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Krankmeldung

Neue Zahlen zeigen: Der Krankenstand sinkt – doch ein Problem wächst weiter

Veröffentlicht:  25. Juli 2026, 08:10
2 min
Person sitzt weinend auf einem Sofa mit einem Taschentuch in den Händen.

Kaum ein Thema wird derzeit in Deutschland so häufig diskutiert wie die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Bundeskanzler Friedrich Merz und die schwarz-rote Koalition wollen die Regeln für Krankschreibungen verschärfen und begründen das mit den hohen Krankenständen in Deutschland. Doch ausgerechnet jetzt zeigen neue Zahlen: Der Krankenstand sinkt bereits leicht – gleichzeitig nehmen psychische Erkrankungen weiter zu.

Krankenstand sinkt, dafür mehr psychische Erkrankungen

Nach aktuellen Daten der DAK-Gesundheit lag der Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 folgendermaßen:

  • Der Krankenstand lag bei 5,3 Prozent. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sank der Wert leicht.
  • Der Rückgang ist vor allem auf deutlich weniger Atemwegserkrankungen zurückzuführen.
  • Gleichzeitig stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen um neun Prozent. Sie sind inzwischen die häufigste Ursache für Krankschreibungen.

Damit verändert sich nicht nur, warum Menschen ausfallen, sondern auch, welche Rolle das Arbeitsumfeld während einer Erkrankung spielt.

Krankheit wird für manche Beschäftigte zur Vertrauensfrage

Während in der Politik über strengere Regeln für Krankmeldungen diskutiert wird, zeigt eine qualitative Auswertung von kununu, wie sensibel Beschäftigte den Umgang mit Krankmeldungen wahrnehmen.

In den untersuchten Bewertungen beschreiben Beschäftigte Krankheit immer wieder im Zusammenhang mit Vertrauen, Misstrauen oder Kontrolle. Es wird berichtet, dass eine Krankmeldungen angezweifelt wurde, der Grund der Erkrankung offenlegt werden sollte oder der Arbeitgeber während einer Krankschreibung kontrolliert habe. Andere schildern den Druck, trotz Krankheit erreichbar zu bleiben oder weiterzuarbeiten.

Es wurde erwartet, bereits am ersten Krankheitstag einen Arzt aufzusuchen, selbst wenn dies aufgrund einer starken Migräne oder eines ähnlichen Gesundheitsproblems kaum möglich war.

Das wirkt sich deutlich auf die Arbeitgeberbewertung aus

Diese Erfahrungen spiegeln sich auch in den Bewertungen wider. Arbeitgeber, bei denen Beschäftigte Krankheit gemeinsam mit Vertrauen, Misstrauen oder Kontrolle thematisieren, erreichen im Durchschnitt 2,12 von 5 Sternen. Über alle deutschen Arbeitgeberbewertungen seit 2023 liegt der Durchschnitt dagegen bei 3,66 Sternen.

Noch deutlicher fällt der Unterschied bei der Weiterempfehlung aus: Nur 13,8 Prozent der Beschäftigten würden ihren Arbeitgeber weiterempfehlen. Im Durchschnitt aller deutschen Arbeitgeberbewertungen liegt dieser Wert bei 67,4 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen: Wird der Umgang mit Krankheit als Ausdruck von Misstrauen oder Kontrolle wahrgenommen, leidet das Arbeitgeberimage erheblich.

Krankenstand testet das Vertrauen des Arbeitgebers

Gerade weil psychische Erkrankungen inzwischen die häufigste Ursache für Krankschreibungen sind, gewinnen Themen wie Vertrauen, Wertschätzung und eine respektvolle Kommunikation an Bedeutung. Beschäftigte erwarten, dass eine Krankmeldung akzeptiert wird – ohne Rechtfertigungsdruck oder das Gefühl, unter Generalverdacht zu stehen.

Ob die geplante Attestpflicht den Krankenstand tatsächlich senkt, ist politisch umstritten. Unabhängig davon zeigen die DAK-Zahlen und die kununu-Auswertung jedoch eine gemeinsame Entwicklung: Während psychische Erkrankungen für Beschäftigte immer wichtiger werden, gewinnt auch die Vertrauenskultur am Arbeitsplatz an Bedeutung. Arbeitgeber können Krankheit nicht verhindern – aber sie können beeinflussen, wie Beschäftigte den Umgang damit erleben.

Methodik: Die qualitative Auswertung basiert auf öffentlich sichtbaren kununu-Bewertungen aus Deutschland, in denen Beschäftigte Krankheit im Zusammenhang mit Vertrauen, Misstrauen oder Kontrolle beschreiben. Dabei wurden ausschließlich Bewertungen seit 2023 berücksichtigt.