Zeiterfassung ist jetzt Pflicht – Was bedeutet das für Überstunden und Pausenzeiten?

Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) am 14.05.2019 sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter zu erfassen. Das ist etwa möglich, indem Angestellte ihre tägliche Arbeitszeit und ihre täglichen Arbeitspausen online oder in eine App eintragen. Es muss also nicht unbedingt die Stechuhr sein.

Begründet hatten die Richter in Luxemburg ihre Entscheidung damit, dass so besserer Arbeitnehmerschutz möglich ist. Arbeitgeber in der EU haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten nicht überschritten werden. Über die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter genau Buch zu führen, soll ihnen helfen, diese Pflicht einzuhalten.

Die wichtigsten Regeln im Arbeitsrecht rund um Höchstarbeitszeit und Pausenzeiten zu kennen ist daher ab jetzt wichtiger denn je. Johannes Schaack, Redakteur und Content Manager bei unserem Kooperationspartner anwalt.de, verrät dir deswegen heute, auf was du dabei achten musst.

Wie viele Überstunden sind erlaubt?

Es gibt keine spezielle Regelung dazu, wie viele Überstunden maximal geleistet werden dürfen. Allerdings kennt das Arbeitszeitgesetz Regelungen zur erlaubten Zahl der Arbeitsstunden pro Tag und pro Woche, an die sich dein Arbeitgeber halten muss. 8 Stunden am Tag sind der Richtwert für Mitarbeiter, 10 Stunden am Tag sind der Höchstwert.

Die maximale Arbeitszeit pro Woche darf 48 Stunden nicht überschreiten. Das Arbeitszeitgesetz erlaubt allerdings Abweichungen durch einen Tarifvertrag bzw. eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung. Dazu sind Ausnahmen für bestimmte Branchen möglich. Gibt es in deinem Unternehmen einen Betriebsrat, hat dieser ein Mitbestimmungsrecht bei der Überstundenregelung von Mitarbeitern.

„Überstunden sind hier selbstverständlich.“ – anonyme Arbeitgeberbewertung bei K3Pool Agentur Atelier

Diese Ausnahmen kennt das Arbeitsrecht

Die genannten Vorschriften gelten allerdings nicht nur für die regulären Arbeitsstunden, denn sie schließen die Überstunden mit ein. Verlangt dein Arbeitgeber beispielsweise zwei Überstunden pro Tag bei einer Vollzeitstelle mit fünf Arbeitstagen pro Woche, verstößt er gegen das Arbeitszeitgesetz. Er überschreitet nämlich dann die wöchentlich erlaubten 48 Arbeitsstunden.

Deine tägliche Arbeitszeit darf jedoch bis zu zehn Stunden betragen, wenn sie innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt nicht höher ist als acht Stunden pro Werktag. In solchen Fällen darf deine wöchentliche Arbeitszeit auch bis zu 60 Stunden betragen.

„Andere Firmen arbeiten oft mit Vertrauensarbeitszeit (ohne Stechuhr). Das klingt erstmal positiv, führt aber in der Regel dazu, dass Überstunden angehäuft werden, ohne dass es auffällt.“ – Arbeitgeberbewertung bei GET AG

Nach Feierabend stehen dir mindestens 11 Stunden Erholung zu

Zudem muss dir nach Feierabend eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden möglich sein. Lässt dich dein Arbeitgeber erst um neun Uhr Feierabend machen und verlangt dann, dass du am nächsten Tag pünktlich um 7 Uhr zur Arbeit kommst, verstößt er gegen das Arbeitszeitgesetz.

Eine Verkürzung auf 10 Stunden ist in bestimmten Branchen wie im Krankenpflegebereich oder in der Gastronomie erlaubt. Dafür sorgt § 5 Abs. 2 ArbZG (Arbeitszeitgesetz). Innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen steht dir ein Ausgleich durch die Verlängerung einer anderen Ruhezeit auf mindestens zwölf Stunden zu.

„Wer Bock auf Überstunden hat, ist hier richtig.“ – anonyme Arbeitgeberbewertung bei Eibach Federn

Du bist leitender Angestellter?

Für leitende Angestellte nach § 5 Abs. 3 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) gelten die Regeln des Arbeitszeitgesetzes allerdings nicht. Der Grund dafür ist ihre verantwortungsvolle Position im Unternehmen. Ein solcher leitender Angestellter bist du, wenn du laut Arbeitsvertrag oder deiner Position im Unternehmen die Berechtigung zur selbstständigen Einstellung und Entlassung von Arbeitnehmern oder auch eine Generalvollmacht oder Prokura hast.

Das bedeutet jedoch nicht, dass du rund um die Uhr zur Verfügung stehen musst. Auch hier darf der Arbeitgeber kein Stundenpensum verlangen, das gesundheitsschädlich ist.

„Keine Überstunden und das in der Werbebranche!“ – anonyme Arbeitgeberbewertung bei DUO Werbeagentur

Welche Regelungen gelten für Pausen?

Weil sie nicht zur Arbeitszeit gehören und daher nicht vergütet werden müssen, spielen Pausen bei der Arbeitszeiterfassung ebenso eine wichtige Rolle. Darüber hinaus gibt es auch hier Gesetze, an die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer halten müssen.

Zum Beispiel darfst du nicht länger als sechs Stunden am Stück arbeiten – und der Arbeitgeber darf nicht verlangen, dass du es tust. Spätestens nach sechs Stunden musst du eine Pause von mindestens 30 Minuten machen. Arbeitest du täglich mehr als neun Stunden, hast du gemäß § 4 ArbZG (Arbeitszeitgesetz) einen Anspruch auf 45 Minuten Pause.

Du musst die Pause nicht zwingend am Stück machen, sondern darfst sie in zwei Abschnitte von jeweils 15 Minuten einteilen. Über Tarifverträge oder bestimmte Betriebsvereinbarungen können allerdings andere Regelungen getroffen werden.

„Pausen sind hier sehr erholsam.“ – anonyme Arbeitgeberbewertung bei Google Germany

Diese Ausnahmen solltest du kennen

Auch die Pausenregelungen im Arbeitszeitgesetz kommen nicht ohne Ausnahmen aus. Etwa müssen Kraftfahrer spätestens nach 4,5 Stunden am Steuer eine Fahrtunterbrechung von mindestens 45 Minuten machen.

Zudem gelten für jugendliche Arbeitnehmer strengere Vorschriften. Nach 4,5 Stunden Arbeit müssen Jugendliche die erste Pause machen, die mindestens 15 Minuten dauern muss. Arbeiten sie täglich zwischen 4,5 und 6 Stunden, stehen ihnen 30 Minuten Pause zu. Bei mehr als 6 Stunden täglicher Arbeitszeit sind Jugendliche zu einer Arbeitspause von 60 Minuten verpflichtet. Länger als 4,5 Stunden ohne Pause dürfen Jugendliche nicht beschäftigt werden.

„Durch gemeinsame Pausen wirkt der Kollegenzusammenhalt sehr harmonisch.“ – anonyme Arbeitgeberbewertung bei Tafel-Akademie GmbH

Und wie sieht es in der Schweiz und in Österreich aus?

In Österreich und in der Schweiz gelten teilweise andere Regelungen. Informationen findest du auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (Österreich), auf den Seiten der Ämter für Wirtschaft und Arbeit (Schweiz) sowie in den jeweiligen staatlichen Gesetzen.

 

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Wie viele Stunden rackerst du dich ab?