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Mehr Beiträge, weniger Leistungen

Krankenkassen-Reform trifft Millionen Arbeitnehmende

Veröffentlicht:  Heute
2 min
Erschöpfte Frau sitzt am Schreibtisch vor einem Laptop, umgeben von Taschentüchern, und blickt müde auf ihr Smartphone

Die gesetzliche Krankenversicherung steuert laut tagesschau auf ein Finanzproblem zu. Schon 2027 könnte ein Defizit von 15 Milliarden Euro entstehen, bis 2030 drohen sogar bis zu 40 Milliarden Euro. Gesundheitsministerin Nina Warken will das System deshalb mit schnellen und spürbaren Einschnitten stabilisieren.

Reformplan setzt auf höhere Kosten und weniger Leistungen

Die geplante Reform greift an mehreren Stellen gleichzeitig ein. Versicherte müssen sich auf deutlich steigende Eigenanteile einstellen, etwa bei Medikamenten. Auch beim Krankengeld sind Kürzungen vorgesehen.

  • Höhere Zuzahlungen bei Medikamenten
  • Kürzungen beim Krankengeld
  • häufigere Beitragspflicht für Ehepartner
  • Streichung einzelner Leistungen (z. B. Homöopathie, Hautkrebs-Früherkennung)

Auch Ärzte, Kliniken und Pharmafirmen sollen stärker zahlen

Die Reform richtet sich nicht nur an Versicherte. Auch Leistungserbringer werden stärker in die Pflicht genommen. Für Pharmaunternehmen sind höhere Rabatte vorgesehen, während Preissteigerungen insgesamt gedeckelt werden sollen. Kliniken und Ärzte müssen ebenfalls mit finanziellen Einschränkungen rechnen.

Geöffnete Medikamentenflaschen mit verstreuten Tabletten auf einem Tisch
Krankenkassen begrüßen die Vorschläge, die Pharmaindustrie nicht so sehr.

Für Arbeitnehmer:innen: Weniger Krankengeld und neue Regeln bei längerer Krankheit

Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber übernimmt derzeit die Krankenkasse mit einem Krankengeld in Höhe von 70 Prozent des Bruttogehalts.

  • Künftig soll dieser Satz auf 65 Prozent sinken.
  • Neues Modell: Wer länger krank ist, soll teilweise wieder arbeiten können und dafür ein anteiliges Krankengeld erhalten.

Die Begründung lautet, dass Deutschland im internationalen Vergleich ein besonders hohes Absicherungsniveau habe. Gewerkschaften warnen jedoch, dass geringere Leistungen den Druck erhöhen könnten, trotz Krankheit früher an den Arbeitsplatz zurückzukehren.

Was anteiliges Krankengeld für die Unternehmenskultur bedeutet

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Arbeitgeber, die eine echte Kultur des „Bleib zuhause, wenn du krank bist“ gelebt haben, werden jetzt auf die Probe gestellt. Denn wenn Mitarbeitende finanzielle Nachteile fürchten, braucht es konkrete Unterstützung:

  • Betriebliches Gesundheitsmanagement stärken
  • Gehaltsfortzahlung-Modelle überprüfen
  • Offen über den Druck reden, den die Reform erzeugt

Höhere Beitragsbemessungsgrenze belastet vor allem Gutverdienende

Die Höhe des Krankenkassenbeitrags richtet sich direkt nach dem Einkommen, allerdings nur bis zu einer festgelegten Grenze, so die ZEIT.

Diese Beitragsbemessungsgrenze wurde erst kürzlich auf 5.812,50 Euro monatlich angehoben. Der aktuelle Gesetzentwurf sieht nun eine weitere Erhöhung um 300 Euro vor. Für Besserverdienende bedeutet das faktisch steigende Beiträge, da ein größerer Teil ihres Einkommens künftig verbeitragt wird.

Zeitplan: Reform könnte schon 2027 greifen

Der Zeitplan ist ambitioniert: Das Reformpaket soll noch vor der Sommerpause durch Bundestag und Bundesrat gebracht werden. Viele Maßnahmen könnten direkt nach Verkündung oder zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Einzelne Änderungen – etwa bei der Mitversicherung von Ehepartnern – sind jedoch erst ab 2028 vorgesehen.

Fest steht: Ohne Eingriffe droht ein strukturelles Defizit, das sich über Jahre weiter verschärfen würde. Die Reform markiert deshalb einen Wendepunkt – mit direkten finanziellen Folgen für Millionen Menschen.