Pension im Wandel
Nur 313 statt 10.000 Anträge: Die Teilpension hat ihr Ziel verfehlt
Rund 10.000 Menschen pro Jahr hatte das Sozialministerium erwartet – tatsächlich stellten in Österreich im ersten Halbjahr 2026 nur 313 Personen einen Antrag auf Teilpension. Eingeplant waren Einsparungen von 200 Millionen Euro für heuer. Woran es hakt, ist offen. Eine kununu-Auswertung zeigt, was ältere Beschäftigte an ihren Arbeitgeber:innen hält.
Ein Modell, das den Ausstieg abfedern sollte
Seit 1. Jänner 2026 können Beschäftigte mit Pensionsanspruch ihre Arbeitszeit um 25 bis 75 Prozent reduzieren und dafür einen Teil ihrer Pension beziehen. Der Dienstgeber muss schriftlich zustimmen.
289 Anträge gingen bei der Pensionsversicherungsanstalt ein, anerkannt wurden 118. Für einen langsamen Anlauf spricht der Verlauf nicht: 80 Anträge in Jänner und Februar, 81 im März, danach 51, 33 und 44. Auffällig: 227 Anträgen von Männern stehen 62 von Frauen gegenüber.
Warum die niedrigen Zahlen noch kein Scheitern belegen
Belastbare Gründe für die Zurückhaltung gibt es nicht. Plausibel ist ein Bündel:
- Das Modell existiert erst seit sechs Monaten und gilt für einen klar abgegrenzten Kreis.
- Abschläge und Pensionskonto machen die Rechnung komplex.
- Laut einer XING-Studie aus 2025 will nur jeder fünfte Beschäftigte über das Pensionsalter hinaus arbeiten.
Eine finanzielle Abschätzung sei nach so kurzer Zeit nicht seriös machbar, so das Sozialministerium. Man müsse aber „noch intensiver informieren“.

Altersfreundliche Arbeitgeber:innen werden fast fünfmal so häufig empfohlen
Wie schwer das wiegt, zeigt eine kununu-Auswertung österreichischer Bewertungen von Nutzer:innen ab 55 Jahren.
| Umgang mit älteren Kolleg:innen | Weiterempfehlung | Gesamtbewertung |
| 4–5 Sterne (10.387 Bewertungen) | 93,5 % | 4,48 |
| 1–3 Sterne (3.211 Bewertungen) | 20,2 % | 2,24 |
73,3 Prozentpunkte Abstand: Wer den Umgang mit Älteren positiv bewertet, empfiehlt seinen Arbeitgeber fast fünfmal so häufig weiter. Ein Beleg für längeres Arbeiten ist das nicht, ein Zusammenhang zwischen Altersfreundlichkeit und Bindung schon.
Führung trennt die guten von den schlechten Arbeitgebern
Am weitesten auseinander liegen beide Gruppen beim Führungsverhalten: 4,43 gegenüber 1,75 Sternen, ähnlich groß die Abstände bei Kommunikation und Weiterbildung. Auch in den Freitexten kommt Führung bei schlecht bewerteten Arbeitgeber:innen mehr als dreimal so häufig zur Sprache. Positive Erfahrungen kreisen um Respekt, negative um Belastung und Altersdiskriminierung.
Die Teilpension allein wird es nicht richten
Warum bislang nur 313 Menschen diesen Weg gewählt haben, beantworten die kununu-Daten nicht – dafür ist das Modell zu jung. Sie zeigen aber, woran sich Arbeitgeber:innen aus Sicht Älterer messen lassen müssen. Zwischen 10.000 erwarteten und 313 tatsächlichen Anträgen liegt womöglich weniger eine Frage des Pensionsrechts als eine des Arbeitsplatzes.