Mit 30 in Rente – Das steckt hinter der FIRE-Bewegung

Eigentlich müssen wir bis zu einem Alter von mindestens 67 Jahren arbeiten – eigentlich. Denn immer mehr Menschen planen einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben. Sie wollen etwas vom Leben haben und zwar jetzt. Was es mit der FIRE-Bewegung und der 4%-Regel auf sich hat und wie damit Rente bereits mit 30 Jahren möglich sein soll, erfährst du hier.

This is Independence Day.

Immer mehr Menschen betrachten die Arbeitswelt unter einer anderen Perspektive. Sie wollen ihre Zeit nicht mit Bullshitjobs vergeuden – schließlich sind sie nicht auf der Welt, um nur zu arbeiten. Die FIRE-Anhänger haben andere Pläne. Als Rentner-Pioniere streben sie nach Freiheit und Freizeit, wollen den Ruhestand bereits mit 30 oder 40 erleben und nicht erst dann, wenn sich ihre Haare alaskablond färben und der Körper immer unbeweglicher wird.[1] Die Bezeichnung FIRE setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von „Financial Independence, Retire Early“ (zu Deutsch: Finanzielle Unabhängigkeit, frühe Pension) zusammen und steht für die Idee, dass ein gutes Einstiegsgehalt und ein sparsamer Lebensstil die frühe Rente möglich machen. [1,2,3]

Alles auf Sparflamme.

Ein Vorreiter der Bewegung ist ehemaliger Softwareentwickler Carl Jensen. 2012 hatte er die Nase voll von seinem stressigen Job und beschloss gemeinsam mit seiner Frau einen finanziellen Plan zu entwickeln, der den frühen Ausstieg ermöglichte. Die simple Idee: Beide arbeiteten vorerst unter vollstem Einsatz weiter, reduzierten ihre Lebenserhaltungskosten bzw. sämtliche Ausgaben enorm. Innerhalb von 5 Jahre schafften sie es so, ihr Vermögen auf 1,2 Millionen US-Dollar aufzustocken.[4] Die goldene Regel lautet also: So viel sparen, wie es nur geht. Wer also geglaubt hat, die 30-jährigen Rentner führen ein leichtes Leben, der irrt.

Nur wer sich der Idee zu 100 Prozent verschreibt und bereit ist, auch über Jahrzehnte auf unnötigen Konsum zu verzichten, kann das Konzept auch wirklich umsetzen.[1,2,3] Innerhalb der FIRE-Bewegung greifen viele auf die 4%-Regel zurück, die besagt: Wenn du etwa das 25-fache deiner jährlichen Ausgaben angespart hast, dann kannst du kündigen.[5]

Kohle brauchst du trotzdem.

Fest steht aber auch, es gibt einen Grund, warum dieser Trend besonders in der Techbranche der USA verbreitet ist. Denn generell lässt sich über die frühen Berufsaussteiger sagen: Sie alle verfügen über ein überdurchschnittliches Einkommen und haben – anders als viele andere Menschen in Amerika – meist keine Unsummen an Studienschulden angehäuft, die sie abbezahlen müssen. Mit Mindestlöhnen und unterbezahlten 24/7-Jobs ist ein früher Renteneintritt nur sehr schwer möglich. [1,4]

Ein weiterer Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden darf ist, dass die FIRE-Vertreter häufig in Fonds, Anleihen und Immobilien investieren, um später davon leben zu können. Nicht jeder hat die Expertise sein Geld so anzulegen, dass es auch in 30 Jahren noch da ist bzw. die Summe weiter angestiegen ist. Wer sich für die FIRE-Bewegung interessiert, sollte darauf in jedem Fall ein Auge haben und sich bewusst sein: Frühe Rente ist nicht zuletzt ein hartes Stück Arbeit. [1,4]

 

Quellen
[1] derstandard.at
[2] welt.de
[3] stern.de
[4] focus.de
[5] frugalisten.de