Pay Gap messbar senkt, in Designberufen scheint dieser Effekt zu greifen.
Mediaplanung: Der fairste Wert im Vergleich
Mediaplanung macht den Abschluss und setzt noch einen drauf. Mit 50.114 Euro verdienen Mediaplanerinnen 540 Euro mehr als ihre männlichen Kollegen mit 49.574 Euro. Der Gap liegt bei -1,10 Prozent und zeigt den fairsten Wert im gesamten Vergleich.
Mediaplanung ist ein Beruf, in dem Frauen stark vertreten sind und das wirkt sich direkt auf die Lohnstruktur aus. Wo Frauen die Norm sind, nicht die Ausnahme, funktioniert Lohngleichheit strukturell besser.
Die Gemeinsamkeit, die alles verrät
Empfang, Produktdesign, Mediaplanung – drei sehr unterschiedliche Berufe, ein gemeinsamer Nenner: faire Bezahlung. Was sie verbindet, sind transparente Strukturen, klare Aufgabenprofile und in vielen Fällen ein höherer Frauenanteil, der Ungleichheit strukturell schwerer macht. In allen drei Berufen verdienen Frauen sogar minimal mehr als Männer.
Allerdings fällt eines auf: Alle drei Berufe liegen im unteren bis mittleren Gehaltsbereich. Ein Zufall? Wohl kaum. Laut der Bundesstiftung Gleichstellung wächst der Gender Pay Gap mit steigendem Karrierelevel. Das Phänomen der „gläsernen Decke“ sorgt dafür, dass Frauen in höhere Positionen seltener aufsteigen und dort, wo sie es tun, weniger verdienen.
Faire Bezahlung gibt es also vor allem dort, wo insgesamt weniger verdient wird. Ein Muster, das zeigt, wie weit der Weg zur echten Lohngleichheit noch ist.
Hinweis: Bereinigt wurde nach vergleichbaren Gruppen innerhalb desselben Berufs – unter anderem nach Erfahrung, Karrierelevel, Führungsverantwortung, Bundesland und Branche. Die Auswertung ist dadurch aussagekräftiger als ein reiner Durchschnittsvergleich, ersetzt aber keine vollständige Equal-Pay-Analyse.